Schreibtipps: How to Plot a Book

1. Schritt: Die Idee

Es ist diese eine Idee, mit der alles angefangen hat. Vielleicht ist es ein Charakter. Vielleicht eine Szene, ein Geruch, ein Ort, ein Lied. Die erste Idee, aus der irgendwann eine ganze Geschichte wächst. Damit fängt das Plotten letztendlich an. Damit aus dieser einen Idee viele werden, hilft es oft, sie zu visualisieren. Ich lege mir eine Spotify Playlist an, die die Stimmung der Idee transportiert und eine Pinterest-Pinnwand. Alle Ideen, die mir kommen, schreibe ich in ein Notizbuch. Dieser Schritt dauert meist am längsten – zumindest bei mir. Eine Idee muss erst wachsen, bevor sie groß genug ist, um sie eine Handlung nennen zu können. Sobald einige Seiten im Notizbuch bedeckt sind, geht es einen Schritt weiter.

2. Schritt: Brainstorming

Ein paar Schnipsel sind gesammelt. Man weiß ungefähr, was man erzählen will. Viel muss man aber noch nicht wissen. Dafür ist das Brainstorming da. Man braucht aber gleichzeitig auch schon genug Gedanken, sonst kommt man beim Brainstorming nicht weit. 

Jeder hat eine andere Taktik beim Brainstorming. Ich nutze am liebsten mein Kork-Board. Ich nehme ganz viele Zettel und Stifte zur Hand und pinne die wichtigsten erstmal in die Mitte. Wer ist der Protagonist? Was ist seine Entwicklung? Wo steht er am Anfang der Handlung, wo am Ende? Wie entwickelt er sich? Welche Charaktere brauche ich drum herum noch, damit die Geschichte funktioniert? Was sind die wichtigsten Ereignisse? Welche Orte sind relevant? All das pinne ich hin und kann dann gut vor mir sehen, was mir vielleicht noch fehlt.
In meinem Blogpost dazu, wie man erste Ideen entwickelt, gehe ich darauf noch intensiver ein. Das könnt ihr hier nachlesen: 

3. Schritt: Der Zeitstrahl

Sobald die wichtigsten Fragen beantwortet sind, geht es an die Chronologie. Viele Autoren schreiben auch einfach drauf los oder haben nur einen groben Plan, wenn sie loslegen. Da hat jeder eine andere Taktik und auch ich gehe oft unterschiedlich vor. Aber hier gehe ich mal auf meine Vorgehensweise ein, die besonders durchgeplant ist. 

Ich habe Zettelchen in verschiedenen Farben vor mir und jeder Farbe wird ein Handlungsstrang zugeordnet. Natürlich hat ein Buch einen Handlungsstrang, der am wichtigsten ist, aber meistens gibt es eben noch Nebenschauplätze, die wichtig sind. Zum Beispiel geht es im Haupthandlungsstrang darum, die Welt zu retten. Alle Handlungspunkte, die damit zusammenhängen, schreibe ich auf die blauen Zettelchen. Aber der Protagonist verliebt sich auch noch. Alle Handlungspunkte, die mit seiner Liebesgeschichte zusammenhängt, stehen auf den pinken Zetteln. Auch hat der Protagonist Probleme mit seiner Familie. Das sind die grünen Zettelchen. Und seine Freunde haben ihre eigenen Sorgen. Diese stehen auf den gelben Zettelchen und so weiter. 

Mir hilft das beim Planen sehr, weil ich dann genau sehen kann, wenn ich zu lange von der Haupthandlung abdrifte. Hat man diese Zettelchen in den verschiedenen Farben, kann man sicher gehen, dass alle Handlungsstränge häufig genug vorkommen und auch keiner zu lange unerwähnt bleibt, dass der Leser quasi schon wieder vergessen hat, was da vor sich gegangen ist. 

Auf diese Zettelchen schreibe ich nun die Ereignisse, die ich geschehen lassen will. Wie detailliert man da wird, kann man selbst entscheiden. Man kann nur die wichtigsten Ereignisse darauf schreiben oder gleich jede Szene, die man schreiben will. Ich schreibe meist alles drauf. Wenn ich schon plane, dann plane ich auch alles. 

Sobald ich die Zettelchen beschriftet habe, hefte ich sie an das Board. Ich kenne am Anfang vom Schreiben meist die erste und die letzte Szene und plane von diesen beiden Enden, bis ich auch den Mittelteil gefüllt habe. Ich kann nicht schreiben, ohne zu wissen, wo ich hinwill, aber da ist auch jeder anders. Diesen Zeitstrahl fertig zu stellen, dauert bei mir mehrere Tage, wenn nicht sogar Wochen. Also wenn Lücken bleiben, darf man sich davon nicht entmutigen lassen. Und bleiben ein paar Lücken eine gefühlte Ewigkeit, hilft es auch, einfach mal loszuschreiben. Beim Schreiben finden sich meist viele neue Ideen, die einem vorher nie eingefallen wären.

4. Schritt: Ein Dokument anlegen

Ich schreibe in Scrivener. Das ist ein Schreibprogramm, das es einem ermöglicht, seine Ideen zu sortieren und den Text in viele kleine aufzuteilen. Dort lege ich Ordner für jedes Kapitel an. Nun entscheide ich, welche Szenen in ein Kapitel gehören und wo ein guter Übergang ins Nächste ist. Manche schreiben sehr lange Kapitel, manche sehr kurze. Das hat auch was mit Geschmack zu tun. 

Ich lege die einzelnen Szenen an, die ich zuvor auf dem Board mit einem Stichwort gekennzeichnet hatte. Bei Scrivener gibt es auch ein Notizfeld, dort schreibe ich meist alle meine Gedanken, die ich schon zu dieser Szene habe, auf. Dann kann ich immer darauf zugreifen, wenn ich schreibe und muss nicht in meinen tausend Notizbüchern danach suchen, was ich dazu aufgeschrieben habe. 

Bei diesem Schritt fallen einem auch noch weitere Lücken oder Logikfehler auf, die man noch gut füllen kann. Auch die Szenen lassen sich einfach verschieben, falls man mit der Reihenfolge noch nicht ganz zufrieden ist. 

5. Schritt: Kurz vorm Schreiben

Für mich gehört noch ein kleiner Schritt zum Plotten, bevor ich beginne, die Szene zu schreiben. Das mache ich noch nicht lange, aber es hilft mir sehr, meine Gedanken zu fokussieren, weil ich ein sehr impulsiver Schreiber bin, der meist einfach schreibt, ohne währenddessen richtig darüber nachzudenken. Deswegen hilft es mir davor, dem ganzen eine Richtung zu geben. 

Dazu nehme ich mir ein Notizbuch oder ein Heftchen und schreibe auf, was in der Szene passieren muss. Jede Szene braucht schließlich einen Berechtigungsgrund. Wenn sie der Handlung nicht dient, muss sie raus. Also schreibe ich mir auf, warum ich diese Szene brauche und was unbedingt reinmuss. Welche Informationen muss ich dem Leser zukommen lassen und welche Dinge müssen die Charaktere umbedingt sagen oder tun, um die Handlung voranzutreiben. Streiten sie, versöhnen sie sich, kämpfen sie. Welcher Ort, welche Charaktere sind beteiligt. Es ist eine Art Steckbrief für die Szene. 

Dieser Schritt dauert meist nur 5-10 Minuten und hilft mir doch gewaltig, weil meine Gedanken eine Richtung habe, bevor ich ihnen beim Schreiben dann auch freien Lauf lasse. 

Fazit

Die Schritte, die ich hier alle aufgezeigt habe, sind nur Vorschläge. Ich befolge sie oft selbst nicht alle. Je nach Geschichte helfen mir auch unterschiedliche Herangehensweisen. Manchmal muss man einfach mal ins Blaue schreiben, um ein richtiges Gefühl für die Charaktere zu entwickeln. Manchmal braucht man einen Plan, weil man auf eine klare Auflösung hinarbeitet und Hinweise wie Brotkrumen im Buch verteilen will. Jeder arbeitet anders. Trotzdem hoffe ich, dass ich mit irgendeinem dieser Schritte jemanden inspirieren konnte. Falls ihr was davon ausprobiert, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir mitteilt, wie es lief. Ich freue mich über jede Nachricht!

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