Rezension: Das Reich der sieben Höfe. Flammen und Finsternis von Sarah J. Maas

Rezension auf einen Blick

Themen: Trauma, Eigenständigkeit, Selbstfindung
So hat es sich angefühlt: gebrochen, depressiv, leidenschaftlich
Der erste Satz: „Vielleicht war diese Dunkelheit, diese Zerbrochenheit, schon immer ein Teil von mir gewesen.“

Vorwarnung: Der erste Teil dieser Rezension ist frei von Spoilern. Die Informationen, die ich preisgebe, stehen auf den ersten Seiten des Buches oder im Klappentext. Ab dem Absatz mit der Überschrift „Spoilerwarnung“ bespreche ich die vollständige Handlung des Buches. Ab da verrate ich also wichtige Punkte, die ihr vielleicht nicht verraten haben wollt. Also wer das Buch noch ohne Vorwissen lesen will, sollte dort aus dem Text aussteigen.

Ohne Spoiler

Feyre hat die Ereignisse unter dem Berg überlebt und ist an den Frühlingshof zurückgekehrt. Sie ist wieder bei Tamlin. Eigentlich sollte alles wieder gut sein. Doch sie fühlt sich innerlich gebrochen. Sie plagen Albträume und Schuldgefühle wegen der zwei unschuldigen Leben, die sie nehmen musste, um den Rest von Prythian zu befreien. Und da ist auch noch die Tätowierung auf ihrem Arm, die sie daran erinnert, dass sie noch an Rhysand, den unberechenbaren High Lord des Hofs der Nacht, gebunden ist. Ihre Vereinbarung zwingt sie dazu, Zeit an seinem Hof zu verbringen. Dort erfährt sie einiges über ihn, sich selbst und was Prythian nun bedroht, wo Amarantha geschlagen ist. 

Alle haben mir gesagt, dass der zweite Teil noch so viel besser sein wird als der erste und sie hatten alle Recht! Während ich beim ersten Teil mit vielen Kleinigkeiten ein bisschen unzufrieden war, ging mir das bei diesem Buch überhaupt nicht mehr so. Die Geschichte ist spannend. Aber vor allem hat mich Feyres Entwicklung gefesselt. Sie muss sich nicht nur an ihre Unsterblichkeit gewöhnen und daran, was alles damit verbunden ist. Aber vor allem ist Feyre zu Beginn der Geschichte gebrochen. Sie ist depressiv. Sie ertrinkt in ihren eigenen Gefühlen und weiß nicht, wie sie sich befreien soll. 

Und Tamlin hilft ihr nicht gerade. Er hat Angst, sie herauszulassen. Er beteiligt sie an nichts. Er erzählt nicht, welche Themen ihn beschäftigen, was er tut und er lässt sie ganz sicher nicht mitkommen. Sie fühlt sich eingeengt und nutzlos und malen kann sie auch nicht mehr. Es macht ihr keine Freude mehr. Sie fristet ein freudloses Dasein. Doch das ändert sich mit einem Schlag…

Ich will nicht zu viel verraten, weil dieses Buch wirklich unglaublich toll ist. Ich konnte es nicht weglegen. Es ist voller Action, aber geht auch sehr tief in die menschliche Psyche. In vielen Büchern gibt es starke Charaktere, die alles psychisch immer unbeschadet überstehen. Doch wie Feyre verarbeitet, was sie erlebt hat, ist so viel realistischer und hat mich so mitgerissen, weil ich manchmal schon glaubte, sie könnte sich selbst einfach verlieren. Und auch alles, was sie am Hof der Nacht erlebt, die neuen Charakter, die das Buch einführt – alles einfach toll! Ich bin mal gespannt, ob der dritte Band vielleicht sogar noch besser ist. Da mich dieses Buch so umgehauen hat, kann ich mir das aber nur schwer vorstellen. 

Spoilerwarnung

Tamlin bedrängt Feyre und gibt ihr keine Freiheiten. Sie planen ihre Hochzeit und das einzige, was Feyre darf, ist schicke Kleidung aussuchen und Partys planen. Bei beidem fühlt sie sich schrecklich nutzlos. Und die ganze Zeit hängt das Damoklesschwert über ihr, dass Rhysand sie ja eigentlich holen wollte. Doch es sind drei Monate vergangen und er hat sie noch nicht zu sich an den Hof geholt. 

Und dann ist schließlich der Tag ihrer Hochzeit gekommen. Als sie auf Tamlin zugeht, überkommt sie auf einmal Panik. Sie kann nicht weitergehen. Sie ist wie erstarrt. In ihrem Kopf ruft sie um Hilfe. Und da erscheint Rhysand und nimmt sie mit sich. Pocht darauf, dass es ja sein Recht ist wegen dem Deal, den sie eingegangen sind. In einer Woche wird er sie zurückbringen. 

Feyre will es nicht zugeben, aber Rhysand kam, weil sie um Hilfe gerufen hat. Durch ihren Handel sind sie miteinander verbunden. Sie können den anderen spüren. Rhysand will sie nun trainieren. Er will ihr das Lesen beibringen und auch, ihre Gaben zu trainieren. Auch wie sie ihren Geist vor seinem Eindringen schützen kann. Er reizt sie, doch das ist es, was sie aus ihrer Gefühllosigkeit reißt. 

Er bringt sie zurück. Immer noch darf sie bei Tamlin nicht mitreden. Wieder ein Monat vergeht. Wieder kehrt sie an den Hof der Nacht zurück, wo sie freier atmen kann, weil sie nichts einengt. Sie kann tun, was sie will. Doch sie kehrt wieder zu Tamlin zurück.

Sie erträgt es nicht mehr, eingesperrt zu sein, weil sie merkt, dass sie es kaum aus dem Bett schafft, wenn sie keine Aufgabe hat. Sie will Tamlin bei einer seiner Patrouillen begleiten. Sie will sich seinem Willen, dem sie sich bis jetzt immer gebeugt hat, widersetzen. Doch sie kann das Haus nicht verlassen. Er hat sie eingesperrt, um sie zu schützen, wie er sagt. Doch sie verzweifelt. Sie bekommt eine Panikattacke. Sie fühlt sich, als wäre sie wieder unter dem Berg eingesperrt. Da rettet Rhysand sie. 

Sie kehrt an den Hof der Nacht zurück und darf dort solange bleiben, wie sie will. Rhysand bietet ihr an, für ihn zu arbeiten. Sich ihm anzuschließen, um den drohenden Krieg mit dem König von Hybern abzuwenden oder zu führen. Er bringt sie mit nach Velaris. Einer Stadt, von dessen Existenz fast niemand weiß. Die Stadt ist wunderschön. 

Feyre lernt Rhysands Freunde und engsten Vertrauten kennen. Seine Cousine Mor, seine Waffenbrüder Cassian und Azriel, die genauso wie er schwarze Flügel haben, mit denen sie sich in die Lüfte erheben können. Und die stärkste und angsteinflößendste von ihnen Amren. Feyre entschließt sich, mit ihnen zusammenzuarbeiten. 

Rhysand geht ihr auf die Nerven, aber sie schafft es, die Lethargie abzuwerfen. Sie schickt Tamlin einen Brief, in dem sie ihm mitteilt, dass sie ihn aus freien Stücken verlassen hat und nicht zurückkommen wird. 

Sie und Rhysand wollen die Pläne des Königs von Hybern vereiteln. Er will einen magischen Kessel benutzen, um noch mächtiger zu werden. Es gibt zwei Buchhälften, die den Kessel kontrollieren können. Diese aufzuspüren, wird ihre Aufgabe. 

Feyre trainiert ihre Fähigkeiten. Es stellt sich heraus, dass, als all die High Lords ihr das Leben retteten, ihr auch einen Teil ihrer Kräfte gaben. Weshalb sie viele Kräfte hat, die sie nun zu kontrollieren lernen muss. Sie trainiert mit Rhysand. Cassian bringt ihr das Kämpfen bei. Und mit der ganzen Truppe freundet sie sich an. Sie erkennt, dass sie alle schreckliche Dinge durchgemacht haben und alles füreinander geben würden. Nun auch für Feyre. 

Die Beziehung zu Rhysand wird immer enger. Sie flirten, aber Feyre überschreitet eine gewisse Grenze nicht. Sich schon auf jemand neuen einzulassen, kommt ihr einfach falsch vor. Doch die Anziehungskraft, die zwischen ihnen besteht, kann sie kaum leugnen. Die beiden treffen auf Lucien, der von Tamlin geschickt wurde, um Feyre wieder einzufangen. Sie weigert sich. Da wird ihr klar, dass Tamlin sie jagen wird. Rhysand und sie kommen sich näher. Sie erkennt, dass all die schrecklichen Dinge, die über ihn gesagt werden, auch wie er auftritt, nur eine Fassade sind. Dass er das alles nur tut, um sein Volk und die Menschen, die er liebt, zu beschützen. 

Am nächsten Tag gelangen sie in einen Hinterhalt. Handlanger des Königs von Hybern zerschießen Rhysands Flügel und Feyre muss ihn aus ihren Klauen befreien. Als sie herausfinden will, wie sie ihn heilen kann, erfährt sie auch noch ein weiteres Geheimnis, das er ihr vorenthalten hat: Sie und Rhysand sind Seelengefährten. Und er hat es gewusst. Das heißt, dass sie füreinander bestimmt sind, zueinander gehören. Doch dass er ihr das vorenthalten hat, erinnert sie an Tamlin. Sie will niemals wieder, dass jemand sie kontrolliert, so wie er es getan hat. 

Sie zieht sich einige Tage mit Mors Hilfe zurück. Doch Rhysand findet sie und er zählt ihr die ganze Geschichte. Das war der Moment, wo mir wirklich die Tränen kamen. Wo mir klar wurde, was der Unterschied zwischen seiner Liebe und Tamlins Liebe war. Seine Liebe war selbstlos. Er hätte sie gehen lassen, wenn sie es gewollt hätte. Für ihn war sie ebenbürtig und ihre Entscheidungen genauso wichtig wie seine. 

Er offenbart ihr, dass er schon lange, bevor sie in das Land der Unsterblichen kam, Träume hatte, wo er sie sah. Dass er damals auf dem Fest des Frühlingshofs, wo sie sich das erste Mal begegnet sind, gegangen ist, um sie zu suchen, weil er durch ihre Verbindung gewusst hatte, dass sie dort war. Er hat ihr unter dem Berg geholfen, weil er sie beschützen wollte. Hatte gewusst, dass sie seine Seelengefährtin war, hatte sie aber gehen lassen, weil er glaubte, dass sie mit Tamlin glücklich war. Erst als er merkte, dass sie mit ihm doch nicht glücklich war, hat er sich wieder eingemischt. Er gesteht ihr, dass er sie liebt. Aber dass er sie gehen lassen wird, wenn sie das will. 

Sie gesteht ihm, dass sie ihn auch liebt und sie besiegeln ihre Verbindung. Sie sind ein Team. Und sobald sie zurück sind, wird Velaris, die Stadt, die sie beide lieben, angegriffen. Sie können eine Invasion verhindern. Doch sie sehen, dass die Zeit drängt. Sie wollen den magischen Kessel des Königs von Hybern durch die Bücher kraftlos machen. Doch als sie in dessen Festung ankommen, werden sie überwältigt. Und dort taucht ausgerechnet Tamlin auf. 

Wer meine Rezension zum Band eins der Reihe durchgelesen hat, weiß, dass Tamlin mein größtes Problem mit dem Buch war, und ich fühle mich sehr bestätigt. Ich habe ihn von Anfang an nicht gemocht und endlich zeigt sich, dass ich allen Grund dazu hatte. Ich mag Teil zwei so viel mehr, weil ich Rhysand viel mehr leiden kann als Tamlin. Er ist der Mann für Feyre. 

Der Meinung ist auch Feyre, die von Tamlin angeekelt ist. Er ist einen Handel mit dem König eingegangen. Er hilft ihm bei seiner Invasion, wenn der König dann die Verbindung von Rhysand und Feyre löscht und sie zu ihm zurückbringt. Sie will nicht zu ihm zurück. Doch der König hat ihre Schwestern verschleppt und macht sie durch den Kessel zu Fae. Und Azriel droht an seinen Verletzungen zu sterben. Also spielt Feyre ein Spiel. Sie tut, als habe Rhysand sie nur durch seine Gedankenkontrolle an sich gebunden und fleht Tamlin an, sie mitzunehmen. Die Ablenkung nutzt sie, um die Schutzschilde mit ihrer Kraft zum Einsturz zu bringen, damit ihre Freunde, ihre Familie, flüchten können. Der König kappt die Verbindung zwischen Rhys und Feyre – zumindest glauben sie das. 

Rhysand und seine Freunde flüchten mit Feyres Schwestern. Einen Tag zuvor, offenbart Rhysand seinen Freunden, hat er Feyre zu seiner High Lady gemacht, seiner Ebenbürtigen Herrscherin. Das gab es bis dahin noch nie. Und ihre Seelengefährten-Verbindung besteht noch. Feyre ist nun wieder am Frühlingshof und gaukelt Tamlin Liebe vor, weil sie ihre Feinde von innen zerstören will. Lucien hat sie durchschaut, doch sie weiß, dass er sie nicht verraten wird, weil er erkannt hat, dass ihre jüngere Schwester seine Seelengefährtin ist. Auch er wird alles tun, um zu ihr zurückzukehren. 

Und so sind Rhysand und Feyre zwar getrennt, aber durch ihr Band noch untrennbar verbunden. Rhysand vertraut Feyre, die nun seine Spionin ist und sie vertraut ihm. Denn bald wird es Krieg geben und sie müssen darauf vorbereitet sein. 

Ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr mich dieses Buch gefesselt hat. Ich liebe Feyre und Rhysand. Ihre Dynamik. Wie sie sich reizen, sich necken, sich unterstützen und auf einer sehr tiefen Ebene verstehen. Feyre ist eine starke Frau und das weiß Rhysand auch. Sie ist für ihn seine Ebenbürtige, er traut es ihr zu und lässt es zu, dass sie sich in Gefahr begibt, wenn sie es für richtig hält, weil er ihr vertraut. Davon lebt die Geschichte. Und obwohl es mich ein bisschen frustriert hat, dass sie nun vermutlich im nächsten Buch die meiste Zeit getrennt sein werden, bin ich doch gespannt, wie sie es schaffen werden, auch aus der Distanz, ein Team zu sein. 

Hier noch einen kleinen Aufruf an euch: Es gibt ein paar Kleinigkeiten, die mich irritiert oder gestört haben und für die ich eine logische Erklärung suche, damit ich den zweiten Band uneingeschränkt lieben kann. Wenn jemand sie hat, bitte sagt sie mir, weil ich meine kleinen Zweifel gerne begraben würde. 

Erstens: Ich dachte Fae seien unsterblich und man könne sie nur durch Eschenholz töten. Doch im zweiten Teil ertrinkt Feyre fast. Ich dachte, das sei nicht möglich. Falls jemand die Regeln der Fae-Unsterblichkeit kennt, würde ich mich freuen, wenn er sie mir erklärt. 

Und zweitens und wesentlich wichtiger: Im ersten Band hat Rhysand Feyre mit dem berauschenden Wein dazu gebracht, halbnackt für ihn zu tanzen. Das finde ich immer noch richtig furchtbar und weil ich die beiden eigentlich so sehr zusammen liebe, suche ich nach einer logischen Erklärung dafür, warum er sie so furchtbar behandelt hat. Es würde mich sehr freuen, wenn mich dieses Ereignis in meiner Begeisterung für seinen Charakter nicht mehr einschränken würde. Ich freue mich über jede Rechtfertigung und Plädoyer für Rhysand!

2 Kommentare

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Ich sage lieber nichts zu das Reich der sieben Höfe Band 2, da ich dazu nichts Gutes zu sagen habe.

Aber deine beiden Anmerkungen am Schluss finde ich richtig gut, interessant und reflektiert. Wäre gespannt, ob andere dafür eine Erklärung haben 🙂

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