Rezension: Goldene Flammen von Leigh Bardugo

Rezension auf einen Blick

Themen: übernatürliche Fähigkeiten, Training, Krieg
So hat sich das Buch angefühlt: prunkvoll, überraschend, fantastisch
Der erste Satz: Die Diener nannten sie Malenchki, Geisterchen, denn die Kleinsten und Jüngsten suchten das Haus des Herzogs heim wie kichernde Phantome, rannten durch die Zimmer, versteckten sich in Schränken, um zu lauschen, und stahlen die letzten Pfirsiche des Sommers aus der Küche.

Vorwarnung: Der erste Teil dieser Rezension ist frei von Spoilern. Die Informationen, die ich preisgebe, stehen auf den ersten Seiten des Buches oder im Klappentext. Ab dem Absatz mit der Überschrift „Spoilerwarnung“ bespreche ich die vollständige Handlung des Buches. Ab da verrate ich also wichtige Punkte, die ihr vielleicht nicht verraten haben wollt. Also wer das Buch noch ohne Vorwissen lesen will, sollte dort aus dem Text aussteigen.

Ohne Spoiler

Alina Starkov ist eine Kartografin in der Armee des Zaren von Ravka, eine unbedeutende, niedere Soldatin. Ihr bester Freund Malyen ist ein Fährtenleser und Frauenschwarm, was Alina immer wieder das Herz schwer werden lässt. Sie hält sich für unscheinbar, bis sie eines Tages ihre übernatürlichen Fähigkeiten entdeckt, als sie ihrem besten Freund das Leben rettet. Sie ist eine Grisha und verfügt über große Macht. Sie wird ins Trainingslager der Grisha versetzt, um ihre Fähigkeiten zu kontrollieren. Dort trifft sie immer wieder auf den Dunklen, den berüchtigsten und stärksten aller Grisha, der sehr großes Interesse an ihr zeigt. 

Ich bin vermutlich der letzte Mensch auf dieser Welt, der diese Reihe liest und frage mich nun, warum ich so lange gewartet habe, dieses Buch endlich in die Hände zu nehmen. Obwohl jeder diese Geschichte bestimmt schon vor 100 Jahren gelesen hat, als sie veröffentlicht wurde, schreibe ich trotzdem eine Rezension. 

Was mich als erstes an dieser Geschichte so begeistert hat, war die Welt. Die meisten Fantasy-Welten sind mittelalterlich aufgebaut oder erinnern irgendwie doch ein bisschen an Herr der Ringe. Hier war das anders. Ravka ist ein an das zaristische Russland erinnernde Welt. Das setzt die Geschichte von vielen ab, die ich bis jetzt gelesen habe. Das hat mir sehr gut gefallen.

Auch fand ich gut, dass die Geschichte eigentlich sofort richtig losgeht. Nur kurz lernen wir die Protagonistin Alina und ihren besten Freund Mal kennen. Dann entdeckt Alina schon ihre neuen Fähigkeiten und ihr Leben verändert sich schlagartig und für immer. Man wird sofort in die Handlung hineingeworfen und das Buch packt sofort. 

Auch die Charaktere haben mir sehr gut gefallen. Alina ist mit ihrer neuen Situation überfordert, lässt sich aber auch nicht unterkriegen. Dass sie nicht aufgibt, obwohl ihr alles zu Beginn ziemlich schwer fällt, hat mir gut gefallen. 

Der interessanteste Charakter ist natürlich der Dunkle. Die Faszination, die alle Menschen in seiner Umgebung für ihn empfinden, spürt man auch als Leser. Man weiß nicht, ob man ihm trauen kann, man weiß kaum etwas über ihn und genau dieses Mysteriöse macht seine Figur so faszinierend. 

Spoilerwarnung

Ravka ist unterteilt durch die sogenannte Schattenflur, ein Landstreifen völliger Dunkelheit, in dem die Volkra hausen, Kreaturen, die Menschen essen. Trotzdem muss die Armee sie immer wieder durchqueren und erleidet dabei erhebliche Verluste. Als Alina und Mal sie durchqueren, werden sie angegriffen und Alina entdeckt ihre Fähigkeiten. Sie kann Licht erzeugen, was die Volkra vertreibt. Sie ist eine Sonnenkriegerin, eine Fähigkeit, die sonst keine der Grisha besitzt. 

Sobald der Dunkle dies erfährt, schickt er sie in die Hauptstadt, wo die Grisha direkt neben dem Palast des Zaren leben und trainiert werden. Ihr ganzes Leben war sie eine arme Kriegswaise und lebt das erste Mal in vollkommenem Luxus. Zunächst gelingt es ihr nicht, ihre Kräfte eigenständig hervorzurufen. Sie vermisst ihren besten Freund und sehnt sich nach ihm, doch als sie erkennt, dass er damals der Grund dafür war, dass sie ihre Kräfte so stark unterdrückt hat, dass sie ihre Existenz vergessen hat, kann sie auf ihre Kräfte zugreifen. 

Der Dunkle zeigt großes Interesse an ihr, da er vorhat, mit ihrer Kraft, die Schattenflur zu zerstören. Doch ihre Kräfte reichen dafür noch nicht aus, weswegen er ihr einen Kräftemehrer finden will. Dazu sucht er nach einem sagenumwobenen Hirsch, den Alina töten und dessen Geweih sie anlegen muss, um ihre Kräfte zu verstärken. 

Sie fühlt sich zum Dunklen hingezogen und auch ihm scheint es so zu gehen. Die beiden küssen sich mehrmals. Doch Alina wird aus ihm nicht so recht schlau. Bei einer Feier des Zaren trifft sie auf Mal, der zu den Fährtenlesern gehört, der auf der Suche nach dem Hirsch ist. Die beiden streiten sich. Alina zieht sich auf ihr Zimmer zurück, doch dort bleibt sie nicht lange, denn ihre Trainerin taucht auf und sagt ihr, dass sie unbedingt fliehen muss. Denn der Dunkle hat Böses mit Alina vor. 

Sein wahrer Plan ist es nicht, die Schattenflur zu zerstören, sondern sie zu vergrößern und sie gegen alle Gegner Ravkas zu lenken, die sich ihm nicht unterwerfen wollen. Dazu braucht er Alina, damit sie die Volkra vernichtet. Den Hirsch, der ihre Kräfte mehren soll, soll nicht sie töten, sondern er, weil sie ihm dann für immer wird gehorchen müssen. Also flieht sie mitten in der Nacht und will bis zum Meer gelangen, um dort auf ein Schiff zu steigen und zu verschwinden. 

Sie wird einmal fast von Soldaten geschnappt, doch da taucht Mal auf und die beiden begeben sich gemeinsam auf die Flucht. Er ist desertiert, um ihr zu helfen. Doch er will nicht zum Meer gelangen, sondern zum Hirsch, bevor der Dunkle ihn erreichen kann, damit Alina den Hirsch erlegen kann und nie mehr in die Gefahr geraten kann, vom Dunklen versklavt zu werden. Auf dieser Reise gesteht Mal ihr und auch sich selbst endlich ein, dass er sie liebt und die beiden finden endlich zueinander. 

Als sie den Hirsch entdecken, zögert Alina und bringt ihn nicht um. Doch dann taucht der Dunkle auf, tötet den Hirsch und legt Alina das Geweih um. Jetzt muss sie ihre Fähigkeiten immer einsetzen, wenn er es will. Er bringt Mal und sie zur Schattenflur, wo er seine und ihre Macht demonstrieren will. Mal soll dort hingerichtet werden. 

Sie begeben sich mit mehreren Grisha und Regierungschefs auf die Schattenflur. Alina muss die Volkra besiegen und der Dunkle vergrößert die Schattenflur. Diese Machtdemonstration soll seine Regierungsansprüche festigen. Doch als er Mal von Bord wirft und den Volkra zum Fraß vorwerfen will, erkennt Alina, dass sie sich gegen die Dunklen wehren kann und nutzt ihre Kraft, um Mal und sich zu retten. Den Dunklen und alle anderen an Bord lassen sie zurück. 

Alina und Mal fliehen zusammen an Bord eines Schiffes. Sie wissen nicht, ob der Dunkle noch lebt und begeben sich gemeinsam in eine ungewisse Zukunft.

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