Rezension: Throne of Glass. Kriegerin im Schatten von Sarah J. Maas

Rezension auf einen Blick

Themen: Loyalität, Interessenskonflikte, Spionage
So hat sich das Buch angefühlt: misstrauisch, hin und hergerissen, berechnend
Der erste Satz: Die im Sturmwind klappernden Fensterflügel waren das einzige Anzeichen für ein Eindringen. 

Vorwarnung: Der erste Teil dieser Rezension ist frei von Spoilern. Die Informationen, die ich preisgebe, stehen auf den ersten Seiten des Buches oder im Klappentext. Ab dem Absatz mit der Überschrift „Spoilerwarnung“ bespreche ich die vollständige Handlung des Buches. Ab da verrate ich also wichtige Punkte, die ihr vielleicht nicht verraten haben wollt. Also wer das Buch noch ohne Vorwissen lesen will, sollte dort aus dem Text aussteigen.

Ohne Spoiler

Celaena hat den Wettkampf gewonnen und ist der Champion des Königs. Doch das bedeutet, dass sie ihm noch mehrere Jahre wird dienen müssen, bevor sie ihre ersehnte Freiheit erlangen kann. Obwohl sie sich nichts mehr wünscht als ihre Freiheit, durchkreuzt sie immer wieder die Pläne des Königs und bringt damit nicht nur sich, sondern auch ihre Freunde in Gefahr. Sie muss sich entscheiden, auf welcher Seite sie kämpfen will und was sie bereit ist, dafür aufzugeben. 

Von allen Bänden, die ich in dieser Reihe bis jetzt gelesen habe, muss das vermutlich der schwächste sein. Aber bei so einer starken Reihe sagt das nicht gerade viel. Es ist trotzdem ein sehr spannendes Buch. Besonders interessant fand ich Celaenas inneren Konflikt. Sie soll für den Mann töten, der ihr ganzes Land in den Abgrund gerissen hat. Sie ist mit dem Prinzen befreundet, auch wenn ihre Beziehung aus dem ersten Band beendet ist, und ist noch enger mit dem Captain der Garde befreundet. Doch wo liegen ihre Loyalitäten? Das weiß sie selbst nicht so genau. 

Nehemia, die Prinzessin von Eyllwe, ist immer noch ihre engste Freundin, doch im Gegensatz zu Celaena ist sie sich sicher, wofür sie kämpft. Im Gegensatz zu Celaena ist sie der Überzeugung, dass der König besiegt werden kann und die Länder Erileas wieder frei sein werden. Das bringt sie in Gefahr. Nehemia ist wohl der moralischste Charakter in diesem Buch. Sie kämpft für ihre Überzeugungen und ist unbeirrbar. Denn sie weiß genau, wer sie ist und wofür sie steht. Sie der unentschlossenen Celaena gegenüberzustellen, hat deren Konflikt nur noch deutlicher hervortreten lassen. 

Besonders ihre Beziehung zu Chaol steht in diesem Buch im Vordergrund. Da sie Dorian im letzten Buch schon verlassen hat, ist dieses Buch weniger eine Dreiecksbeziehung, was ich ganz gut fand. Chaol ist seinem Land, König und vor allem Dorian gegenüber vollkommen loyal, was seine Beziehung zu Celaena verkompliziert. Er wird immer aus Adarlan sein, einem Land, das das Land, aus dem Celaena stammt, unterjocht hat. Aber genau dieser Konflikt macht ihre Beziehung so interessant. 

Aber nicht nur ihre Beziehungen zu Chaol und Nehemia sind spannend, sondern auch die zu Archer. Er ist ein Mann, den sie für den König umbringen soll und außerdem ein Freund aus ihrer Vergangenheit. Wie soll sie damit umgehen?

Das Buch ist spannend. Celaena ist damit konfrontiert, wie ihr weiteres Leben aussehen soll. In gewisser Hinsicht ist es ein Übergangsband, der den ersten Band mit der restlichen Handlung der folgenden Bücher verbindet. Aber genau das gelingt dem Buch ausgesprochen gut. 

Spoilerwarnung

Celaena hat keinen einzigen Auftragsmord für den König ausgeführt. Sie hat den Menschen zur Flucht auf einen anderen Kontinent verholfen und ihren Tod vorgetäuscht. Doch ihr ist klar, dass das nicht für immer geheim bleiben kann. Vor allem, da Archer Finn ein alter Freund von ihr ist und eine auffällige Figur, die man nicht so einfach verschwinden lassen kann. Er hat Verbindungen zu Rebellen. Und obwohl diese vorhaben, den König zu stürzen, den sie hasst, will sich Celaena nicht auf ihre Seite schlagen. 

Das war für mich wohl der interessanteste Aspekt der Handlung. Celaena hat aufgegeben. Sie ist nicht der Überzeugung, dass der Kontinent noch zu retten ist und sie will das Beste aus dem Leben machen, das sich ihr bietet. Sie ist keine strahlende Heldin, die sich auflehnt, obwohl es aussichtslos erscheint. Nehemia übernimmt diese Rolle. Und wirft ihrer Freundin vor, ein Feigling zu sein, weil sie sich nicht für ihr eigenes Land einsetzt. 

Da sieht man, wie gebrochen Celaena ist durch all die Erfahrungen, die sie über die Jahre gemacht hat. All die Grausamkeit, die sie erfahren hat, lässt sie nicht mehr an eine Lösung glauben. Sie will nicht kämpfen. Bis Nehemia umgebracht wird. 

Warum muss Sarah J. Maas eigentlich alle Charaktere umbringen, die ich liebe? Diese Reihe bricht mir wirklich das Herz, aber auf die best-mögliche Weise. 

Ihre Beziehung zu Chaol, mit dem sie ihr erstes Mal hatte, ist nach Nehemias Tod unwiederbringlich zerstört. Er wusste, dass Nehemia in Gefahr ist, doch weil der König ihm verboten hat, Celaena einzuweihen, blieb dieser keine Möglichkeit mehr, ihre Freundin zu retten. Das kann sie ihm nicht verziehen. Und fast tötet sie ihn dafür sogar. Wenn Dorian sie nicht mit seiner Magie aufgehalten hätte. 

Dorian erkennt, dass er magische Kräfte hat, obwohl die Magie vor zehn Jahren aus Erilea verschwunden ist und versucht, sie unter Kontrolle zu bringen. Und beim Kampf am Ende des Buches kommt heraus, dass auch Celaena Kräfte besitzt. Sie ist eine Halb-Fae und kann Feuer kontrollieren. Doch da es in Erilea keine Magie mehr gibt, kann sie darauf nicht zugreifen. Nur in einer anderen Welt, die sie kurzzeitig mit Chaol betritt, gelingt ihr das.

Chaol ist abgeschreckt von den Fähigkeiten von Dorian und Celaena. Und um sie zu schützen, bringt er den König dazu, sie auf einen anderen Kontinent zu schicken, wo Magie noch existiert. Celaena reist ab. Und sobald sie weg ist, findet Chaol vermutlich den größten Twist der Reihe heraus: Celaena ist ein Name, den sie erst später in ihrem Leben erhalten hat. In Wahrheit ist sie Aelin Galanthynius, die verschollene Königin von Terrasen, und damit sie größte Bedrohung für Chaols Königreich. 

Sie hat sich vor diesem Erbe immer gefürchtet und es von sich geschoben. Doch nun stellt sich die Frage, ob sie sich dem stellen will. 

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