Rezension: Rette mich vor dir von Tahereh Mafi

Rezension auf einen Blick

Themen: Training, Freundschaft, Widerstand
So hat sich das Buch angefühlt: verwirrt, verzweifelt, schüchtern
Der erste Satz: Vielleicht ist die Welt heute ein pralles Spiegelei.

Vorwarnung: Der erste Teil dieser Rezension ist frei von Spoilern. Die Informationen, die ich preisgebe, stehen auf den ersten Seiten des Buches oder im Klappentext. Ab dem Absatz mit der Überschrift „Spoilerwarnung“ bespreche ich die vollständige Handlung des Buches. Ab da verrate ich also wichtige Punkte, die ihr vielleicht nicht verraten haben wollt. Also wer das Buch noch ohne Vorwissen lesen will, sollte dort aus dem Text aussteigen.

Ohne Spoiler

Juliette ist entkommen und ist zusammen mit Adam und James bei der Widerstandsbewegung Omega Point untergekommen. Hier sind sie in Sicherheit, aber nur vorerst. Der Kampf ist noch lange nicht vorbei. Und auch bei Omega Point muss sie sich beweisen und sich mit ihren Kräften auseinandersetzen, die sie nach wie vor abschrecken. Und auch ihre Liebe zu Adam ist nicht so stabil, wie sie gehofft hatte. Der Krieg steht an und damit auch ihr Wiedersehen mit Warner. 

Die Reihe wird von Buch zu Buch besser. Ohnehin liest sich die Reihe eher wie ein zusammenhängendes Buch als wie drei einzelne. Auch beim Lesen dieses Buches wurde ich wieder vollkommen eingesogen. Juliettes Charakter gefällt mir immer besser. Sie ist zwar auf der einen Seite von ihren eigenen Kräften eingeschüchtert und von simplen Interaktionen mit Menschen überfordert, auf der anderen Seite aber auch extrem stark und mutig, wenn es darauf ankommt. 

Bei Omega Point lernt sie nicht nur ihre Kräfte besser kennen, sondern auch andere Menschen. Ihr ganzes Leben war sie isoliert und gefürchtet und hat nie gelernt, wie man Freundschaften schließt. Das fällt ihr extrem schwer. Sie kapselt sich zunächst ab, weil sie nicht weiß, wie sie sich anders verhalten soll. Doch das ist nur logisch, wenn man ihre Geschichte kennt. Ihre Erlebnisse spiegeln sich klar in ihrem Verhalten wider. 

Das Worldbuilding wird in diesem Band ein bisschen ausgeweitet, wird aber weiterhin eher vernachlässigt. Als Leser erfährt man, dass es mehr Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten gibt, die sich bei Omega Point zusammengefunden haben. Auch über den Zustand der Welt hätte ich gerne mehr in Erfahrung gebracht, doch da geht die Autorin nicht wirklich ins Detail.

Nach wie vor steht eher Juliettes Charakter und ihr Liebesdrama im Vordergrund. Diese Reihe ist eher eine Liebesgeschichte mit ein bisschen Dystopie und nicht andersherum. Das muss aber nichts Schlechtes sein. Es kommt ganz darauf an, worauf man als Leser aus ist. 

Mein einziger Kritikpunkt ist das Adam-Drama. Die beiden schaffen es irgendwie nicht, wie halbwegs normale Menschen miteinander umzugehen. Hier habe ich mich in meiner ersten Einschätzung, dass Adam mehr besessen als verliebt ist, sehr bestätigt gefühlt. Aber dafür gibt es viele andere Charaktere, die ich sehr gerne mochte. Und auch Warner kommt vor und man erfährt immer mehr über ihn. Das war sehr spannend! 

Spoilerwarnung

Juliette stellt sich zu Beginn bei Omega Point nicht gerade gut an. Sie nimmt ihr Training nicht ernst, sie schließt keine Freundschaften und alles dreht sich um Adam. Ich habe verstanden, dass sie ihren Mitmenschen auf die Nerven gegangen ist. Aber sie trotzdem auch verstanden. Es kommt raus, dass auch Adam übernatürliche Fähigkeiten hat und sie deswegen berühren konnte. Doch es ist nicht so einfach. Juliette zu berühren, laugt ihn aus. Deswegen will sie sich von ihm trennen, um ihn zu beschützen. 

Kenji hat sich immer über ihr Liebesdrama lustig gemacht und mir damit sehr aus dem Herzen gesprochen. Seine Freundschaft zu Juliette hat mir extrem gut gefallen. Er ist der erste Mensch, der zu ihr durchdringt. Und sie lernt immer mehr über ihre Fähigkeiten und trainiert sie gemeinsam mit Kenji. Er ist sehr geduldig mit ihr, gibt ihr aber auch einen Schubs, wenn sie einen braucht. 

Juliette entwickelt sich zu einem eigenständigen Mensch, der nicht länger auf Adam angewiesen ist, und das hat mir sehr gut gefallen. Sie freundet sich immer mehr mit ihren Fähigkeiten an und kann sich behaupten. Sie zieht sich nicht mehr ständig zurück. Sie wird immer stärker. Diese Entwicklung zu verfolgen, macht sehr viel Freude. 

Mitglieder von Omega Point werden entführt und Juliette soll sich mit Vertretern des Reestablishments treffen, um sie zurückzuholen. Sie willigt ein. Sie trifft auf Warners Vater und der will Warner zwingen, sie zu erschießen. Er will sie loswerden, weil er merkt, dass Warner in Juliette verliebt ist und sie ihn dadurch ablenkt. Doch er tut es nicht. Deswegen zielt Warners Vater auf Warner. Juliette rettet ihn und Warner kommt als Geisel nach Omega Point. Dort kommt heraus, dass er selbst Fähigkeiten hat. Deswegen kann er Juliette anfassen. Doch ihm verlangt es nichts ab. Er kann die Fähigkeiten anderer absorbieren. Juliette muss sich mit ihm treffen, weil er nur mit ihr sprechen will, und Omega Point an Informationen gelangen will. 

Die beiden kommen sich näher. Die Interaktionen der beiden sind für mich der Grund, warum ich diese Reihe liebe. Warner ist mit Abstand der interessanteste Charakter der Reihe und mit jedem Buch erfährt man mehr über seine tragische Vergangenheit. Juliette und er küssen sich und er will, dass sie mit ihm flieht. Vor dem anstehenden Kampf, von dem er glaubt, dass sie ihn unmöglich gewinnen können. Doch sie bleibt und er flieht alleine. 

Der Kampf bricht aus. Juliette wird gekidnappt und zu Warners Vater gebracht. Er will sie töten, weil sie ihm beim letzten Treffen in die Beine geschossen hat. Warner soll zusehen. Juliette wird erschossen. Zwei ihrer Freunde sind dort, die mit ihrer Berührung heilen können, doch sie können Juliette nicht anfassen. Doch Warner kann es und er rettet ihr das Leben, indem er die Kräfte der anderen beiden auf sich selbst überträgt. Er bringt sie in Sicherheit. Sie weiß nicht, wie der Kampf ausgegangen ist. Wo ihre Freunde sind. Aber eins steht fest: Sie wird kämpfen. 

Schreibe einen Kommentar