Rezension: Never too Close von Morgane Moncomble

Rezension auf einen Blick

Themen: Beste Freunde, Missverständnisse, Familie
So fühlt sich das Buch an: zuckersüß, romantisch, traurig
Der erste Satz: „Ich sehe toll aus.“

Vorwarnung: Der erste Teil dieser Rezension ist frei von Spoilern. Die Informationen, die ich preisgebe, stehen auf den ersten Seiten des Buches oder im Klappentext. Ab dem Absatz mit der Überschrift „Spoilerwarnung“ bespreche ich die vollständige Handlung des Buches. Ab da verrate ich also wichtige Punkte, die ihr vielleicht nicht verraten haben wollt. Also wer das Buch noch ohne Vorwissen lesen will, sollte dort aus dem Text aussteigen.

Ohne Spoiler

Violette und Loan sind beste Freunde. Seit sie Silvester zusammen eingeschlossen im Fahrstuhl verbracht haben, sind sie unzertrennlich. Sie sind Mitbewohner, immer an der Seite des anderen, immer füreinander da. Doch ihre Beziehung ist rein platonisch – zumindest bis Violette ihren besten Freund um einen ungewöhnlichen Gefallen bittet. Loan soll mit ihr schlafen, damit sie ihr erstes Mal mit einem Menschen verbringen kann, dem sie uneingeschränkt vertraut. Und da fällt ihr Loan ein und nicht Clément, mit dem sie eigentlich ausgeht. Loan ist erst alles andere als begeistert. Doch Violette lässt nicht locker und er willigt ein. Es ist schließlich nur dieses eine Mal, oder?

Erstmal muss ich sagen, dass es mir sehr viel Spaß gemacht hat, mal einen New Adult Roman zu lesen, der nicht in Amerika oder England spielt. Paris als Standort hat mir sehr gut gefallen. Genauso wie die wunderschönen französischen Namen, die diesen Roman natürlich gleich viel romantischer machen. 

Nicht, dass der Roman nur wegen der Stadt der Liebe romantisch wäre. Das Buch ist super romantisch, manchmal sogar kitschig, was aber nicht negativ gemeint ist. Kitsch kann wunderschön sein, wenn er gut gemacht ist. Und das ist er in diesem Buch auf jeden Fall. Loan und Violette sind ab der ersten Sekunde, die man sie kennenlernt, zuckersüß miteinander, dass man sich als Leser nur fragen muss, warum sie nicht schon längst zusammen sind. Diese Frage stellt man sich beim Lesen immer mal wieder, und das wäre auch mein größter Kritikpunkt. 

Oft habe ich mir gedacht, dass doch jetzt eigentlich der perfekte Moment wäre, dass die beiden endlich zueinander finden, doch dann fiel mir auf, dass ich noch über 100 Seiten lesen muss. Die Geschichte der beiden quält den Leser immer mal wieder gerne. Was auch nichts Schlechtes ist. Das Buch ist unterhaltsam, romantisch und man verfällt ins Schwärmen – genau wie es sich für einen New Adult Roman gehört. Doch an manchen Stellen haben mich die beiden dann doch in den Wahnsinn getrieben. Ab der ersten Seite war klar, dass sie füreinander geschaffen sind, und dann haben sie es sich selbst und den Lesern doch noch so schwer gemacht. 

Aber egal, wie sehr die Charaktere mich manchmal in den Wahnsinn getrieben haben, sie sind auch der Grund, warum ich das Buch so gerne gelesen habe. Violette, Loan und ihre Freunde fühlen sich sehr realistisch an. Die Autorin hat es geschafft, sie sehr vielschichtig zu gestalten. Sie haben ihre kleinen Ticks und Angewohnheiten, die sie so richtig menschlich machen. Und gleichzeitig auch sehr liebenswert. Violette ist aufgedreht, plappert viel und ist ein kleines Energiebündel, das immer zu spät kommt. Loan ist der ausgeglichenere der beiden, er lächelt ein bisschen zu selten, kann sich über Violette aber immer amüsieren. Die beiden ergänzen sich optimal. Genauso wie ihre Freunde. Auch die Nebencharaktere sind so sympathisch, dass man sich immer wieder wünscht, auch mit ihnen befreundet zu sein. 

Alles in allem würde ich sagen, dass es ein Buch für Romantiker ist. Leuten, die Liebeserklärungen oft als zu dick aufgetragen empfinden, würde ich das Buch nicht empfehlen. Allen anderen schon. Denn die Geschichte ist zu sympathisch und macht zu gute Laune, um sie nicht zu lesen. 

Spoilerwarnung

Violette ist noch Jungfrau, will es aber nicht mehr sein. Schon ihr Ex-Freund hat sich daran gestört und mit dem attraktiven Clément soll es anders verlaufen. Also will sie die Sache lieber erledigt haben, bevor sie mit ihm schläft. Sofort denkt sie dabei an Loan. Wer wäre besser geeignet als ihr bester Freund?

Nachdem sie ihn gefragt hat, ist Loan erst einmal strikt dagegen. Das liegt zum einen daran, dass er Violette als seine beste Freundin auf keinen Fall verlieren will, aber auch daran, dass seine Trennung mit Lucie noch nicht so lange her ist. Loan ist mit der Situation überfordert. Und dass er sich zu Violette körperlich hingezogen fühlt, macht es auch nicht gerade einfacher. 

Schließlich gibt er nach. Die beiden schlafen miteinander. Und auf einmal ist alles anders. Auf einmal können sie nicht mehr leugnen, dass zwischen ihnen mehr ist als nur Freundschaft. Vielleicht schon immer mehr zwischen ihnen war. Das Drama nimmt seinen Lauf. 

Was ich sehr interessant fand, war Violettes Verhältnis zu ihrer Mutter. Sie hat jahrelang ihren Vater betrogen und dann Violette für eine neue Familie verlassen. Violette betrügt nun Clément mit Loan, was sie in eine dunkle Spirale hinabstößt. Dieser Handlungspunkt war sehr interessant, weil ihre eigene komplizierte Beziehung sie dazu gebracht hat, sich mit ihrer Mutter auseinanderzusetzen. Dieser Handlungspunkt war mir ein bisschen zu schnell wieder aufgelöst. 

Sie trifft nur einmal auf ihre Mutter, mit der sie kaum spricht, und auch dass sie Clément betrogen hat, ist auf einmal nicht mehr schlimm, weil er ein Arschloch ist, das ihr auch noch ihr Vorstellungsgespräch bei ihrem Traumjob versaut. Dass er dann zum Bösewicht wurde, hat natürlich ihre moralische Schuld gelindert, doch das fand ich schade. Es hätte mich gefreut, wenn sie sich noch mehr damit auseinander gesetzt hätte. Nicht, weil ich will, dass sie sich für einen schlechten Menschen hält. Sondern damit sie realisiert, dass jeder Mensch Fehler macht und das auch in Ordnung ist. Von diesem Handlungsstrang hatte ich mir mehr erwünscht. 

Aber was mir hier an Charakterentwicklung ein bisschen gefehlt hat, hatte Loan um so mehr. Lucie, seine Ex-Freundin, wurde im Gegensatz zu Clément nicht zu einem schlechten Menschen. Sie war ein netter Mensch, mit dem Loan vielleicht noch zusammen wäre, wenn Violette nicht aufgetaucht wäre. Lucie hatte Loan aus Eifersucht auf Violette verlassen, mit der Loan befreundet war. Damals hat Loan es nicht verstanden. Doch im Laufe der Handlung sieht er ein, dass er sich schon damals in seine beste Freundin verliebt hat, obwohl er noch in einer Beziehung war. Diese Realisation, zu der Loan nach und nach kommt, hat mir sehr gut gefallen. Auch, wie er mit Lucie auseinander gegangen ist und alles geklärt hat. So eine positive Trennung habe ich vermutlich noch in keinem Buch gelesen, und das hat mich sehr gefreut. 

Aber auch bei Loan hätte ich mir gewünscht, dass ein Handlungsstrang mehr Zeit bekommen hätte. Nämlich sein Verhältnis zu seiner paranoid schizophrenen Mutter. Nur einmal trifft er auf sie und das Problem wird nur präsentiert und nicht angegangen. Erst im Epilog wird in einem Nebensatz erwähnt, dass sie endlich in einer Klinik untergebracht ist, wo ihr geholfen wird. Das hätte ich gerne als Leser mehr miterlebt. 

Doch all diese Kritikpunkte wiegen nicht zu schwer, denn letztendlich sind wirklich Violette und Loan und ihre Beziehung zueinander der Fokus der Geschichte. Es geht um die beiden, wie sie umeinander und ihre Gefühle herumtänzeln und sie erst viel zu spät aussprechen und wahrhaben wollen. Es gibt viel Drama. Aber sind wir mal ehrlich, warum lesen wir so gerne New Adult? Wegen dem Drama natürlich!

Und demnächst erscheint auch noch der zweite Teil der Reihe! Da geht es dann um Jason und Zoe, und ich freue mich schon sehr auf ihre Geschichte. Die beiden waren die lustigsten Charaktere, deswegen kann ein Buch über die beiden nur humorvoll werden! 

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