Interview: Autorin Isabell May

Interview auf einen Blick

Nie wieder lesen oder nie wieder schreiben? Schwierig! Beides wäre eine Katastrophe!
Welches Genre dominiert dein Bücherregal? Thriller, Fantasy und Horror. Ich glaube, die Thriller haben die Fantasyromane kürzlich überholt.
Hast du eine seltsame Leseoder Schreibgewohnheit? Ich bin eine nachtaktive Kreatur.

Autorin Isabell May veröffentlicht in diesem Jahr ihre Fantasy-Dilogie im one-Verlag. Shadow Tales erzählt die Geschichte der verträumten Lelani, die ihre eigene Magie entdeckt und sich auf eine Reise voller Abenteuer begibt. Isabell May verrät im Interview, was sie inspiriert, welche Tipps sie für angehende Autorinnen hat und wie sich ihre Arbeit als Romanautorin von ihrer Arbeit als Heftromanautorin unterscheiden.

Mit welchem Charakter aus Shadow Tales wärst du gerne befreundet?

Mit der Protagonistin Lelani. Sie ist loyal und setzt sich mutig für all jene ein, die ihr am Herzen liegen.

In Shadow Tales hast du das Königreich Vael erschaffen. Was ist das schwierigste am Worldbuilding?

Ich hatte die magische Welt auf Anhieb klar vor Augen. Ein bisschen schwierig sind aber die geografischen Zusammenhänge und räumlichen Entfernungen. Ich bin schon im echten Leben eine orientierungslose Geografie-Niete, darum fand ich es kompliziert, mir zu überlegen, wie lange wohl die Reise von einem zum anderen Handlungsschauplatz dauern könnte.

Shadow Tales beinhaltet Märchenelemente. Hast du ein Lieblingsmärchen?

Puh, beinahe unmöglich zu beantworten! Ich liebe die klassischen Märchen und ihre moderneren Adaptionen. Vielleicht würde ich mich ganz langweilig für Cinderella entscheiden. Oder dieses total verstörende Märchen mit dem abgehackten Pferdekopf, der aufgehängt wird und sprechen kann – aus irgendeinem Grund habe ich das als Kind gerne gemocht.  

Gibt es auch andere Märchen oder Mythologie, die dich zu einer Geschichte inspirieren könnten?

Ich bin zum Beispiel ein großer Fan der griechischen Mythologie. Inspiriert von der großartigen Serie Xena, die ich als Kind geliebt habe. Kann aber vielen Sagen oder Mythologien etwas abgewinnen und liebe es, wenn man kleine Elemente daraus in Büchern oder Filmen wiederfindet.

Du schreibst auch Heftromane. Inwieweit unterscheiden sich da deine Arbeitsweisen voneinander? Was muss man beim Schreiben von Heftromanen beachten? 

Heftromane funktionieren nach ganz bestimmten Regeln, die strenger als die beim Bücherschreiben sind. Umfang, Themen, je nach Reihe/Serie auch regelmäßig vorkommende „Stammcharaktere“ sind vorgegeben. Das kann hilfreich sein, wenn man ziemlich genau weiß, worauf es ankommt, wenn man sich einmal in eine Reihe eingearbeitet hat. Manchmal ist es aber auch eine Herausforderung, innerhalb dieser Grenzen etwas zu schreiben, was die LeserInnen nicht schon hundertmal gelesen haben. Die Heimat- und Arztromane, die ich schreibe, sind schnell gelesen und verhältnismäßig schnell geschrieben: kleine Häppchen, die die Leserin kurz aus dem Alltag entführen. Der Schwerpunkt liegt auf der Romantik. Böse Zungen würden sie als kitschig bezeichnen. Aber ich sehe daran nichts Falsches, solange sie der Leserin Freude bereiten!

An welchem Projekt schreibst du gerade? Und kannst du schon ein bisschen was darüber verraten?

Leider gibt es momentan gar kein neues Buchprojekt, an dem ich arbeite. Band 2 von Shadow Tales ist im Lektorat, den werde ich in nächster Zeit noch fleißig überarbeiten, damit er auch wie geplant Ende November erscheinen kann. Ansonsten schreibe ich an meinen Heftromanen. Ich hoffe aber, dass ich vielleicht irgendwann im Laufe dieses Jahres beginnen werde, einen neuen Fantasyroman zu schreiben.

Welchen Tipp würdest du angehenden Autorinnen und Autoren geben?

Ich fürchte, das hat man schon hundertmal gehört und es ist nichts Neues, aber: einfach immer weiterschreiben, auch wenn es manchmal schwerfällt oder man das Gefühl hat, nicht gut genug zu sein. Mag sein, dass man im Nachhinein feststellt, dass man ein paar hundert oder tausend Seiten für die Tonne geschrieben hat, aber man lernt mit jeder Seite und jedem fertiggestellten Text dazu und wird besser – versprochen. Und lasst euch nicht entmutigen, wenn ihr euch mit eurem Buch irgendwo bewerbt und abblitzt, das ist jedem schon mal passiert.

Hast du eine seltsame Lese- oder Schreibgewohnheit?

Ich bin eine nachtaktive Kreatur. Ich glaube, so selten ist das aber gar nicht unter AutorInnen. Nachts, wenn alles ganz ruhig ist, kann ich mich am besten aufs Schreiben konzentrieren. Darum tippe ich oft bis früh morgens an meinem Manuskript und verschlafe dann den halben Tag. Ich versuche immer wieder mal, das zu ändern, bisher erfolglos.

Was fällt dir beim Schreiben am schwersten?

Auch an Tagen, an denen ich mich unmotiviert oder unkreativ fühle, zumindest ein paar Seiten zu tippen. Und bei jedem neuen Schreibprojekt die ersten ein oder zwei Kapitel: die „Angst vor dem weißen Blatt“ zu überwinden und einfach loszulegen.

Was fällt dir beim Schreiben am leichtesten?

Ich liebe es, gefühlvolle Szenen zu schreiben. Das macht mir einfach am meisten Spaß.

Was inspiriert dich, wenn du beim Schreiben nicht weiterkommst?

Gespräche mit meiner Schwester, meiner besten Freundin und meinem Lebensgefährten. Wenn ich eine Szene mit ihnen durchgehe, haben sie oft zündende Einfälle, oder ich gewinne eine neue Perspektive, die mir weiterhilft.

Was ist dir auf deinem Weg als Autorin am schwersten gefallen?

Die Angst zu überwinden, in einem Pappkarton unter einer Brücke leben zu müssen, wenn es mit dem Schreiben mal nicht so läuft.

Wie sah dein Weg als Autorin bis jetzt aus?

Ich wollte Autorin werden, seit ich denken kann. War als Kind eine Leseratte, habe Bücher verschlungen und meine großen Idole waren die Schriftsteller der Romane, die in meinem Regal standen: Enid Blyton, Thomas Brezina, ein paar Jahre später Wolfgang Hohlbein, Ralf Isau…Mein Traum war es, irgendwann meine eigenen Bücher in gedruckter Form in der Hand zu halten. Ich habe auch früh begonnen, selbst zu schreiben, aber natürlich war nichts davon für eine Veröffentlichung geeignet.

Während ich Germanistik studiert habe, habe ich für ein paar Jahre sogar ganz aufgehört, zu schreiben. Angesichts all der Klassiker und der hohen Literatur kam mir alles, was ich selbst getippt habe, schrecklich wertlos vor. Zum Glück bin ich irgendwann zu dem Schluss gekommen, dass auch die Unterhaltungsliteratur ihre Daseinsberechtigung hat. Solange es Leser gibt, die an einem Buch Spaß und Freude haben, ist das Buch es natürlich auch wert, geschrieben und veröffentlicht zu werden!

Nach dieser Erkenntnis habe ich das Ziel, Autorin zu werden, wiederaufgenommen und ganz zielstrebig und unermüdlich verfolgt. Ich habe The Chosen One geschrieben, bin damit erst mal bei ein paar Verlagen abgeblitzt, habe nicht aufgegeben und mich in die Heftromane gestürzt. Dann ging alles ganz schnell: Meine Heftromane wurden veröffentlicht, The Chosen One kam bei be-ebooks unter, meine am College spielende Young Adult Geschichte Close to you ist entstanden. Mittlerweile habe ich über 100 Heftromane und eine Handvoll Bücher veröffentlicht, und mit Shadow Tales ist gerade der erste Band einer Dilogie erschienen, die mir ganz besonders am Herzen liegt!

Du hast schon Fantasy- und Liebesromane geschrieben. Welches Genre gefällt dir besser? Welches Genre fällt dir beim Schreiben leichter bzw. schwerer?

Ich mag grundsätzlich beides sehr gerne. Bei Liebesromanen geht es ja im Grunde genommen um „A trifft B, sie verlieben sich, es gibt Konflikte und dann finden sie doch zueinander“ – was nicht bedeuten soll, dass es nicht auch großartige LiebesromanautorInnen gibt, die aus diesem Schema etwas Aufregendes, Besonderes erschaffen. An der Fantasy mag ich, dass zusätzlich zur Liebesgeschichte (die für mich nie fehlen darf) im Hintergrund eine ganze, selbsterschaffene Welt mit eigenen Gesetzen und Wesen steht, die viel Raum für Abenteuer bietet. Da kann man sich als Autorin richtig austoben. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich mein Herz also noch ein kleines bisschen mehr der Fantasy schenken.

In welchem Genre würdest du gerne mal ein Buch schreiben, in dem du noch keins geschrieben hat?

Ich finde Thriller ganz großartig! In meinem Regal stehen jede Menge Bücher von Joy Fielding, Charlotte Link und anderen Thriller-AutorInnen. Ehrlich gesagt bin ich nicht ganz sicher, ob ich mir das zutraue. Ich glaube nämlich, dass dafür unfassbar viel Planung nötig ist, damit man genau die richtige Menge an Hinweisen zum perfekten Zeitpunkt streut, falsche Fährten legt und die Leser bis zum Ende miträtseln lässt. Meine Hochachtung geht also an alle AutorInnen, die so etwas hinbekommen.

Nie wieder lesen oder nie wieder schreiben?

Schwierig! Beides wäre eine Katastrophe. Ich würde versuchen, mich ganz geschickt und raffiniert anzustellen und ein Schlupfloch zu finden: weiterhin lesen, und meine Geschichten diktieren, statt sie selbst zu schreiben.

Kannst du dich an die erste Geschichte erinnern, die du jemals geschrieben hast? Und wenn ja, wie alt warst du?

Ich war elf oder zwölf Jahre alt, als ich meinen ersten Fantasyroman geschrieben habe: von Hand auf Zettel, die ich aus Schulheften gerissen habe und teilweise heimlich während des Unterrichts. Der dicke Ordner, in dem ich das alles abgeheftet habe, steht hier immer noch herum. Ich bin aber ganz froh darüber, dass er so undeutlich gekritzelt ist, dass ihn niemand jemals lesen kann.

Was ist dein Lieblingsbuch aus deiner Kindheit?

Ich habe Abenteuer- und Detektivgeschichten geliebt. Die Bücher von Enid Blyton, zum Beispiel die „Fünf Freunde“-Reihe, haben mich total fasziniert und im Grunde meines Herzens bin ich immer fest davon ausgegangen, dass ich eines Tages auch so aufregende Abenteuer bestehen und gefährliche Verbrecher schnappen würde.

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