Rezension: Ich fürchte mich nicht von Tahereh Mafi

Rezension auf einen Blick

Themen: Gefangenschaft, übernatürliche Fähigkeiten, Flucht
So hat sich das Buch angefühlt: verliebt, verzweifelt, außergewöhnlich
Der erste Satz: Ich bin seit 264 Tagen eingesperrt. 

Vorwarnung: Der erste Teil dieser Rezension ist frei von Spoilern. Die Informationen, die ich preisgebe, stehen auf den ersten Seiten des Buches oder im Klappentext. Ab dem Absatz mit der Überschrift „Spoilerwarnung“ bespreche ich die vollständige Handlung des Buches. Ab da verrate ich also wichtige Punkte, die ihr vielleicht nicht verraten haben wollt. Also wer das Buch noch ohne Vorwissen lesen will, sollte dort aus dem Text aussteigen.

Ohne Spoiler

Juliette war ihr ganzes Leben lang allein und isoliert. In ihrer Gesellschaft ist sie ein Monster. Denn ihre Berührung ist tödlich. Aus Furcht vor ihr wurde sie weggesperrt. Die Welt liegt in Trümmern, doch sie weiß kaum, was geschieht. Sie hat nur die vier Wände ihrer Gefängniszelle. Bis die Machthaber eines unterdrückenden Regimes sie als Waffe gegen ihre Gegner benutzen wollen. Doch Juliette will sich nicht benutzen lassen. Sie will kämpfen. Auch gegen sich selbst. Und an ihrer Seite steht ein Mann, dessen Anziehungskraft sie sich nicht entziehen kann. 

Dieses Buch ist außergewöhnlich und das liegt vor allem am Schreibstil. Ich habe kein Buch gelesen, das in diesem Punkt vergleichbar wäre. Juliette hat die meiste Zeit ihres Lebens alleine, ohne menschlichen Kontakt und in Gefangenschaft verbracht. Der einzige Rückzugsort, der ihr noch blieb, ist ihr Geist. Und das spiegelt sich deutlich im Schreibstil wider. Das finde ich so toll an diesem Buch. Juliettes Art zu denken, macht absolut Sinn und verstärkt ihre Charaktereigenschaften. An der Veränderung des Schreibstils im Verlauf der Reihe kann man auch die Veränderung ihres Charakters ablesen. 

Mir hat der Schreibstil sehr gut gefallen, aber ich glaube auch, dass er nicht jedermanns Sache ist, weil er so ungewöhnlich ist. Auf mich hat es einen Sog ausgeübt, der dazu geführt hat, dass ich jedes Buch der Reihe am Stück gelesen habe. 

Die Handlung ist hingegen eher simpel. Sie entspricht der typischen Handlung einer Dystopie im Jugendbuchgenre. Es gibt eine grausame Regierung, die Menschen umbringt, sobald sie sich wehren. Es gibt eine Dreiecksbeziehung und die Protagonistin ist die letzte Hoffnung. An sich hat man das schon mehrmals gelesen. Doch die Umsetzung macht dieses Buch besonders und lesenswert. 

Das Einzige, was mich ein bisschen gestört hat, ist, dass die Liebesgeschichte mir manchmal zu sehr im Vordergrund stand. Es geht schließlich um Leben und Tod, aber den Charakteren scheint das nicht immer bewusst zu sein. Aber das ist in Büchern oft so, also habe ich damit auch meinen Frieden gefunden. Die Reihe macht süchtig. Und es liest sich so flüssig, dass man gar nicht merkt, wie die Zeit verfliegt. Für jeden geeignet, der für einige Stunden komplett in eine Geschichte eintauchen will!

Spoilerwarnung

Juliettes Leben verändert sich, als sie einen Zellenpartner bekommt. Adam. Am Anfang kann sie kaum mit ihm umgehen, doch schnell fühlt sie sich zu ihm hingezogen. Doch dann wird sie aus ihrer Zelle gezerrt. Adam ist ein Soldat, der ihr Verhalten beobachten sollte im Auftrag von Warner, dem Chefs des Sektors, in dem sie sich befinden. Warner arbeitet für das Reestablishment, die Regierung, die die Bevölkerung klein hält. 

Er hat großes Interesse an Juliette. Er will ihre Fähigkeiten hervorrufen. Er ist davon fasziniert und nicht abgeschreckt. Doch Juliette gibt ihm nicht einfach, was er will. Und das scheint ihm auch noch zu gefallen. Juliette verabscheut ihn für seine grausame Art. Trost findet sie bei Adam. Bald kommt heraus, dass sie früher zusammen zur Schule gegangen sind, er zwar ein Soldat ist, ihr aber helfen will. Die beiden kommen sich näher. Und sie erfahren, dass Adam sie berühren kann, ohne verletzt zu werden. Das ist Juliette noch nie passiert. Sofort ist sie verliebt. 

Die beiden wollen gemeinsam fliehen. Beinahe verhindert Warner das. Sie können ihn überwältigen, doch bei der Flucht macht Juliette eine erschreckende Entdeckung: Warner kann sie ebenfalls berühren, ohne Schaden zu nehmen. 

Es beginnt eine Flucht durch den Sektor. Gemeinsam mit James, Adams kleinem Bruder, und Kenji, einem Soldaten und Freund von Adam. Ich muss ja zugeben, dass ich kein Adam-Fan bin. Nie wirklich gewesen. Er hat für mich nicht genug Charakter. Sein einziger Charakterzug scheint seine Besessenheit von Juliette zu sein. Und ich nenne es extra Besessenheit und nicht Liebe, denn in der Schule hat er sie nur beobachtet, ohne mit ihr zu sprechen und hat sich trotzdem unsterblich verliebt. Seitdem ist er ihr verfallen und hat alles für sie aufgegeben. Das kam mir alles sehr seltsam vor. 

Dafür liebe ich James und Kenji umso mehr. James ist noch ein kleiner Junge, aber sehr schlau für sein Alter. Kenji ist der Spaßvogel, der nie ernst bleiben kann, doch man erahnt, dass mehr dahinter steckt. 

Kenji arbeitet für eine Widerstandsbewegung und will sie dorthin bringen. Auf dem Weg werden sie noch einmal von Warner geschnappt, der Juliette seine Liebe gesteht und sie küsst. Sie benutzt das als Ablenkungsmanöver, um ihn anzuschießen und zu fliehen. Und doch fühlt sie bei dem Kuss etwas. 

Juliette, Adam, James und Kenji schaffen es zur Widerstandsbewegung und es stellt sich heraus: Juliette ist nicht der einzige Mensch mit übernatürlichen Kräften. Es gibt noch mehr, die so sind wie sie. Und sie sind bereit für einen Krieg. 

Die Handlung des Buches ist sehr gradlinig und eigentlich passiert gar nicht so viel. Trotzdem bleibt es immer spannend. Das Buch ist relativ kurz und deswegen ist auch nichts Überflüssiges dabei. Das macht das Buch so leicht und schnell lesbar. Es ist ein guter Einstieg, doch die nächsten zwei Bände haben mir noch mehr gefallen. Sie sind es definitiv wert, gelesen zu werden!

Schreibe einen Kommentar