Rezension: Eisige Wellen von Leigh Bardugo

Rezension auf einen Blick

Themen: Verantwortung, Macht, Verbündete
So hat sich das Buch angefühlt: gierig, humorvoll, zornig
Der erste Satz: Früher, lange bevor sie die Wahre See befuhren, hatten der Jungen und das Mädchen immer wieder von Schiffen geträumt.

Vorwarnung: Der erste Teil dieser Rezension ist frei von Spoilern. Die Informationen, die ich preisgebe, stehen auf den ersten Seiten des Buches oder im Klappentext. Ab dem Absatz mit der Überschrift „Spoilerwarnung“ bespreche ich die vollständige Handlung des Buches. Ab da verrate ich also wichtige Punkte, die ihr vielleicht nicht verraten haben wollt. Also wer das Buch noch ohne Vorwissen lesen will, sollte dort aus dem Text aussteigen.

Ohne Spoiler

Alina und Mal sind dem Dunklen entkommen. Doch sie sind noch lange nicht in Sicherheit. Der Dunkle hat den Kampf überlebt und ist nach wie vor entschlossen, sich Alinas Fähigkeiten zu Nutzen zu machen. Denn noch immer will er den Thron Ravkas an sich reißen und dazu braucht er die Sonnenkriegerin. Hilfe findet Alina bei dem berüchtigten Freibeuter Sturmhond, und sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Armee der Grisha anzuführen.

Ich habe eine gespaltene Meinung über dieses Buch. Der Anfang hat mir extrem gut gefallen. Wie auch schon beim ersten Band springt man sofort in die Handlung. Alina und Mal sind auf der Flucht. Und auch das Setting an Bord eines Schiffes hat mir extrem gut gefallen. Genauso wie Sturmhond, mein neuer Lieblingscharakter der Reihe – mit Abstand. 

Doch sobald dieser Teil vorbei war, hat sich die Handlung wieder extrem gezogen. Erst am Ende ist wieder was passiert. Und Mal wurde mir von Seite zu Seite unsympathischer. Das Liebesdrama zwischen ihm und Alina ist mir irgendwann richtig auf die Nerven gegangen. Sein Verhalten war kindisch und unangebracht. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass ihm endlich mal jemand die Meinung sagt und klar macht, dass sie gerade wesentlich größere Probleme haben als sein gekränktes Ego. Leider habe ich vergeblich gewartet. 

Auch Alina ist nicht der sympathischste Charakter, doch das mochte ich in diesem Buch sogar. Sie ist härter geworden. Sie ist gewachsen. Und sie ist wild entschlossen, niemals wieder hilflos zu sein. Sie ist stark. Sie ist einer der mächtigsten Grisha auf der Welt und das weiß sie auch. Diese Stärke hat mir gut gefallen. 

Die alten und neuen Nebencharaktere waren meiner Meinung nach das Beste an dem Buch. Jeder von ihnen ist vielschichtig und hat eigene Ziele. In vielen Büchern gibt es Nebencharaktere, die nicht richtig gestaltet sind. Hier war das nicht der Fall!

Obwohl ich nicht hundertprozentig überzeugt war, gefällt mir die Reihe doch. Ich mag die Handlungsorte, ich mag die Ziele und ich mag den Bösewicht. Alinas Geschichte macht Spaß zu verfolgen, und wäre sie nicht in Mal verliebt, würde ich sie bestimmt auch mehr mögen. Ich werde den dritten Band auf jeden Fall lesen!

Spoilerwarnung

Der Dunkle findet Alina und Mal sehr schnell und beweist damit mal wieder, wie mächtig er ist. Den beiden ist zwar die Flucht über das Meer gelungen, doch er holt sie ein und bringt sie an Bord seines Schiffes, um nach Ravka zurückzukehren. Vorher aber sucht er nach einem weiteren Kräftemehrer für Alina, um sie noch stärker zu machen. Das gelingt ihm sogar. Doch der Kapitän, den er angeheuert hat, hat eigene Pläne. 

Sturmhond und seiner Crew aus Grisha gelingt es, Alina und Mal zu befreien und vor dem Dunklen zu fliehen. Er hat eigene Ziele, die er mit Hilfe der Sonnenkriegerin verfolgen will. Er ist nicht ganz vertrauenswürdig, aber hat definitiv den besten Humor von allen Charakteren. 

Mal und Alina wollten eigentlich fliehen, doch Sturmhond will sie dazu bringen, für ihr Land zu kämpfen. Und dazu entschließt sich Alina auch. Weil sie die Kraft hat, ihr Volk zu retten. 

Sturmhonds wahre Identität kommt in Ravka zum Vorschein: Er ist Prinz Nikolai, der zweite Sohn des Zaren. Und er will den Thron und dies mit der Sonnenkriegerin an seiner Seite erreichen. Das ist aber nicht rein aus Egoismus, sondern auch, weil sein Bruder – objektiv gesehen – nicht für den Job geeignet ist. Nikolai will Alina heiraten, für sein Land, doch sie lehnt ab. Trotzdem kommen sich die beiden näher, auch wenn es eher platonisch bleibt. Da habe ich Mal wieder verflucht. Ich würde Nikolai ihm jeder Zeit vorziehen! Immer!

Zusammen mit Nikolai kehrt Alina in die Hauptstadt zurück und übernimmt das Kommando über die Grisha, das zuvor der Dunkle inne hatte, bevor er nach seinem gescheiterten Putsch-Versuch flüchten musste. 

Den Rest des Buches muss Alina in diese Aufgabe hineinwachsen. Dass sie Verantwortung übernimmt und nicht vor ihrem Schicksal fliehen wollte, hat mir sehr gut gefallen. Aber die Handlung wurde ab da leider sehr langatmig, da sich einfach nur noch in verschiedenen Sitzungen auf den drohenden Krieg mit dem Dunklen vorbereitet wurde. Abgewechselt von unnötigen Streits mit Mal.

Okay, ich sollte mal erklären, warum ich so auf dem armen Kerl herumhacke. Er hat kein Verständnis für Alinas Kräfte und beschwert sich ständig, dass sie dadurch nicht auf der gleichen Stufe stehen und dass er mit diesem Leben unzufrieden ist und er alles für sie aufgegeben hat. Das hat er aber vollkommen ungefragt gemacht. Außerdem steht ein Krieg an, der das Schicksal ihrer Welt entscheidet. Und er versinkt in Selbstmitleid. Das hat mich einfach richtig geärgert. 

Und Nikolai war der Wahnsinn. Sein Humor hat für mich in diesem Buch echt viel rausgehauen. Sein ganzer Charakter eigentlich, da er sehr komplex ist. Er gibt nicht vor, dass nicht auch Eigennutz für ihn eine Rolle spielt, aber es geht ihm auch um das Wohl seines Landes und er ist bereit, Opfer zu bringen. Er macht Alina den Vorschlag mit der Heirat, da kennt er sie gar nicht richtig. Ihm geht es nicht darum, aus Liebe zu heiraten, sondern die Person, die dem Land am meisten Stabilität bringen wird. Sowas sieht man selten in Fantasy-Romanen und das respektiere ich. 

So richtig spannend wird es erst ganz am Ende. Der Dunkle greift an zusammen mit seiner Armee aus Nichevo`ya. Nikolais älterer Bruder wird getötet und Nikolai versucht, mit seinen Eltern zu fliehen. Dabei trennen sich seine und Alinas Wege und es bleibt offen, was mit ihm geschehen ist. Alina flieht mit den wenigen Grisha, die überlebt haben, trifft aber auf den Dunklen. Er will sie zurück und an seiner Seite. Sie tut, als würde sie darauf eingehen. Er kann auf ihre Kräfte zugreifen, doch sie erkennt, dass sie auch auf seine zugreifen kann. Sie versucht, sie beide in den Tod zu reißen. Doch vorher wird ihr das Leben gerettet und damit auch dem Dunklen. Schwer verletzt entkommt sie. Aber ohne ihre Kräfte. Die sind fort. Und Alina weiß nicht, ob sie zurückkehren werden. 

Das Ende ist deprimierend und macht total neugierig auf den nächsten Band. Obwohl die Bücher keine komplexe Handlung haben und auch überraschende Twists fehlen, lese ich sie doch gerne. Sie lesen sich schnell und leicht und die Welt ist außergewöhnlich. Ein gutes Buch, eben nur kein überragendes. 

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