Rezension: Throne of Glass. Erbin des Feuers von Sarah J. Maas

Rezension auf einen Blick

Themen: Training, Treue, magische Fähigkeiten  
So hat sich das Buch angefühlt: herausfordernd, kompromisslos, widerwillig
Der erste Satz: Himmel, war es heiß in diesem dämlichen Königreich.

Vorwarnung: Der erste Teil dieser Rezension ist frei von Spoilern. Die Informationen, die ich preisgebe, stehen auf den ersten Seiten des Buches oder im Klappentext. Ab dem Absatz mit der Überschrift „Spoilerwarnung“ bespreche ich die vollständige Handlung des Buches. Ab da verrate ich also wichtige Punkte, die ihr vielleicht nicht verraten haben wollt. Also wer das Buch noch ohne Vorwissen lesen will, sollte dort aus dem Text aussteigen.

Ohne Spoiler

Celaena musste Chaol zurücklassen und befindet sich auf einem ihr fremden Kontinent, auf dem andere Regeln gelten. Die Ereignisse in Rifthold haben sie tief erschüttert. Den Verlust ihrer Freundin hat sie nicht verkraftet, und sie weiß nicht, wie ihre Zukunft aussieht. Doch auf diesem Kontinent wird sie sich damit auseinandersetzen müssen, denn hier lauert ihr dunkelstes Geheimnis, das alles verändern wird. Sogar sie selbst.

Dieses Buch dreht sich im Großen und Ganzen um Training. Mehrere Charaktere müssen neue Fähigkeiten lernen. Und das klingt jetzt vielleicht langweilig, aber ist es nicht. Dieses Buch macht so viel Spaß! Und das liegt vor allem an den neuen Charakteren, die hier eingeführt werden. Ab diesem Buch wird die Welt von Throne of Glass beständig größer und reicher an fantastischen, neuen Charakteren. Ab jetzt ist es nicht mehr nur Celaenas Geschichte. 

Auch schon in den Büchern vorher hat man mal aus der Sicht von Chaol oder Dorian die Geschichte erlebt. Aber letztendlich ging es mehr oder weniger immer um Celaena. Hier ist das nicht mehr so. Die Geschichten, die erzählt werden, fächern sich stärker auf und gehen auseinander. Eigentlich werden in diesem Buch vier einzelne Geschichten erzählt, die ab und zu auch miteinander verknüpft sind, aber doch ihre eigenen bleiben. Das macht dieses Buch so vielseitig und interessant.

Am Ende des letzten Buches hat Chaol herausgefunden, dass Celaena die Thronerbin von Terrasen ist. Doch was wird sie mit ihrem Erbe machen? Wird sie Celaena bleiben oder zu Aelin werden? Die Entwicklung, die sie in diesem Buch durchmacht, hat mir extrem gut gefallen. Sie muss so vieles verarbeiten, sie ist ein gebrochener Mensch, der nicht gerettet werden will. Doch ihr Schicksal ist größer als sie selbst. Und dem muss sie sich stellen. 

Da ich nichts spoilern will, will ich auf die weiteren Charaktere erst im Spoilerteil eingehen und meine ausführliche Liebeserklärung zu ihnen abgeben. Ich kann nur sagen, dass die Reihe ab diesem Buch einen riesigen Sprung macht. Auch schon die Bücher vorher habe ich verschlungen, aber ab diesem Buch haben mich alle Ereignisse so viel tiefer getroffen. Diese Reihe ist etwas Besonderes!

Spoilerwarnung

Im Folgenden will ich auf die vier einzelnen Geschichten eingehen, die in diesem Buch miteinander verwoben werden, und damit auch die neuen Charaktere vorstellen, in die ich mich ohne Umschweife verliebt habe. 

Zum einen haben wir Manon. Sie ist eine Hexe, die wir ja bis jetzt nur als bedrohliche Wesen kennengelernt haben. Das bleibt auch so. Manon ist blutrünstig und hat keinen Sinn für Mitleid. So ist sie erzogen worden. Doch sie wächst im Laufe der Handlung und beginnt, ihre Traditionen in Frage zu stellen. Sie bekommt ihre eigene Geschichte, die unabhängig von den anderen läuft. Doch das macht nur umso neugieriger darauf, wie sie wohl mit den anderen Charakteren in Zukunft interagieren wird. 

Der König von Adarlan stellt eine Armee von Hexen auf, die auf sogenannten Wyvern, fliegenden Geschöpfen, seine Feinde von der Luft aus angreifen sollen. Manon kämpft darum, Schwarmführerin zu werden und setzt sich gegen ihre Konkurrentinnen durch. Doch sie ist nicht einfach nur blutrünstig, wie ihre Großmutter und die meisten anderen Hexen sie haben wollen. Zu ihrem Wyvern hat sie eine extrem innige Beziehung und das erste Mal stellt sie die Traditionen in Frage, aber ohne sich gegen sie zu erheben. Noch nicht…

Die nächste Geschichte ist Celaenas, die nun in einem Land ist, in dem einige um ihre wahre Identität wissen. Unter anderem die Fae-Königin Maeve. Celaena will Informationen erhalten, um sich gegen den König beweisen zu können, doch bevor die Königin ihr diese aushändigt, muss sie zunächst ihre Fae-Fähigkeiten trainieren und kontrollieren lernen. Sie ist eine Halb-Fae, kann ihre Gestalt in eine Fae wandeln und hat Macht über Feuer. Ihr Trainer ist der Fae-Krieger und Prinz Rowan. 

Er hat wenig Verständnis für Celaenas Art und ihre Niedergeschlagenheit und ist gnadenlos. Am Anfang konnte ich ihn überhaupt nicht leiden und am Ende habe ich ihn geliebt. Celaena hatte in dieser Reihe schon mehrere Liebesgeschichten, doch ich glaube, diese gefällt mir am besten. Vor allem, weil es noch keine ist. Die beiden werden von Feinden zu Freunden und Verbündeten. Sie werden so loyal einander gegenüber, dass sie dem anderen ihr Leben anvertrauen würden. Noch ist ihre Beziehung platonisch (ich vermute, dass das nicht lange so bleiben wird), aber genau das hat mir gut gefallen. Die Beziehung entwickelt sich nicht überstürzt. Sie wächst langsam. Und das macht es so viel besser!

Rowan muss Maeve dienen, da er einen Blutschwur geleistet hat. Doch als Celaena mit ihm in die Hauptstadt von Maeves Reich reist, bringt sie die Königin dazu, ihn freizugeben. Das ist wohl meine Lieblingsszene im Buch. Rowan leistet sofort darauf Celaena einen Blutschwur und wird somit das erste Mitglied ihres Hofes. Sie nimmt am Ende ihr Erbe an. Schweren Herzens muss sie Rowan zurücklassen, da Fae in Adarlan gejagt werden und sie dort noch offene Rechnungen zu begleichen hat. Doch die Rückreise tritt sie nicht mehr als Celaena an. Die ist fort. Ab jetzt ist sie Aelin.

Zu sehen, wie sie ihr Erbe endlich annehmen kann und sich sowohl ihrer Vergangenheit als auch ihrer Gegenwart stellt, hat mich fast zum Jubeln gebracht! 

Die anderen beiden Handlungsstränge sind eng miteinander verknüpft, im Gegensatz zu den anderen beiden, die sehr unabhängig laufen, und spielen wie die Bücher zuvor in Rifthold, der Hauptstadt von Adarlan. Dorian versucht seine Magie unter Kontrolle zu bekommen und dabei hilft ihm die Heilerin Sorschka, in die er sich verliebt. Und Chaol gerät, ohne es wirklich zu wollen, in die Rebellenbewegung hinein, was er Aedion zu verdanken hat. Einer meiner neuen Lieblinge in dieser Reihe. 

Aedion ist Celaenas bzw. Aelins Cousin. Er hat die letzten Jahre überlebt, indem er dem König seine Treue geschworen hat, doch eigentlich ist er seiner Heimat immer treu geblieben und spielt ein doppeltes Spiel. Chaol erzählt ihm, dass seine Cousine am Leben ist und erzählt ihm Celaenas Geschichte. Die Treue, die Aedion nach all den Jahren immer noch für sie empfindet, hat mich sehr gerührt. Er ist ein harter Soldat, man nennt ihn den Wolf des Nordens, doch sobald es um seine Cousine geht, kämpft er mit den Tränen. Und ich auch. 

Die Nachricht über die Rückkehr von Aelin, die zehn Jahre verschollen und tot geglaubt war, löst eine Vielzahl an Ereignissen aus. Dorian kann am Ende seine Fähigkeiten nicht länger vor seinem Vater geheim halten und wird von ihm versklavt, indem ein Dämon von seinem Körper Besitz ergreift. Aedion wird festgenommen und soll als Lockvogel für Aelin dienen. Dorians Geliebte, Sorschka, wird vom König geköpft. Und Dorian kann Chaol nur noch ermöglichen, zu fliehen. Er ist jetzt offiziell ein Rebell und ein Verräter seines Landes. 

Ich finde Chaol vielleicht nicht mehr so sympathisch wie in den beiden Büchern zuvor, doch als Charakter wird er gleichzeitig interessanter. Für ihn sind der Glaube und die Loyalität für sein Land Eigenschaften, die sein ganzes Handeln und Wesen sein ganzes Leben lang bestimmt haben. Diese Tugenden muss er in Frage stellen und überlegen, was von ihm selbst noch übrig bleibt, wenn er sie nicht mehr hat. Auch wenn ich nun absolut Team Rowan bin, ist Chaol noch immer ein Charakter, über den ich mehr erfahren will. 

Das ist das, was diese Bücher ausmacht. Die Charaktere sind extrem vielschichtig, haben viele verschiedene Seiten und trotzdem tun sie nie Dinge, die sich untypisch für den Charakter anfühlen. Diese Reihe ist wie eine Droge, hat man einmal angefangen, ist es schwer damit aufzuhören. Ich kann sie nur empfehlen!

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