Rezension: Forever Free von Kara Atkin

Rezension auf einen Blick

Themen: Neuanfang, Erwachsenwerden, Mut
So hat sich das Buch angefühlt: schüchtern, in sich gekehrt, freundschaftlich
Der erste Satz: Freiheit.

Vorwarnung: Der erste Teil dieser Rezension ist frei von Spoilern. Die Informationen, die ich preisgebe, stehen auf den ersten Seiten des Buches oder im Klappentext. Ab dem Absatz mit der Überschrift „Spoilerwarnung“ bespreche ich die vollständige Handlung des Buches. Ab da verrate ich also wichtige Punkte, die ihr vielleicht nicht verraten haben wollt. Also wer das Buch noch ohne Vorwissen lesen will, sollte dort aus dem Text aussteigen.

Ohne Spoiler

Raelyn will in Kalifornien neu anfangen. Sie ist aus New York extra an die Westküste gezogen, um sich von ihrer Vergangenheit zu lösen. Sie beginnt ihr Studium an der San Teresa University und muss schnell einsehen, dass es gar nicht so einfach ist, sich zu verändern und aus alten Mustern auszubrechen. Freunde finden ist ihr noch nie leicht gefallen und mit Männern umgehen schon gar nicht. Vor allem nicht, wenn sie so mysteriös und charmant sind wie Hunter.

Dieses Buch passt sehr gut in die Sommermonate oder die Monate, die eigentlich die Sommermonate sein sollten. Vor allem, wenn das Wetter draußen schlecht ist, kann man sich hiermit gut an die Küsten von Kalifornien flüchten. Die Geschichte ist eine wohlige New Adult Geschichte mit einer Protagonistin, mit der man sich gut identifizieren kann. 

Raelyn fällt es extrem schwer, mit Menschen umzugehen. Sie ist schüchtern, aber es geht auch darüber hinaus. Und das fand ich sehr interessant. Über schüchterne, weibliche Charaktere liest man ja in diesem Genre nicht unbedingt selten, doch bei diesem Buch war es mehr als das. Raelyn fallen soziale Situationen sehr schwer und es war sehr interessant, zu sehen, wie sie versucht, damit umzugehen. Für sie sind das große Herausforderungen, doch oft stellt sie sich Situationen, die ihr unangenehm sind, sogar extra, weil sie sich vorgenommen hat, an der Uni nicht mehr so verschüchtert zu sein wie an der High School. 

Auch mochte ich die Nebencharaktere echt gerne. Kate spielt eine sehr große Rolle in der Geschichte. Sie ist die erste Person, die Raelyn an der Uni kennenlernt und ist so ziemlich das Gegenteil von ihr. Aber das hilft ihr. Und Raelyns Freundschaften sich entwickeln zu sehen, hat mir fast noch mehr Spaß gemacht als die Liebesgeschichte. 

Die Geschichte wird zum Teil auch aus der Sicht von Hunter erzählt, den ich auch sehr sympathisch fand. Mehr will ich zu ihm noch nicht sagen, weil ich nicht spoilern will. 

Was ich am Handlungsverlauf gut fand, war, dass es eine sehr realistische Entwicklung einer Beziehung erzählt. Es gibt Drama, aber nicht auf so übertriebene Weise, dass es unrealistisch wird. 

Wer also gerne süße New Adult Romane im Uni Setting liest, ist mit dieser Geschichte sehr gut aufgehoben. Der Schreibstil ist sehr gut lesbar. Nur den Anfang fand ich ein bisschen zu langsam, weil es mir zu lange gedauert hat, bis die Protagonisten sich getroffen haben. Aber das ist verzeihlich. Leider finde ich nur, dass das Buch auch ein bisschen von seinem Potential verschenkt hat. Ein Handlungsstrang, den ich sehr interessant fand und der das Buch mehr von anderen New Adult Büchern unterschieden hätte, wurde mir zu wenig behandelt. Doch darauf gehe ich im Spoilerteil weiter ein. 

Alles in allem eine schöne Geschichte für zwischendurch. 

Spoilerwarnung

Von Anfang an wird ein Geheimnis darum gemacht, was mit Hunter los ist. Seine Exfreundin verbreitet Gerüchte über ihn und sagt Raelyn, dass sie sich von ihm fern halten soll. Einmal streitet er sich heftig mit Raelyn und man weiß nicht, warum überhaupt. Aber aufgelöst, was mit ihm los ist, wird erst auf den letzten 50 Seiten in einem kurzen Gespräch. Hunter ist bipolar. Und das fand ich super interessant und war dann sehr enttäuscht, dass das nur offenbart wurde und danach eben nicht mehr Thema war, weil das Buch quasi schon vorbei war. Und als er es Raelyn erzählt, hat er sich schon entschlossen, wieder zum Arzt zu gehen und sich helfen zu lassen. 

Diese Entwicklung bekommen wir als Leser überhaupt nicht mit. Und das finde ich schade. Ich hätte mir gewünscht, dass es viel früher thematisiert wird und Raelyn für ihn da ist. Und mehr darauf eingeht, wie es Hunter beeinträchtigt, bipolar zu sein und wie er damit umgeht. Das ist in meinen Augen eine verpasste Chance, um ein ernstes Thema in so einem Buch zu verarbeiten. 

Raelyns Probleme werden besser thematisiert. Ihre Mutter hat sie ihr ganzes Leben aus Angst um sie isoliert. Dadurch hat Raelyn nie gelernt, mit anderen Menschen umzugehen. Wenn sie sich mit Fremden unterhält, bekommt sie Schweißausbrüche. Es fällt ihr unendlich schwer. Aber sie setzt sich extra solchen belastenden Situationen aus, um über sich hinauszuwachsen und das fand ich sehr inspirierend. Sie wird Mitglied einer Schauspielgruppe und nach manchen Übungen übergibt sie sich sogar. Aber sie gibt nicht auf. Und wie sie sich im Laufe der Handlung öffnet und entwickelt, war sehr glaubhaft und natürlich. Das ist der Autorin extrem gut gelungen. 

Auch fand ich die Freundschaften, die sie schließt, echt schön. Sie hatte nie Freunde und an der Uni findet sie endlich welche. Das lässt sie wachsen und gibt ihr Kraft. Und ich liebe es immer in Büchern, wenn positive Freundschaften gezeigt werden. Auch dass dem, zumindest zu Beginn des Buches, viel Raum gegeben wurde, hat mir sehr gut gefallen. Als Raelyn ihre Freunde vernachlässigt hat, weil sie mit Hunter zusammengekommen ist, fand ich ein bisschen schade. Aber am Ende hat sie sich ja wieder gefangen und dann konnte ich  ihr das verzeihen. 

Generell hat mir gefallen, dass Raelyn sehr reflektiert ist. Sie wollte Hunter nicht auf seine Probleme ansprechen, weil sie Angst hatte, ihn zu verlieren. So eine enorme Abhängigkeit ist in meinen Augen problematisch, weil es dazu führen kann, dass sich ein Mensch ändert, um seinem Partner zu gefallen. Aber Raelyn hat das selbst gesehen und ist darauf eingegangen. Ich mag selbstreflektierte Charaktere sehr gerne. 

Die Liebesgeschichte war auch sehr realistisch, was ja nicht bei allen New Adult Romanen der Fall ist. Die beiden lernen sich kennen und mögen sich. Sie verbringen Zeit und gehen irgendwann auf Dates und sind ein richtiges Paar. Kein ewiges Hin und Her. So konnte man die beiden auch als Paar erleben, was mir gut gefallen hat. Wie sie sich immer mehr kennenlernen und einander immer wichtiger werden. Ein Streit der beiden eskaliert und Raelyn verschwindet für mehrere Wochen bei ihrer Mutter, aber danach sind beide bereit, konstruktiv darüber zu sprechen. Wie es in einer gesunden Beziehung sein sollte. 

Und so ist es auch in der Beziehung zu Raelyns Mutter. Sie reden darüber, was zwischen ihnen schief gelaufen ist und wollen das verändern. Auch haben mir die Gespräche von Raelyns Mutter über Hunter sehr gut gefallen.

Alles in allem finde ich, dass die Autorin mit den Themen, die sie angesprochen hat, sehr gut umgegangen ist. Nur hätte ich mir bei Hunters Krankheit gewünscht, dass sie genau dieses Thema noch mehr ausreift. Besonders, weil ich nach Lesen des Buches davon überzeugt bin, dass ihr das sehr gut gelungen wäre. 

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