Rezension: Someone Else von Laura Kneidl

Rezension auf einen Blick 

Themen: beste Freunde, Cosplay, Tolkien
So hat sich das Buch angefühlt: gemütlich, nervös, vertraut
Der erste Satz: „Liebe Cassandra, wir freuen uns, dass du Teil der diesjährigen SciFaCon sein wirst.“

Vorwarnung: Der erste Teil dieser Rezension ist frei von Spoilern. Die Informationen, die ich preisgebe, stehen auf den ersten Seiten des Buches oder im Klappentext. Ab dem Absatz mit der Überschrift „Spoilerwarnung“ bespreche ich die vollständige Handlung des Buches. Ab da verrate ich also wichtige Punkte, die ihr vielleicht nicht verraten haben wollt. Also wer das Buch noch ohne Vorwissen lesen will, sollte dort aus dem Text aussteigen.

Ohne Spoiler

Cassie und Auri sind Mitbewohner, beste Freunde und haben die gleiche Begeisterung für Fantasyliteratur und Cosplay. Es gibt keinen Menschen auf der Welt, in dessen Nähe sich Cassie wohler fühlt. Doch sie glaubt nicht, dass mehr aus ihr und Auri werden könnte, auch wenn sie sich das manchmal wünscht. Während sie nur wenige Freunde hat, lieber eine Serie guckt als was zu unternehmen und fremde Menschen sie sehr nervös machen, ist Auri ein Footballstar an ihrer Uni. Dann ist er auf einmal nicht mehr ihr Auri, sondern Maurice Remington. Er hat viele Bekanntschaften und geht gerne mit seinen Freunden aus. Und obwohl die beiden sich zueinander hingezogen fühlen, befürchtet Cassie, dass die Dinge, die sie verbinden, nicht so stark sind, wie die Dinge, die sie voneinander trennen. 

Was mir an diesem Buch so gut gefallen hat, war, dass Cassie irgendwie anders war, als die Protagonisten, die ich in letzter Zeit so gewöhnt war. Cassie lässt sich von vielem verunsichern. Unter fremden Menschen fühlt sie sich unwohl, sie hat ständig Angst, etwas Peinliches zu sagen und hält sich lieber im Hintergrund. Nur bei wenigen Menschen kann sie wirklich aufblühen. Sie liegt lieber abends auf der Coach als zu einer Party zu gehen, wo sie ohnehin keinen Spaß haben wird. Und es gibt keinen Grund, warum sie das ändern sollte. 

Deswegen hat sich Cassie so realistisch angefühlt. Ihre Probleme sind ganz alltäglicher Natur. Wir begleiten sie nicht, wie sie sich in einen Filmstar oder Prinzen verliebt oder große Abenteuer besteht. Das Buch hat mir, glaube ich, so viel Spaß gemacht, weil ihre Geschichte sich so realistisch und echt angefühlt hat. Sie verliebt sich in ihren besten Freund und macht die Gefühlsachterbahn mit, die damit verbunden ist. Ihre Geschichte könnte auch jedem Leser passieren und das finde ich so schön daran. 

Das war aber vielleicht auch der Grund, warum ich kleine Startschwierigkeiten mit dem Buch hatte. Am Anfang ist mir zu wenig passiert. Oder eben zu wenige Dinge, die weltbewegend und dramatisch sind. Aber sobald ich mich in die Geschichte eingefunden hatte, hat mir genau das super gut gefallen. Weil sich Cassies und Auris Beziehung langsam entwickelt und es war wunderschön, das beobachten zu können. 

Genauso wie Cassie muss man auch Auri lieben. Er ist so lieb zu Cassie und obwohl er seine Fehler hat, wäre ich selbst super gerne mit ihm befreundet. Das gilt auch für die restlichen Charaktere. Alle ihre Freunde sind wundervolle Menschen, mit sehr realistischen Problemen, mit denen man sich als Leser sehr einfach identifizieren kann. 

Dieses Buch ist perfekt für einen gemütlichen Abend Zuhause geeignet, wo man sich dann ein bisschen so fühlt wie Cassie. Es macht gute Laune und lässt einen mit einem breiten Grinsen zurück. 

Spoilerwarnung

Das große Problem, was Cassie und Auri die größte Zeit der Handlung auseinanderhält, ist fehlende Kommunikation. Eigentlich ist von Anfang an klar, dass die beiden sich lieben und sich zueinander hingezogen fühlen. Doch keiner artikuliert seine Gefühle, und beide haben Angst, ihre Freundschaft aufs Spiel zu setzen, wenn sie ihren Gefühlen nachgehen. 

Auch macht sich Cassie immer zu viele Gedanken. Immer wenn etwas mit Auri vorgefallen ist, geht sie davon aus, dass es ihm überhaupt nichts bedeutet hat. Jede Geste und jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt, was zur Folge hat, dass die beiden sich nicht näherkommen können. 

Als sie sich beim Badesee fast küssen, ist es erst einmal sehr seltsam zwischen den beiden und sie gehen sich aus dem Weg. Das machen sie gerne, wenn es darum geht, ihre Gefühle voreinander zu verstecken. Beide weichen schwierigen Situationen lieber aus, als sie zu klären. Was sie dann nach einigen Tagen Funkstille dann doch irgendwie auf die Reihe bekommen. 

Doch das Leugnen ihrer Gefühle ist nicht das Einzige, was zwischen ihnen steht. Cassie ist immer wieder verletzt, weil Auri vor anderen Menschen immer wieder das Hobby, was die beiden so verbindet, verleugnet. Auf dem Flohmarkt gibt er vor einem Kumpel nicht zu, dass die beiden sich zusammen ein Herr der Ringe Buch gekauft haben. Als seine Freunde bei ihm Zuhause ein Football-Spiel zusammen gucken, hat er vorher schnell alle Bastelsachen und Bücher der beiden versteckt und macht sich über den Spitznamen lustig, den Cassie ihm gegeben hat. 

Als er ihr erklärt, dass ihm Cosplay vor seinen Teamkollegen peinlich ist, vergibt ihm Cassie und alles scheint wieder im Reinen zu sein. Sie fahren zusammen mit Micah und Julian auf eine Fantasy Convention und haben eine tolle Zeit. Dort treffen sie Micahs Erzfeind Luca. Als mir klar geworden ist, dass es der Luca von „Berühre mich. Nicht“ ist, habe ich vor Freude fast aufgeschrien. Er und seine Schwester April haben einen kleinen Gastauftritt in diesem Buch und ich habe mich riesig gefreut.

Cassie und Auri teilen sich ein Hotelzimmer auf der Convention und sie küssen sich. Cassie ist auf Wolke sieben. Doch am nächsten Morgen verzieht sich Auri aus dem Hotelzimmer und sofort rechnet sie wieder mit dem Schlimmsten und denkt, er bereue es. Wieder sehr typisch Cassie. 

Doch natürlich ist es nicht so. Auri sagt ihr das Gott sei Dank auch. Die beiden gestehen sich endlich ihre Gefühle und werden ein richtiges Paar. Endlich! 

Und genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn sie fahren jetzt zusammen zu der Hochzeit von Auris Mutter, was Cassie wieder schrecklich nervös macht, weil sie natürlich unbedingt will, dass Auris Familie sie leiden kann. Und das tun sie. Die beiden verbringen ihre erste gemeinsame Nacht miteinander.

Aber natürlich kann es nicht einfach so schön bleiben. Beim Familienfrühstück macht sich ein Cousin von Auri über Cosplayer lustig und als er herausfindet, dass Cassie auch eine ist, beleidigt er sie sogar. Und Auri verteidigt sie nicht. Das ist Cassie zu viel. Es ist eine Sache, dass er nicht zu ihrem gemeinsamen Hobby stehen kann, doch eine ganz andere, dass er ihr keinen Rückhalt gibt. Sie hat das Gefühl, dass sie sich nicht auf ihn verlassen kann und verschwindet. 

Bei ihrem besten Freund Lucien kommt sie für einige Tage unter und ignoriert Auri, der versucht, sie zu erreichen. Doch sie will ihn gerade nicht sehen. Einige Tage vergehen, bis Auri auf seiner Instagram-Seite, die eigentlich Football gewidmet ist, ein Bild von den beiden postet. Und dann noch eins, das sie dabei zeigt, wie sie sich für eine Cosplay Veranstaltung zusammen fertig machen. (Die Bilder sind gezeichnet im Buch und sehen super aus!) Er offenbart vor allen seinen Followern sein Hobby. Das erweicht Cassie dann doch. 

Ein drittes Foto zeigt wieder die beiden zusammen mit der Zeile „R.I.P. Tolkien“. Bevor sie sich gestritten hatten, wollten sie gemeinsam einen Herr der Ringe Filmmarathon besuchen und Cassie erkennt darin eine Einladung an sie. Sie kommt und die beiden schauen sich alle drei Filme an. Danach setzen sie sich zusammen und reden über ihre Beziehung. Auri macht ihr eine herzerwärmende Liebeserklärung und die beiden sind wieder zusammen. Im Epilog schenkt er ihr auch noch zwei Katzen. Also ein besseres Happy End gibt es wohl nicht!

Schreibe einen Kommentar