Schreibtipps: Plotten nach dem 7-Punkte-System von Dan Wells anhand von vier Beispielen

Das 7-Punkte-System nach Dan Wells ist eine Taktik, auf die viele Autoren schwören. Das liegt daran, dass der Aufbau eigentlich sehr simpel ist und einem außerdem noch einen Leitfaden gibt, an dem man sich beim Plotten entlang hangeln kann. Das System gibt nicht nur an, welche Handlungspunkte eine Geschichte braucht, sondern auch in welcher Reihenfolge man sie sich überlegen sollte. Somit hat man als Autor einen kleinen Plan, dem man folgen kann. 

Trotzdem war mir das ein bisschen zu abstrakt, als ich mich das erste Mal damit auseinander gesetzt habe. Die 7 Punkte, die angeführt wurden, waren mir nicht ganz klar. Also habe ich versucht, sie auf meine Lieblingsgeschichten anzuwenden, um sie besser verstehen zu können. 

Im Folgenden will ich euch also erstmal die 7 Punkte vorstellen, sie dann am Beispiel vom ersten Band der Tribute von Panem Reihe, Harry Potter und die Heiligtümer des Todes und der Edelstein-Trilogie erklären. Da dieser Plan nicht nur auf ein einzelnes Buch, sondern auch auf die Handlung einer Reihe angewendet werden kann, werde ich die 7 Punkte erstmal für Rubinrot benennen und dann auch noch für die Edelstein-Trilogie als Ganzes. 

Ich habe mehrere Beispiele gewählt, um sicher zu gehen, dass auch für jeden ein Buch dabei ist, das er schon gelesen hat. 

Manche Punkte klar zu benennen, ist mir schwer gefallen. Da nicht jeder Autor nach diesem Prinzip vorgeht, kann ich bei manchen Punkten auch falsch liegen. Ich hoffe, dass es euch trotzdem einen guten Einblick verschaffen kann.

Die 7 Punkte

1.) Der Aufhänger: Das ist die Einleitung der Geschichte. Hier lernt man den Charakter in seiner gewohnten Umgebung kennen. Sein Leben ist noch normal. Das Abenteuer hat noch nicht begonnen. 

2.) Die erste Wendung: Hier beginnt das Abenteuer. Das Leben des Protagonisten verändert sich mit einem Schlag für immer. Meistens ist ein Problem der Auslöser. 

3.) Der erste Kniff: Ein Problem taucht auf, etwas läuft schief. Der Protagonist wird vor Aufgaben gestellt, die ihn überfordern. Seine Lage verschlechtert sich. 

4.) Der Mittelpunkt: Bis jetzt hat der Protagonist immer nur auf das reagiert, was ihm zugestoßen ist. Ab jetzt wird er aktiv. 

5.) Der zweite Kniff: Hier wird die Situation des Protagonisten noch schlimmer. Es muss also etwas noch Schlimmeres passieren als beim ersten Kniff. Vielleicht ging es bis jetzt ein bisschen bergauf. Jetzt geht es wieder bergab. 

6.) Die zweite Wendung: Bis jetzt erschien die Situation aussichtslos. Es gab keine Lösung. Doch jetzt findet sie der Protagonist. Er kann sein Problem doch noch lösen. Doch die Lösung sollte nicht wie aus Zauberhand plötzlich vor ihm schweben. Das wäre langweilig. 

7.) Die Auflösung: Der Protagonist gewinnt (oder verliert, wenn es kein Happy End sein soll)

So weit so gut, doch was bedeutet das alles konkret? Dazu gibt es jetzt einige Beispiele. 

1. Beispiel: Tribute von Panem

1.) Der Aufhänger: Wir lernen Katniss’ Alltag kennen. Sie geht jagen, sie redet mit Gale über die anstehenden Hunger Spiele. Es ist der Tag der Ernte. Der Leser erfährt, dass sie Angst hat, gezogen zu werden. 

2.) Die erste Wendung: Das Unerwartete passiert. Obwohl der Name ihrer Schwester nur einmal im Lostopf ist, wird er doch gezogen. Katniss meldet sich freiwillig und ist somit ab jetzt ein Teil der Hunger Spiele. Ihr Abenteuer beginnt. 

3.) Der erste Kniff: Die Spiele beginnen und Katniss Kampf um ihr Überleben beginnt.

4.) Der Mittelpunkt: Katniss wird selbst aktiv. Sie wehrt sich gegen die Tribute, die ihr auflauern. Die Karrieros haben es auf sie abgesehen. Doch sie wartet nicht auf ihren Tod, sondern sägt den Ast ab und lässt das Jägerwespennest auf sie hinabfallen.

5.) Der zweite Kniff: Rue stirbt. Sie war Katniss’ Verbündete und sie dachte, sie kämpft ab jetzt für etwas. Doch sie stirbt und sie konnte es nicht verhindern. 

6.) Die zweite Wendung: Katniss kann zusammen mit Peeta gewinnen. Sie ist doch nicht mehr auf sich alleine gestellt. Und sie stehen nur noch Cato gegenüber. Gemeinsam haben sie eine Chance. Auch den Einfall mit den giftigen Beeren kann man als diesen Wendepunkt ansehen, da sie es so schaffen, beide zu überleben, obwohl das Kapitol gefordert hat, dass sie sich doch noch gegenseitig umbringen.

7.) Die Auflösung: Katniss und Peeta gehen gemeinsam als Gewinner aus dem Wettkampf hervor.

Natürlich kann man diese Punkt auch anders einteilen. Ich musste auch meine Einschätzungen mehrfach revidieren. Aber es geht auch nicht darum, dass es jetzt komplett richtig ist, sondern darum, eine grobe Idee zu vermitteln. 

2. Beispiel: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes

1.) Der Aufhänger: Voldemort ist zurück. Doch wie sollen Harry Potter und die anderen weiter in dieser Welt leben? Harry wird zu den Weasleys gebracht und sie feiern die Hochzeit von Bill. 

2.) Die erste Wendung: Das Zaubereiministerium wird von Voldemort übernommen. Harry, Ron und Hermine bleibt nichts anderes übrig, als zu flüchten. Die Suche nach den Horkruxen beginnt. 

3.) Der erste Kniff: Die Stimmung wird immer schlechter. Sie haben keine Möglichkeit, die Horkruxe zu zerstören. Es erscheint hoffnungslos. Und dann haut Ron ab. Es scheint, dass alle Hoffnung verloren ist. 

4.) Der Mittelpunkt: Sie wissen inzwischen, wie sie die Horkruxe zerstören können. Doch sie wollen mehr über die Heiligtümer des Todes erfahren. Sie gehen zu den Lovegoods und werden von Todessern überrascht und zu den Malfoys gebracht. Sie müssen sich herauskämpfen.

5.) Der zweite Kniff: Sie müssen zurück nach Hogwarts. Voldemort greift Hogwarts an. Er ist in der Übermacht. Und sie haben noch nicht alle Horkruxe zerstört. Harry ist der letzte Horkrux und muss sich ausliefern. 

6.) Die zweite Wendung: Harry überlebt, Neville tötet die Schlange. Harry erkennt, dass er der wahre Gebieter des Elderstabs ist. 

7.) Die Auflösung: Harry gewinnt. Voldemort stirbt. Das Gute gewinnt.

3. Beispiel: Rubinrot

1.) Der Aufhänger: Gwens Familie ist nicht wie jede andere. Seit Jahrhunderten wird ein Zeitreisegen weiter vererbt und alle erwarten, dass ihre Cousine bald ihren ersten Sprung in die Vergangenheit unternehmen wird. 

2.) Die erste Wendung: Gwen springt das erste Mal in der Zeit zurück. Sie ist die Zeitreisende und nicht ihre Cousine. 

3.) Der erste Kniff: Sie will es zwar noch nicht wahrhaben, dass sie die Zeitreisende ist. Aber sie reist unkontrolliert in der Zeit und erkennt, wie gefährlich das ist. 

4.) Der Mittelpunkt: Gwen erzählt es ihrer Mutter und wird in die Loge eingeführt. Sie will verstehen, was mit ihr passiert. 

5.) Der zweite Kniff: Sie trifft auf den Grafen, der sie bedroht und ihr vor Augen führt, wie wehrlos sie ist. Ihre und Gideons Kutsche wird überfallen. 

Die zweite Wendung und die Auflösung gibt es in dem Sinne in diesem Buch nicht, da die Reihe so eng miteinander verknüpft ist. Noch erhält Gwen keine Antworten auf ihre Fragen und noch lösen sich ihre Probleme nicht auf. Das kommt erst später. 

4. Beispiel: Die Edelstein-Trilogie

1.) Der Aufhänger: Es gibt Zeitreisende in Gwens Familie. 

2.) Die erste Wendung: Gwen ist die Zeitreisende!

3.) Der erste Kniff: Der Graf bedroht sie, die Loge vertraut ihr nicht. Niemand verrät ihr irgendwas. Sie fühlt sich wehrlos und lässt es doch mit sich machen. 

4.) Der Mittelpunkt: Sie trifft ihren Großvater in der Vergangenheit. Die beiden verschwören sich und entschließen sich, gemeinsam herauszufinden, was die Loge ihr vorenthält und welche Pläne der Graf wirklich hat. 

5.) Der zweite Kniff: Sie erfährt, dass sie sterben soll. Damit der Graf unsterblich werden kann, muss Gwen sterben und um das zu erreichen, wird er ihre Familie und Gideon bedrohen.

6.) Die zweite Wendung: Gemeinsam mit Gideon schließt sie den Blutkreislauf in ihrem Chronographen und Gideon nimmt das Elixier. 

7.) Auflösung: Der Graf versucht, Gideon umzubringen, doch der ist jetzt unsterblich. Der Graf wird besiegt. Gwen und Gideon haben gesiegt.

Ich hoffe, dass wenigstens ein Beispiel euch weitergeholfen hat. Da jetzt alle Punkte klar benannt sind, geht es hier weiter mit der Herangehensweise. 

Schritt für Schritt Plotten nach dem 7 Punkte System

1. Schritt: Die Auflösung

Nach Dan Wells beginnt man beim Plotten ganz am Ende der Geschichte, damit jede weitere Entscheidung, die man trifft, genau dorthin führt. Man soll sich also zuerst überlegen, wo die Charaktere am Ende der Handlung stehen sollen und wie sie den Sieg erringen können. Auch soll hier nicht nur überlegt werden, wie die Handlung endet, sondern auch die Entwicklung des Charakters. Wie soll er am Ende sein? Was hat er gelernt? Wie hat er sich gewandelt. 

2. Schritt: Der Aufhänger

Die Fragen zur Entwicklung des Charakters sind auch hierfür wichtig. Wenn man sich überlegt hat, wie der Charakter am Ende seines Abenteuers ticken soll, soll man sich auch überlegen, wie er am Anfang ticken soll. Also wenn er am Ende mutig ist, soll er am Anfang feige gewesen sein. Oder Ähnliches. Damit einem klar ist, welche Entwicklung man aufzeichnen will. Auch wird seine Welt vorgestellt, bevor sie sich verändert hat. 

3. Schritt: Der Mittelpunkt

Wer hätte es gedacht, der Mittelpunkt soll ungefähr in der Mitte des Buches liegen. Bis hier hin war der Protagonist passiv, ab jetzt wird er selbst aktiv. Bis zu diesem Punkt soll er sich bereits verändert haben. Die Mitte soll was die Handlung aber auch die Charakterentwicklung angeht einen Wendepunkt darstellen. 

4. Schritt: Die erste Wendung

Hier beginnt die eigentliche Handlung. Welches Ereignis reißt den Protagonisten aus seiner gewöhnlichen Welt heraus? Bei einem Liebesroman trifft der Protagonist hier zum Beispiel die Person, in die er sich im Laufe der Handlung verlieben wird. Hier startet alles. Der Protagonist erfährt von ungeahnten Fähigkeiten, lernt Menschen kennen, die alles ändern. Etc.

5. Schritt: Die zweite Wendung

Die Situation erschien nicht lösbar, hier erhält der Protagonist die Lösung. Hier geht die Geschichte vom Mittelpunkt zum Ende über. Die Lösung des Problems sollte erarbeitet sein und dem Helden nicht in den Schoß fallen, sonst fühlt sich der Leser am Ende noch betrogen. 

6. Schritt: Der erste Kniff

Hier passiert etwas Schlimmes. Die Situation muss sich genug verschlechtern, dass der Leser den Druck spürt, aber auch nicht so sehr verschlechtern, dass es keinen Raum nach unten mehr gibt. Es muss sich beim zweiten Kniff schließlich noch weiter verschlechtern können. Hier wird oft der Antagonist eingeführt. 

7. Schritt. Der zweite Kniff

Hier darf es sich so sehr verschlechtern, wie nur irgendwie möglich. Es darf auch alles vollkommen aussichtslos erscheinen. Der Leser muss sich fragen: Wie zur Hölle soll das gelöst werden? Wie kommt der Held da nur wieder raus? Es sterben wichtige Charaktere, ein Plan geht schief. Der Antagonist muss auf jeden Fall überlegen sein an diesem Punkt und sich seines Sieges vielleicht auch schon sicher sein. 

So funktioniert das 7 Punkte System nach Dan Wells. Natürlich ist nicht jedes Buch so aufgebaut und das muss es auch nicht sein. Ich selbst wollte mein nächstes Buch danach planen und habe mich deswegen mal damit auseinandergesetzt. Ich wollte wissen, ob mir diese Methode weiterhilft. Dazu werde ich vermutlich auch noch einen Blogbeitrag verfassen. Aber was ist eure erste Meinung? Hat euch mein Blogbeitrag weitergeholfen? Haben es die Beispiele verständlicher gemacht? Und werdet ihr das System mal ausprobieren? Verratet es mir gerne in den Kommentaren oder bei Instagram. Ich freue mich über jede Nachricht!

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