Rezension: Finding Back to Us von Bianca Iosivoni

Rezension auf einen Blick

Themen: Stiefgeschwister, Zukunftsangst, Trauer
So hat sich das Buch angefühlt: wütend, herausfordernd, anziehend
Der erste Satz: „Ich würde nie erfahren, was Meghan Trainor mit Marvin Gaye trieb, denn als ihre Stimme ertönte, zog ich mir die Kopfhörer aus dem Ohr.“

Vorwarnung: Der erste Teil dieser Rezension ist frei von Spoilern. Die Informationen, die ich preisgebe, stehen auf den ersten Seiten des Buches oder im Klappentext. Ab dem Absatz mit der Überschrift „Spoilerwarnung“ bespreche ich die vollständige Handlung des Buches. Ab da verrate ich also wichtige Punkte, die ihr vielleicht nicht verraten haben wollt. Also wer das Buch noch ohne Vorwissen lesen will, sollte dort aus dem Text aussteigen.

Ohne Spoiler

Callie kehrt für den Sommer nach Hause zurück. Ihre kleine Schwester macht ihren Abschluss und hat sich gewünscht, noch einmal Zeit mit ihrer Schwester zu verbringen. Als Callie Zuhause ankommt, erwartet sie jedoch eine Überraschung: nicht nur sie, sondern auch ihr Stiefbruder Keith ist zurückgekehrt. Er hatte vor vielen Jahren den Autounfall verursacht, bei dem ihr Vater ums Leben gekommen war. Danach war er aus ihrem Leben verschwunden, und sie hatte gehofft, ihn niemals wiedersehen zu müssen. Und dann steht er plötzlich vor ihr, und sie muss sich mit Gefühlen auseinandersetzen, die sie so viel lieber verdrängen würde. 

Dieses Buch ist eines meiner Liebelingsbücher. Callies und Keiths Dynamik zerreißt einem das Herz, bringt einen aber auch viel öfter zum Grinsen. Callie macht Keith immer noch für den Unfall verantwortlich und hasst ihn, was sie ihn auch deutlich spüren lässt. Trotzdem lässt er es sich nicht nehmen, sie zu provozieren und sie zu reizen. Vor allem, weil ihm deutlich bewusst ist, dass sie sich zu ihm hingezogen fühlt, obwohl sie das eigentlich gar nicht will. 

Callie ist ein toller Charakter. Sie ist stur und nachtragend, aber auch liebevoll und emotional. Den Tod ihres Vaters hat sie nie ganz verarbeitet und weiß nicht, wie sie damit abschließen soll. Alle um sie herum scheinen es zu können, warum sie nicht?

Keith war damals nach dem Unfall einfach verschwunden und kehrt erst jetzt zurück. Callies Hass trifft ihn, aber er lässt sich nicht unterkriegen. Mit ihr zu streiten, macht ihm sichtlich Spaß. Doch er ist nicht immer der hämisch grinsende Arsch, für den Callie ihn die meiste Zeit hält. Er ist auch sehr einfühlsam und ist da für Callie, wenn sie ihn lässt. 

Die Beziehung der beiden ist extrem komplex, aber genau das macht das Buch auch so unglaublich fesselnd. 

Spoilerwarnung

Neben Callie und Keith gibt es noch zwei weitere sehr wichtige Charaktere: Callies Schwester Holly und ihre Stiefmutter Stella. Der Familienzusammenhalt ist sehr innig. Stella hat die beiden Mädchen großgezogen, als wären es ihre eigenen Kinder. Holly und Stella konnten Keith vergeben, was Callie nicht verstehen kann. Sie wollen ihn sogar dort haben. Da Callie ihnen den Gefallen tun will, versucht sie, sich in Keiths Gegenwart zusammenzureißen, was ihr gar nicht so leicht fällt. 

Obwohl sie ihn eigentlich abgrundtief hasst, fühlt sie sich trotzdem extrem zu ihm hingezogen, und das weiß er auch. Schon als die beiden noch Kinder waren, hat sie für ihn geschwärmt. Doch heute würde sie diese Gefühle gerne loswerden. 

Während sie Zuhause ist, kommen auch manche ihrer Erinnerungen an den Unfall zurück. Genauso wie Keith und ihr Vater war sie damals beim Unfall dabei, doch sie konnte sich an nichts mehr erinnern. Nun kommen ihre Erinnerungen langsam zurück. 

Keith macht immer öfter klar, dass er sich zu ihr hingezogen fühlt und die beiden küssen sich mehrmals. Callie will ihm danach eigentlich aus dem Weg gehen, doch Keith macht es ihr dabei natürlich nicht so leicht. Irgendwann entschließt sie sich, diese Anziehungskraft zwischen ihnen loswerden zu wollen. Sie will eine Nacht mit Keith verbringen, und danach sprechen sie nie wieder darüber. Keith willigt ein. 

Doch natürlich ist danach nichts besser als vorher. Die Anziehungskraft wird nur noch stärker, und Callie will sich nicht länger wehren. Ihre kleine Schwester erfährt davon, doch sie freundet sich erstaunlich schnell mit dem Gedanken an, dass Callie und Keith zusammen sein könnten. Callie erkennt, dass sie Keith nicht länger hasst, ihm den Unfall aber immer noch nicht ganz vergibt. 

Als aber Stella die beiden erwischt, beendet sie danach ihr Verhältnis mit Keith. Sie hat Angst, dass sie damit ihrer Familie wehtun könnten. Sie leben in einer Kleinstadt und es wird viel geredet. Dem Gerede will sie ihre Stiefmutter und Schwester nicht aussetzen. Keith sieht das anders. Er gesteht ihr seine Liebe, doch sie flieht vor ihm. 

Ein Freund von ihr arbeitet bei der lokalen Polizei und kann ihr die Dokumente vom Unfall beschaffen. Endlich erfährt sie, was bei dem Unfall wirklich passiert ist. Sie erinnert sich, dass Keith gar nicht am Steuer saß, sondern ihr Vater. Außerdem hatte er Medikamente genommen, die den Unfall verursachten. Keith war nie Schuld an seinem Tod. 

Die Erkenntnis ist hart für die ganze Familie, doch endlich schafft es Callie, es hinter sich zu lassen. Sie gesteht Keith und sich selbst endlich ein, dass sie ihn liebt und die beiden entschließen sich, sich nicht von den Meinungen anderer Menschen beeindrucken zu lassen, sondern sich dem Gerede zu stellen. Gemeinsam. Als Paar. 

Damit endet das Buch, das ich jetzt schon mehrmals gelesen habe. Die beiden wissen nicht, was ihre Zukunft bereithält. Callie will ihr Studium nicht fortsetzen, doch ob sie mit Musik erfolgreich werden kann, bleibt ungewiss. Trotzdem wagen sie es beide. Dieses leicht offene Ende ist perfekt für das Buch und wird mich ewig zum Lächeln bringen. 

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