Rezension: Reise mit zwei Unbekannten von Zoe Brisby

Rezension auf einen Blick

Themen: Road Trip, Selbstfindung, Depression
So hat sich das Buch angefühlt: lustig, verrückt, skurril
Der erste Satz: „Alex zögerte.“

Dieses Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Vorwarnung: Der erste Teil dieser Rezension ist frei von Spoilern. Die Informationen, die ich preisgebe, stehen auf den ersten Seiten des Buches oder im Klappentext. Ab dem Absatz mit der Überschrift „Spoilerwarnung“ bespreche ich die vollständige Handlung des Buches. Ab da verrate ich also wichtige Punkte, die ihr vielleicht nicht verraten haben wollt. Also wer das Buch noch ohne Vorwissen lesen will, sollte dort aus dem Text aussteigen.

Ohne Spoiler

Klappentext: Die neunzigjährige energische Maxine ist aus dem Seniorenheim ausgebüxt, um ihr Ableben selbstbestimmt zu regeln. Der schüchterne Student Alex hat Liebeskummer und braucht frischen Wind. Das Schicksal führt sie über ein Mitfahrportal zusammen. In einem uralten Twingo brechen sie zu einer Fahrt durch Frankreich nach Brüssel auf. Nach und nach fassen sie Vertrauen zueinander, erzählen sich Dingen die sie niemals zuvor preisgegeben haben, machen sich gegenseitig Mut, bestehen unfreiwillige Abenteuer und sehen sie schließlich ganz klar vor sich – die grandiose Vielfalt des Lebens.

Dieses Buch zu lesen, hat mir Spaß gemacht. Ich musste an manchen Stellen laut auflachen, der Humor ist gut, die Situationskomik und auch die schrulligen Charaktere tragen dazu bei. Das Buch dreht sich um die Auffassung, die die Charaktere zum Leben haben und manche Unterhaltungen waren wirklich schön und haben sehr viel Wahrheit und auch sehr gute Gedanken in sich getragen. An manchen Stellen war ich aber auch ein bisschen unzufrieden mit dem Buch. 

Sowohl Maxine als auch Alex deuten die Situationen, in denen sie stecken, sehr oft falsch und auf eine Art, die ich manchmal sehr schwer nachvollziehen konnte. Nur weil Alex müde aussieht, denkt Maxine, und auch andere Menschen, sofort, dass er ein Drogensüchtiger sein muss.  Sie gehen immer gleich von abwegigen Schlussfolgerungen aus. Am Anfang hat mich das noch nicht gestört. Es führt schließlich zu witzigen Missverständnissen. Aber irgendwann hat es sich sehr wiederholt. 

Eigentlich haben mir die Charaktere gefallen. Vor allem Maxine mochte ich von Anfang an. Sie ist eine 95-jährige Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Sie ist jung geblieben und Alex eine alte Seele. Eigentlich eine sehr gute Kombi und die Dynamik der beiden hat mir auch gut gefallen, doch manchmal waren mir die beiden einfach zu überzeichnet. 

Spoilerwarnung 

Ernste Themen werden in diesem Buch humorvoll behandelt. Das gefällt mir an sich gut, weil ernste Themen nicht immer einen ernsten Erzählstil brauchen. Aber der Umgang mit Alex’ Depression war mir dann manchmal doch zu locker und die Lösung für seine Probleme zu leicht erreicht. Maxine führt ein paar aufbauende Gespräche mit ihm und er ist geheilt. So einfach ist es nun mal nicht und dass es so vereinfacht dargestellt wird, hat mir nicht gefallen. 

Weil Maxine aus dem Altenheim ausgebüxt ist, ist die Polizei den beiden schon bald auf den Fersen, weil sie denken, dass Alex die Seniorin entführt hat. Die Medienberichte waren überzeichnet, aber das mit voller Absicht und da hat die Übertreibung wirklich gut funktioniert. Diese skurrile Situation war sehr lustig und hat der Handlung mehr Spannung verliehen.

Mein Fazit zu diesem Buch ist ein bisschen zwiegespalten. Die Autorin hat einen guten Humor, ihre Übertreibungen haben mir aber manchmal nicht gefallen, was vermutlich einfach daran liegt, dass ich das nicht so mag. Andere Leser*innen könnten diese Überzeichnungen wieder unterhaltsam finden. Die ernsten Themen, die angesprochen werden, hätte ich mir aber wirklich mit mehr Tiefe gewünscht und nicht mit so einfachen Lösungen abgeschlossen, die sich in der Realität nicht finden lassen. 

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