Rezension: Richer than Sin von Meghan March

Diese Rezension enthält keine Spoiler. 

Lincoln Riscoff und Whitney Gable können nicht zusammen sein. Denn ihre Familien sind schon seit Generationen miteinander verfeindet und führen in ihrer Heimatstadt einen unerbittlichen Kampf gegeneinander. Doch dann kehrt Whitney nach zehn Jahren zurück, und Lincoln weiß, dass er sich seinen Gefühlen nicht entziehen kann. Aber wie können sie zusammen sein, wenn jeder gegen sie ist?

Okay, wo soll ich anfangen? Ich muss sagen, dass es mir extrem schwerfällt, sehr negative Rezensionen zu schreiben. Ein Autor steckt so viel Arbeit in sein Buch. Es ist sein Baby. Und Geschmack ist schließlich sehr subjektiv. Man muss bei seiner Kritik also auch immer beachten, dass das andere Leser vollkommen anders sehen können. Ich bin immer ehrlich in meinen Rezensionen, aber ich versuche, positive und negative Punkte abzuwiegen. Aber mit dem Buch hatte ich wirklich Schwierigkeiten. Da will ich ehrlich sein. Ich habe ewig gebraucht, um es zu lesen, obwohl es nur 300 Seiten hat. Ich habe nur ein paar Seiten pro Tag gelesen und es dann wieder weggelegt, weil es mir einfach keinen Spaß gemacht hat. Und hier werde ich darlegen, warum. 

Kurz zu den positiven Aspekten: Ich wollte das Buch lesen, weil ich verbotene Liebe einfach gerne lese. Das Konzept gefällt mir einfach. Und die Geschichte in diesem Buch wird in zwei Handlungssträngen erzählt, Gegenwart und Vergangenheit und dazwischen liegen zehn Jahre. Diese beiden Handlungsstränge sind gut miteinander verwoben. Das hat mir gut gefallen. Und obwohl sie sich oft abwechseln, kann man der Handlung trotzdem gut folgen. Das war positiv. 

Aber jetzt kommen wir zu den Punkten, die mich gestört haben.

Einmal wurden die Worte „Schlampe“ und „Flittchen“ wirklich sehr oft in diesem Buch verwendet, und ich kann es nun mal nicht leiden, wenn Frauen so bezeichnet werden. Die Protagonistin und ihre Cousine Cricket nennen deren Schwester so. Das fand ich nicht cool. Auch war es Whitney ständig wichtig zu betonen, dass sie sonst keine One Night Stands hat und dass sie eigentlich nicht so eine Frau ist. Das hat mich auch gestört. Frauen können doch genauso One Night Stands haben wie Männer und sollten keinen Grund sehen, sich dafür zu rechtfertigen. Das hat mich genervt. 

Auch hat mir die Dynamik zwischen Whitney und Lincoln nicht immer gefallen. Er kommt aus einer reichen Familie, sie aus einer sehr armen. Und das hatte Einfluss auf die Machtpositionen, die die beiden in der Beziehung hatten. Whitney hat ständig gesagt, dass sie eine Beziehung mit Lincoln nicht riskieren will, und er hat sie nicht in Ruhe gelassen, mit dem Resultat, dass immer sie diejenige war, die darunter gelitten hat. Er hat sich vielleicht mal mit seiner Familie gestritten, aber die negativen Folgen der Beziehung hat immer Whitney getragen. Und Lincoln hat das nicht so richtig eingesehen. 

Generell hat er ein „Nein“ kein „Nein“ sein lassen und das finde ich höchst problematisch. Whitney hat zwar immer nachgegeben am Ende, aber das bringt auch eine schlechte Botschaft mit sich, nämlich, dass Frauen, wenn sie „Nein“ sagen gar nicht „Nein“ meinen. Sehr problematisch. 

Auch war das Hin und Her zwischen den beiden immer irgendwie das Gleiche. In der Gegenwart und in der Vergangenheit. Sie waren immer noch die gleichen Menschen, die die gleichen Fehler gemacht haben. Ständig gab es dumme Missverständnisse und dann Streit wegen irgendeinem Mist. Und irgendwie keine richtige Handlung. Einfach nur Begegnungen zwischen den beiden, die irgendwie immer gleich sind. 

Und jetzt noch zu der Beziehung zwischen den beiden: Nie führen sie ein tiefes Gespräch, das erklären könnte, warum sie all diese Probleme füreinander auf sich nehmen. Entweder sie reden über die Probleme mit ihren Familien oder darüber, wie viel sie einander bedeuten, oder über Sex. Es geht immer nur um die Anziehung zwischen den beiden. Aber das ist doch noch keine richtige Beziehung. Ich konnte nach Lesen des Buches nicht sagen, warum die beiden zusammen sein wollen und auch nicht, welchen Charakter sie haben. 

Wir lernen die beiden gar nicht richtig kennen. Lincoln ist Geschäftsmann, okay, das wissen wir. Aber was wissen wir noch? Über Whitney wissen wir noch weniger. Was sind ihre Lieblingsfilme, schönste Kindheitserinnerungen, ihre Träume für die Zukunft – also all die Dinge, die einen Menschen formen. All das bleibt bei dem Drama auf der Strecke und deswegen weiß man als Leser eigentlich auch nicht, mit was für Menschen man es zu tun hat.  

Und das gleiche gilt für die ganzen Nebencharaktere. Die einzigen netten Nebencharaktere sind Whitneys Tante Jackie und Cousine Cricket, ihr Verlobter Hunter und Lincolns Schwester, deren Namen ich vergessen habe. Alle anderen Charaktere sind absolut furchtbar. Lincolns Eltern, sein Bruder, Ricky Rango, Whitneys Cousine Karma haben nicht eine positive Eigenschaft. Und klar, es gibt auch Menschen, die wenig positive Eigenschaften haben. Aber die waren einfach nur eindimensional furchtbar.

Die einzigen beiden Charaktere, die ich echt unterhaltsam fand, waren Lincolns Großvater und Whitneys Großonkel. Die beiden zelebrieren den Familienhass richtig. Sie leben irgendwo abgeschieden in den Bergen, haben ihre Anwesen direkt nebeneinander und verbringen ihren Lebensabend damit, sich gegenseitig mit Schrotflinten zu bedrohen. Das war echt witzig. Und man hat auch das Gefühl, dass sie diese Familienfehde zwar ernst nehmen, aber auch super unterhaltsam finden. Sich gegenseitig mit der Schrotflinte zu bedrohen, hält die beiden fit. Über die zwei und ihre gemeinsamen Abenteuer würde ich ein Buch lesen, wenn es das gäbe. 

Okay, ich habe hier ja richtig rumgelästert. So gemein wollte ich gar nicht werden, aber beim Schreiben der Rezension ist mir erst aufgefallen, wie sehr mich vieles in diesem Buch geärgert hat. Vor allem, weil ich das Setting grundsätzlich interessant fand. Wären die Charaktere besser gezeichnet gewesen, hätte mir das Lesen bestimmt auch Spaß gemacht. Aber so war ich leider nicht begeistert. Das Ende ist zwar ein Cliffhanger, der mich mit vielen unbeantworteten Fragen zurückgelassen hat. Aber ich werde Band zwei und drei nicht lesen. 

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