Rezension: Show me the Stars von Kira Mohn

Rezension auf einen Blick

Themen: Leuchtturm, Auszeit, Bloggen
So hat sich das Buch angefühlt: atmosphärisch, irisch, verliebt
Der erste Satz: „An fast jedem Schreibtisch in dem offenen Großraumbüro der Globus-Redaktion wenden sich mir die Gesichter zu, als ich an diesem Vormittag beschwingt die Tür zu Jan Brehmers Besprechungsraum hinter mir schließe.“

Vorwarnung: Der erste Teil dieser Rezension ist frei von Spoilern. Die Informationen, die ich preisgebe, stehen auf den ersten Seiten des Buches oder im Klappentext. Ab dem Absatz mit der Überschrift „Spoilerwarnung“ bespreche ich die vollständige Handlung des Buches. Ab da verrate ich also wichtige Punkte, die ihr vielleicht nicht verraten haben wollt. Also wer das Buch noch ohne Vorwissen lesen will, sollte dort aus dem Text aussteigen.

Ohne Spoiler

Liv braucht ganz dringend eine Auszeit. Sie hatte eigentlich geglaubt, dass sie als Journalistin endlich richtig Fuß gefasst habe. Doch ein verpatztes Interview später liegt ihr Leben in Scherben. Da klingt die Aussicht, sechs Monate allein auf einer kleinen Insel einen Leuchtturm zu beaufsichtigen, gar nicht mehr so einsam, sondern genau richtig. Doch ganz so einsam wird es dann doch nicht. Denn gleich am Flughafen holt sie Kyer ab. Der gutaussehende Ire bringt ihr Herz nicht nur zum höher schlagen, sondern schließlich auch zum Brechen. 

Was Kira Mohn wirklich ausgezeichnet kann, ist Beschreiben. Wenn man dieses Buch liest, hat man danach das Gefühl, tatsächlich in Irland gewesen zu sein. Ihre Beschreibungen sind unglaublich bildlich und kreieren eine tolle Atmosphäre. Der Wunsch, Irland zu bereisen, ist nach dem Lesen dieses Buches, kaum noch zu bändigen. Wirklich die beste Werbung, die das Land jemals hatte. Und das liegt wirklich nicht nur an den tollen Männern, die Kira Mohn beschreibt. Wirklich nicht. Obwohl die gutaussehenden und schwer zu durchschaubaren Iren natürlich auch nicht schaden.  

Liv ist ein eher einsamer Mensch. Sie hat nur eine Freundin und die ist nicht einmal besonders nett zu ihr. Ihre Mutter ist schwierig, um es mal nett auszudrücken. Nur ihr Opa ist echt cool. Vielleicht hat ihr deswegen die Aussicht, alleine auf einer Insel zu sitzen, keine große Angst gemacht. Die Probleme, die sie durchmacht und ihre Gedanken sind wirklich sehr gut nachvollziehbar. Ihre Verzweiflung über ihren Job können vermutlich viele Anfang 20-Jährige nachvollziehen (ich auch, wenn ich ehrlich bin). Und den Drang, bei allem mal auf die Pausetaste zu drücken und sich Zeit zu nehmen, den Kopf wieder neu zu sortieren, kennen bestimmt auch viele. Das macht Liv zu einer Person, mit der man sich leicht identifizieren kann. 

Viele Protagonisten in Büchern handeln so anders als man selbst es tun würde, viele wirken stärker, emotionaler oder schwächer als normale Menschen. Doch Liv fühlt sich wie ein echter Mensch an. Sie verhält sich, wie ich es vermutlich genauso in ihrer Lage getan hätte. Das macht die Geschichte so realistisch und greifbar. 

Und bevor ich jetzt zum Spoilerteil komme, muss ich natürlich auch noch auf Kyer eingehen. Erstmal: Was für ein schöner Name ist das eigentlich? Da war ich eigentlich schon verliebt. Aber Kyer hat natürlich noch weitere Eigenschaften, in die man sich verlieben kann. Abgesehen von seinem guten Aussehen hat er noch eine ruhige Art, die ihn sehr sympathisch macht. Er ist undurchschaubar, aber genau das ist es, was einen dazu zwingt, weiter zu lesen. Und dann ist er auch noch Musiker. Ich glaube, mehr muss gar nicht gesagt werden. 

Das Buch kommt ohne übertriebene, unrealistische oder überdramatische Verwicklungen aus. Es erzählt eine schöne Liebesgeschichte und zeigt, wie Liebeskummer wirklich aussieht. Und es weckt auf jeden Fall den unstillbaren Wunsch, alleine in einen einsamen Leuchtturm zu ziehen und sich dort von einem musikalischen Iren umgarnen zu lassen. Das perfekte Buch für einen regnerischen Abend, wo man sich mit einem Tee an ein Fenster sitzen und sich vorstellen kann, dass man selbst in einem Leuchtturm sitzt und auf sturmumtoste Wellen blickt. 

Spoilerwarnung

In diesem Buch geht es nicht nur um die Liebe. Die Zeit im Leuchtturm ist für Liv auch eine Zeit der Selbstfindung. Sie überwindet ihre Angst vor der Dunkelheit, die auf ein Kindheitstrauma zurückgeht und auch eng mit ihrem schwierigen Verhältnis zu ihrer Mutter verknüpft ist. 

Als sie klein war, hat ihre Mutter sie mal für mehrere Stunden in völliger Dunkelheit eingesperrt. Noch immer bekommt sie Panikattacken, wenn es dunkel ist. Doch sie stellt sich dieser Angst und schafft es, sie langsam zu überwinden. Genauso wie ihren Wunsch, ihrer Mutter zu gefallen, weil sie einsieht, dass sie es ihr niemals wird recht machen können. 

Die emotionalste Szene des Buches war für mich das letzte Telefonat mit ihrer Mutter. Sie erzählt ihr, dass sie sie gar nicht haben wollte. Als Liv sie fragt, warum sie nicht abgetrieben hat, antwortet ihre Mutter einfach: „Dafür war es schon zu spät.“ Dieser Satz hat mir das Herz gebrochen. Die Szene war wirklich stark und man konnte Liv nur bewundern für ihre Stärke.

Aber nicht nur ihre Beziehung zu ihrer Mutter hat ihr emotional viel abverlangt, sondern besonders auch ihre Beziehung zu Kyer. Er ist ein notorischer Frauenheld. Jeder, auf den Liv getroffen ist, hat sie davor gewarnt. Doch weil sie sich in ihn verliebt hat, hat sie das in Kauf genommen. Lieber sie erlebt nur ein bisschen was mit ihm als gar nichts. 

Doch bald erfährt sie, dass wesentlich mehr hinter Kyers undurchschaubarer Fassade steckt. Eigentlich alle Menschen, die ihm jemals etwas bedeutet haben, hat er verloren. Er ist allein. Und scheint nicht mehr zu wissen, wie man es nicht mehr ist. Dass er sich auf Liv einlässt, geschieht nicht einfach von einem Tag auf den anderen. Er macht einen Schritt nach vorne und dann wieder drei zurück. Es ist ein Prozess. Und Liv leidet dabei, aber ist auch nicht ganz bereit, ihn einfach aufzugeben. Und irgendwann ist er dann bereit. Er hat ihr ein Lied geschrieben und singt es ihr vor. 

Da fallen auch die besten Zeilen des ganzen Buches, meiner Meinung nach: „Du musst mich nicht retten. Ich werde es selbst tun.“ Eine wirklich sehr starke Botschaft. Dass man sich nicht auf eine andere Person verlassen muss, einen zu heilen, sondern, dass man das auch selbst schafft. Und dass einem der andere dabei eben zur Seite stehen kann. Deswegen hat mich das Buch wirklich mit einem sehr schönen Gefühl und einem schönen letzten Gedanken entlassen. Liv und Kyer haben ihre Probleme nicht einfach auf magische Weise behoben und ihre Zukunft zusammen wird vielleicht nicht immer einfach sein, aber das heißt noch lange nicht, dass es sich nicht lohnt, es trotzdem zu probieren. 

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