Rezension: Night of Crowns. Spiel um dein Schicksal von Stella Tack

Rezension auf einen Blick

Themen: Schach, Fluch, Loyalität
So hat sich das Buch angefühlt: spannend, mysteriös, außergewöhnlich 
Der erste Satz: „Bist du dir sicher, dass wir hier richtig sind?“

Vorwarnung: Der erste Teil dieser Rezension ist frei von Spoilern. Die Informationen, die ich preisgebe, stehen auf den ersten Seiten des Buches oder im Klappentext. Ab dem Absatz mit der Überschrift „Spoilerwarnung“ bespreche ich die vollständige Handlung des Buches. Ab da verrate ich also wichtige Punkte, die ihr vielleicht nicht verraten haben wollt. Also wer das Buch noch ohne Vorwissen lesen will, sollte dort aus dem Text aussteigen.

Ohne Spoiler

Als Alice zur Sommerschule auf das Internat Chesterfield gehen muss, ahnt sie noch nicht, was sie dort erwarten wird. In ihrer High School haben die Schüler immer viel über die zwei Internate der Stadt – Chesterfield und St. Burrington – gerätselt und sich gerne auf die legendären Partys der Internatsschüler geschlichen. Doch sie alle wissen nicht, dass über diesen beiden Internaten, die einst Adelshäuser gewesen sind, ein unbezwingbarer Fluch liegt. Das seltsame Verhalten der Schüler in Chesterfield fällt Alice sofort auf, doch sie ist zu sehr vom charmanten Vincent abgelenkt, als dass sie sich darüber ernsthaft Gedanken machen könnte. Bis sie eines Morgens eine ihrer Mitschülerinnen versteinert im Wald entdeckt. Auf einmal ist alles anders. Welche Seite in diesem Spiel um Liebe und Tod wird sie einnehmen?

Es ist sehr schwierig, zu beschreiben, warum dieses Buch so gut ist, wenn man noch nichts von der Handlung vorwegnehmen will. Aber ich werde es nun trotzdem todesmutig versuchen, weil ich jedem, der das Buch noch nicht gelesen hat, es sehr empfehlen kann, und aber auch niemandem die Freude daran nehmen will, die Handlung selbst zu erleben. 

Alice ist die Protagonistin der Geschichte und wird in diese verrückte Situation weniger behutsam hineingeworfen. Sie reagiert darauf, wie es vermutlich jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand tun würde und kann erst mal kaum fassen, was alles mit ihr passiert. Aber auch hier kann ich eigentlich noch nicht wirklich was verraten. Das muss bis zum Spoilerteil dieser Rezension warten. 

Das Tolle an diesem Buch ist die außergewöhnliche Grundprämisse, die mit Schach zu tun hat, mehr will ich dazu aber auch noch nicht verraten. Nur so viel sei gesagt: die Idee ist echt was besonderes und sehr spannend, mitzuverfolgen, weil man als Leser genauso wie Alice erstmal alle Puzzle-Teile zusammensetzen muss, bevor man überhaupt versteht, was da alles abgeht. 

Auch die Charaktere ziehen in die Geschichte hinein. Es sind sehr viele und ich habe eine Weile gebraucht, um sie mir merken zu können. Vermutlich habe ich mir auch nicht alle gemerkt, aber ein paar stechen heraus und zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass meistens sehr viel mehr dahintersteckt, als man zunächst vermutet hat. Alice hat keine Ahnung, wem sie vertrauen darf und ist sich bei vielen auch nicht sicher, ob sie ihr wirklich zeigen, wer sie sind. Bei vielen der Nebencharaktere freue ich mich jetzt schon darauf, wie sie sich in Band zwei der Reihe noch entwickeln werden und wer sich vielleicht dann doch noch als jemand ganz anderes entpuppen wird. 

Neben der guten Idee und der spannenden Handlung war es vor allem der Schreibstil, der so viel Spaß gemacht hat. Stella Tack hat einen außergewöhnlichen Humor und bringt einen trotz der großen Gefahren, die ihre Charaktere durchleben müssen, immer wieder zum Lachen. Egal, wie viel Schlimmes passiert, das Buch erzählt auch eine herzliche Geschichte voller Freundschaft, Liebe und wirklich rührenden Momenten, die sich mit den Actionen-Szenen gut abwechseln. Dieses Buch ist auf jeden Fall schon jetzt eines meiner Jahreshighlights und ich kann es kaum erwarten, auch den nächsten Teil zu lesen. 

Spoilerwarnung

So, endlich kann ich frei atmen und muss nicht bei jedem Buchstaben, den ich tippe, Angst haben, was zu verraten. Wer ab hier weiterliest, ist selbst Schuld, wenn er was verraten bekommt, das er eigentlich gar nicht wissen wollte. Ich weise alle Schuld von mir!

Alice’ Geschichte beginnt, als ihre beste Freundin sie zu einer Party der St. Burrington Schüler in einen Wald schleift. Am Anfang hat sie sogar ein bisschen Spaß, bis sie einem Internatsschüler namens Hawkins dabei helfen will, Getränke zu holen. Vor dem Schultor sieht sie auf einmal überall Spinnen und eine weiße Katze redet mir ihr und stellt sich als Curse vor. Als Hawkins zu ihr zurückkehrt, ruft er ihr zu, zu verschwinden und niemals wieder zu kommen. Panisch rennt sie aus dem Wald.

Sechs Monate später sieht sie noch immer, egal, wohin sie auch blickt, schwarze Spinnen. Sie verliert zwar nicht mehr die Nerven, aber sie hat Angst, dass sie den Verstand verliert. Ihre Noten sind schlecht geworden und auch beim Cheerleader Training verletzt sie sich fast. Ein Junge, den sie auch bei der Party im Wald gesehen hat, begegnet ihr und spricht mit ihr. Doch sie ist die Einzige, die ihn sehen kann. Ihre Mitschüler halten sie für psychisch labil und sie soll die Sommerschule in Chesterfield besuchen, um nicht sitzenzubleiben. 

Dort angekommen, fällt ihr sofort auf, dass sie Schüler, die über den Sommer dort sind, etwas zu verbergen haben. Doch Vincent lenkt all ihre Aufmerksamkeit auf sie. Sofort fühlt sie sich zu ihm hingezogen. Dort begegnet ihr auch wieder die weiße Katze Curse, der sie Fragen über die Spinnen stellt, die sie, sobald sie auf dem Schulgelände ist, auf einmal nicht mehr verfolgen. Curse hat mich total an die Tiercharaktere in Disney Filmen erinnert wie Mushu aus Mulan. Er ist auf jeden Fall mein Liebling. Er ist sehr witzig, aber er hat auch Informationen zu den seltsamen Dingen, die auf der Schule abgehen. 

Nachts laufen sie beiden zum Wald und die Katze teilt ihr mit, dass Alice die Antworten auf ihre Fragen erfahren wird, wenn sie in den Wald geht. Er rät ihr aber davon ab. Da Alice aber inzwischen auch noch verblüffend realistische Träume hat, läuft sie in den Wald und findet eine ihrer Mitschülerinnen dort versteinert vor. Als sie sie berührt, erscheint auf einmal ein Zeichen auf ihrem Arm auf. Wie aus dem Nichts taucht ein Mädchen auf, dass ihr mitteilt, dass sie nun Teil des Spiels ist und sie angreift. Vincent rettet sie und auch das Mädchen, das sie angegriffen hat, versteinert. 

Nun ist Alice selbst Teil des Fluches und des Spiels, und sie erhält einige Antworten. Ein Fluch zwingt Nachfahren der St. Burrington und Chesterfield Familie, sich in diesem Spiel um Leben und Tod zu bekämpfen. Es ist wie ein Schachspiel. Jeder Schüler ist eine Figur auf dem Schachbrett, jede Position im Spiel hat eigene Fähigkeiten. Der Chef ist der jeweilige König. Vincent ist der weiße König. Und das Spiel endet erst, wenn einer der Könige stirbt. Die anderen Spielfiguren können im Laufe des Spiels versteinern. Noch nie wurde ein Spieler aus dieser Erstarrung befreit. 

Vincent erklärt, dass die schwarze Seite, also St. Burrington, ihre Feinde sind und Alice eine ganz besondere Spielfigur, der Slave. Noch nie hat es einen gegeben und dieses Spiel gibt es seit mehreren Jahrhunderten. Was genau Alice also alles kann, ist unbekannt. Sie wissen nur, dass sie jeden Platz im Spiel einnehmen und sogar die Seiten wechseln kann, was Alice auf keinen Fall will. 

Doch auch St. Burrington und der schwarze König Jackson sind an ihr interessiert. Ihn kennt sie schon. Sie hat mit ihm gesprochen, als nur sie selbst ihn sehen konnte. Da sie nicht freiwillig die Seiten wechselt, lässt er sie mit dem Gift der schwarzen Königin vergiften, als sie gerade Vincent küsst. Die weiße Seite muss sie rausrücken oder sie stirbt ohne das Gegengift. Sie muss eine versteinerte schwarze Figur anfassen und wechselt die Seiten. 

Erst will sie nicht dort sein und ist fest entschlossen, zu Vincent zurückzukehren. Doch die Schüler von St. Burrington machen ihr klar, dass Vincent sie mit seinen Fähigkeiten nur kontrolliert und benutzt hat. Sie will es nicht einsehen und Jackson ausstehen, kann sie schon gar nicht. Die beiden streiten sich nur. Doch Alice lernt auch hier Menschen kennen, die sie gut leiden kann. Und langsam akzeptiert sie ihre Rolle dort. 

Im Wald werden sie und Jackson von den weißen Spielern angegriffen und sie erkennt, dass die Menschen, die sie für ihre Freunde gehalten hat, ohne Rücksicht gegen sie vorgehen und Vincent sie tatsächlich mit seinen Fähigkeiten hörig gemacht hat. Mit Curse’ Hilfe können Alice und Jackson sich retten und sie erkennt, dass Jackson doch nicht so schlimm ist, wie Vincent ihr versucht hat, weiß zu machen. 

Als die schwarze Königin, die Alice’ treue Freundin geworden ist, entführt wird, ist sie fest entschlossen, ihr zu helfen. Sie soll sich in Chesterfield einschleusen und ihr helfen. Sie wechselt dafür wieder in eine weiße Spielfigur. Jackson vertraut ihr, lässt ihr aber auch die Entscheidung, auf welcher Seite sie danach stehen will. Sie geht, wird aber sofort bei ihrer Ankunft entdeckt und zu Vincent geschleppt. Dort tauchen dann auch Jackson und andere schwarze Spieler auf und ein erbitterter Kampf bricht aus, in dessen Verlauf Alice Vincent einen Dolch ins Herz rammt. Sie denkt, das Spiel sei beendet, doch da sie in diesem Moment eine weiße Spielfigur war, kann sie ihn nicht töten. Das Spiel ist noch nicht beendet. 

Auch erkennt sie in diesem Moment das Ausmaß der Kontrolle, die Vincent über sie hatte. Dass die schwarze Königin entführt werden konnte, war allein ihre Schuld, und sie konnte sich nicht einmal daran erinnern, Vincent geholfen zu haben. 

Während ihres Aufenthalts in den Internaten hatte sie immer wieder Träume von den Vorfahren der beiden Seiten und davon, wie der Fluch zustande kam. Damit hat sie auch Tipps bekommen, wie sie den Fluch brechen kann. Es gibt anscheinend noch einen zweiten Slave wie sie, den sie finden muss, um den Fluch aufheben zu können. Doch sie weiß, dass Jackson sie niemals gehen lassen würde, weil er den Plan für verrückt halten würde und nicht ohne sie sein will. Als er sie am Spielfeldrand abfängt, verletzt sie ihn mit hasserfüllten Worten, damit er sie gehen lässt. Sobald sie das Spielfeld hinter sich gelassen hat, kann er ihr nicht mehr folgen. Er fleht sie an, zu bleiben, doch sie geht. Sie will den Fluch aufheben. Und dafür muss sie ihn zurücklassen. 

Mit Jacksons verzweifelten Rufen nach Alice endet das Buch. Ich bin so gespannt, wie Alice beide Seiten retten wird und ob Jackson ihr wird vergeben können, obwohl sie ihn nicht einmal in ihren Plan eingeweiht hat. Er muss! Denn ich bin definitiv #TeamJackson!

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