Rezension: Ophelia Scale. Die Sterne werden fallen von Lena Kiefer

Rezension auf einen Blick

Themen: Machtkämpfe, Künstliche Intelligenz, Verantwortung
So hat sich das Buch angefühlt: endgültig, spannend, süchtigmachend
Der erste Satz: „Los, los, los! Worauf wartet ihr denn?“

Vorwarnung: Der erste Teil dieser Rezension ist frei von Spoilern. Die Informationen, die ich preisgebe, stehen auf den ersten Seiten des Buches oder im Klappentext. Ab dem Absatz mit der Überschrift „Spoilerwarnung“ bespreche ich die vollständige Handlung des Buches. Ab da verrate ich also wichtige Punkte, die ihr vielleicht nicht verraten haben wollt. Also wer das Buch noch ohne Vorwissen lesen will, sollte dort aus dem Text aussteigen.

Ohne Spoiler

Nach dem Tod seines Bruders muss nun Lucien das Land regieren, das sich noch nie in einer gefährlicheren Situation befunden hat. Deswegen wollte Ophelia seine unsichere Regentschaft nicht noch mit ihrer Anwesenheit als ehemalige Attentäterin belasten. Sie bleibt bei ReVerse, um ihm aus der Ferne nützlich sein zu können. Doch als Knox aus Eifersucht ihre Beziehung zu Lucien offenlegt, fliegt sie auf und muss zurück nach Maraisville. Doch dort ist sie nicht mehr als ein unbeteiligter Zuschauer. Eine Rolle, in die sie sich nicht einfügen kann. Aber ihr Aufenthalt bleibt nicht ereignislos. Schon bald findet sie einiges über den Tod des Königs heraus und muss Lucien beistehen, während ReVerse und die Omni immer mehr Unterstützer finden. Wird es ihnen gelingen, sie aufzuhalten?

Dieses Buch … dieses Buch … Wenn man einen gemütlichen Leseabend verbringen will, ist das auf jeden Fall nicht die richtige Lektüre. Die zweite Hälfte des Buches hätte ich fast im Stehen gelesen, weil es mich so hibbelig gemacht hat. Es ist eines dieser Bücher, das einen bis zur letzten Seite nicht ruhig durchatmen lässt und immer wieder dafür sorgt, dass man es kurz zuklappen muss, um verarbeiten zu können, was man gerade gelesen hat. Eines der spannendsten Bücher, das ich seit langem gelesen habe. 

Es ist der perfekte Abschluss einer unglaublich guten Reihe mit vielen unvorhergesehenen Wendungen und so vielen spannenden Szenen, dass man kaum durchatmen kann. 

Ophelia ist genauso stur und stark, wie man sie kennengelernt hat. In diesem Buch muss sie noch mehr Herausforderungen meistern als vorher. Und dasselbe gilt natürlich auch für Lucien, der auf einmal eine Rolle einnehmen muss, für die er niemals vorgesehen war. Diese zwei haben mich genauso begeistert wie in den beiden Bänden zuvor. 

Doch was dieses Buch für mich so gut und vielleicht auch zu meinem Lieblingsband in der Trilogie gemacht hat, waren die starken Nebencharaktere. Sie alle kannte man schon, doch erst in diesem Buch, finde ich, haben sie genug Raum bekommen, damit man als Leser auch jede Facette von ihnen richtig kennenlernen konnte.

Das gilt besonders für Dufort, der vermutlich mein neuer Liebling ist. Aber auch Lynx, Jye, Imogen und Echo haben in diesem Buch noch so viel mehr von sich preisgegeben, dass man sie nur noch mehr ins Herz geschlossen hat. 

Und auch die Handlung hat im Vergleich zu den Teilen vorher nicht im Geringsten nachgelassen. Doch auf die Details gehe ich jetzt erst im Spoilerteil ein. Wer dieses Buch noch nicht gelesen hat, sollte sich wirklich nicht spoilern lassen, denn er würde eindeutig was verpassen. 

Spoilerwarnung

Drei Monate war Ophelia mit einer ReVerse Gruppe unterwegs und hat ihre Missionen zusammen mit Jye sabotiert. Eigentlich vermisst sie Lucien über alles, doch ihre Schuld wegen des versuchten Attentats auf seinen Bruder lässt sie nicht los. Sie hat das Gefühl, sich ihren Platz in Maraisville erst wieder erarbeiten zu müssen. 

Doch der betrunkene Knox macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Vor ihren Teamkollegen offenbart er Ophelias Beziehung zu Lucien. Zunächst scheint es, als würden ihre ReVerse Kollegen in ihr nur eine Manipulateurin sehen, doch der Anführer durchschaut sie und versucht, sie umzubringen. In der letzten Sekunde rettet ihr Dufort das Leben und bringt sie zurück nach Maraisville. 

Dort muss Ophelia erkennen, dass nicht jeder sie so herzlich empfängt wie Lucien. Und selbst er wirkt distanziert. Überall wohin sie geht, folgen ihr kritische Blicke und geflüsterte Beleidigungen, und auch Lucien lässt sie nicht an sich ran. Dass sie nichts zu tun hat, macht es nicht gerade besser. Luciens und ihre Distanz führt zu einem riesigen Streit, in dem er ihr offenbart, dass er sich von ihr verlassen gefühlt hat. Beide lassen ihre Frustration raus und versöhnen sich. Danach ist alles wieder so zwischen ihnen, wie es immer war und wenigstens darum muss sich Ophelia keine Sorgen mehr machen. 

Aber um so viele andere Dinge. ReVerse betreibt Propaganda und zieht die königliche Familie durch den Dreck. Maraisville versucht, sich dagegen zu wehren. Ophelias Mutter soll ein Gegenmittel gegen die Omni entwickeln und Ophelia findet heraus, dass beim Flugzeugabsturz des Königs anscheinend doch nicht alles so abgelaufen ist, wie sie zunächst vermutet hatte. 

Lucien und Ophelia fliegen in ihre Heimat, Brighton, um dort nun mit einem öffentlichen Auftritt gegen die Omni vorzugehen: sie wollen jetzt die Wahrheit über die Abkehr veröffentlichen, nämlich den drohenden Point Out. Ophelia hat das Gefühl, dass sie damit wirklich einen Unterschied machen können, doch dann wird das Flugzeug mit Lucien und Dufort an Bord entführt. Imogen wird schwer verletzt. 

Als Ophelia in Maraisville ankommt, trifft sie der nächste Schock: sie ist nun die Regentin des Landes und muss nicht nur Lucien finden, sondern auch ReVerse in Schach halten. Gar nicht so einfach. Denn die Omni hat ihre Beziehung zu Lucien öffentlich gemacht, um sie zu diskreditieren. Und es funktioniert. Immer mehr Menschen wenden sich gegen die Regierung. Und auch in Maraisville sind nicht alle von Ophelia als neue Regentin begeistert. Ein Attentatversuch auf sie schlägt fehl, da Luciens Schwester sie rettet. 

Ophelia bekommt eine Nachricht von Costard, dem Anführer von ReVerse, dass er Lucien in seinen Gewahrsam genommen hat und fordert ihre sofortige Kapitulation oder er bringt ihn um. Ophelia weiß nicht, was sie tun soll. Da kommt die Lösung von ihrem Vater. Er hat NanoLinks entwickelt, mit denen Ophelia endlich wieder auf die volle Kapazität ihres Gehirns zugreifen kann und es hilft. Sie erkennt, dass Lucien gar nicht in Costards Gewalt ist und kann ihn aufspüren. 

Luciens Schwester offenbart ein weiteres Geheimnis. Alle Regierungschefs hatten sich ein Notfallprogramm zurechtgelegt, das greifen sollte, sobald eine Omni die Überhand gewinnt. Alle Regierungschef können gemeinsam alle Technologie auf der Welt zerstören, was die Menschheit zurück in die Steinzeit befördern würde. Beim Greifen dieses Notfallplans wird damit gerechnet, dass die Hälfte der Menschheit sterben wird. 

Als Ophelia und ihre Freunde in dem Gefängnis ankommen, wo sie Lucien geortet haben, finden sie dort auch alle übrigen Regierungschefs vor. Phoenix, von dem es hieß, er sei bei Leopolds Flugzeugabsturz ebenfalls ums Leben gekommen, hat alle Regierungschefs entführt, um dieses Notfallprogramm durchzusetzen. Doch er wird umgebracht und Ophelia kann nicht nur Lucien, sondern auch seinen Bruder Leopold befreien. Nun ist er wieder König und nicht mehr Lucien oder Ophelia. 

Dieser kleine Sieg lässt sie fast vergessen, dass ihr größter Gegner, die Omni, immer noch dort draußen ist. Doch Ophelia durchschaut sie. Sie erkennt, dass die Omni direkt vor Maraisville steht und die ganze Stadt einnehmen will. Kurz bevor sie auf die Systeme der Stadt zugreifen kann, schaltet Ophelia sie aus. Und sie fasst einen Plan: sie wird die Omni umbringen. Sie will sich einen technischen Virus in den Kopf setzen, der die Omni vernichten wird, sobald sie mit Ophelia verbunden ist. Doch das wird auch Ophelia mit in den Tod reißen. Sie fasst den Entschluss, dass ihr Tod die Rettung all der Menschen, die sie liebt, wert ist. 

Sie verabschiedet sich von Leopold und will sich eigentlich von Lucien wegschleichen. Doch er erwischt sie und kommt mit ihr auf die Selbstmordmission. Die beiden können sich an ReVerse Kämpfern in die Basis schleichen, treffen dort aber auf Ophelias Ex-Freund Knox. Erst will er sie nicht zur Omni lassen, doch dann schlägt er sich auf ihre Seite. Doch Costard entdeckt sie. Bei einem Schusswechsel sterben Costard und auch Knox. Doch Ophelia bleibt keine Zeit für Trauer. Sie muss zur Omni. Eigentlich hatte Lucien ihr versprochen, abzuhauen. Doch er weigert sich. Er will die nahenden ReVerse Kämpfer beschäftigen, damit Ophelia ihren Plan durchziehen kann. 

Sie wissen beide, dass sie das nicht überleben werden und finden nur Trost darin, dass niemand von ihnen ohne den anderen leben muss. Ophelia verabschiedet sich von Lucien und stellt sich der Omni. Diese scheint ihren Plan zu erkennen und Ophelia verliert wegen des Virus ihr Bewusstsein. 

Im Epilog sind Lucien und Ophelia in einer einsamen Hütte am Strand. Sie haben beide überlebt, wenn auch nur knapp. Die Omni hat Ophelia das Leben gerettet und ist dabei selbst zu Grunde gegangen. Sie haben gewonnen. 

Jetzt, da ich versucht habe, die ganze Handlung zu rekapitulieren, ist mir erst aufgefallen, wie viel in diesem Buch eigentlich passiert. Sehr viel, wie man sieht. Deswegen kann man das Buch auch nie aus der Hand legen, weil man kaum durchatmen kann, bevor schon das nächste große Geheimnis gelüftet wird. 

In den letzten Kapiteln habe ich tatsächlich geglaubt, dass Ophelia und Lucien jetzt sterben werden. Der Abschied, den die beiden voneinander nehmen, hat mich zum Weinen gebracht. Genauso wie der Epilog, weil es zunächst so wirkt, als wären sie zusammen im Jenseits und nicht in einer Hütte am Meer. Das Buch bleibt bis zur letzten Seite spannend und ist einfach der perfekte Abschluss für diese grandiose Reihe. Ich weiß, dass ich mich auch noch in zehn Jahren an diese Bücher erinnern werde!

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