Interview: Autorin Laura Kneidl

Interview auf einen Blick

Wie bist du zum Schreiben gekommen? Es hat bei mir angefangen mit Twilight.
Mit welchem Charakter, den du erschaffen hast, wärst du gerne befreundet? Micah, Leigh und Luca. 
Lifegoal: Einen Bookboyfriend schreiben, der noch besser ist als Luca.

Autorin Laura Kneidl erschafft beim Schreiben fantastische Welten und emotionale Liebesgeschichten. Nun wird sie beides verknüpfen. Zusammen mit Autorenkollegin und Freundin Bianca Iosivoni arbeitet sie an der sechsteiligen Buchreihe Midnight Chronicles, die Fantasy und New Adult verknüpfen soll. Im Interview spricht sie über ihre Arbeit als Autorin, wie es ist, ein Partnerprojekt anzugehen, und worauf sich Leser schon vor Veröffentlichung des ersten Teils im August 2020 freuen können. 

Du beschäftigst dich in deinen Büchern oft auch mit ernsten Themen. (Beispiele: Berühre mich. Nicht und Someone New) Wie bereitest du dich aufs Schreiben vor?

Was ich immer am meisten mache, ist, mit Betroffenen reden. Fachliteratur ist zwar wichtig und auch die medizinischen Aspekte sind interessant. Aber ich schreibe in erster Linie gefühlvolle Bücher, und da sind die Gefühle einer Person eben wichtiger als der medizinische Vorgang. Trotzdem neige ich dazu, immer sehr viel zu recherchieren. Auch bei Someone New hatte ich einen riesigen Stapel Unterlagen von psychologische Gutachten bis zu Personenstandsänderungen auf meinem Schreibtisch liegen. Das wichtigste für mich bleibt aber, mit Leuten zu reden. Was ich gerne mache, ist ihnen eine konkrete Szene aus dem Buch zu beschreiben und dann zu fragen: „Hältst du das für realistisch? Ist dir mal was Ähnliches passiert?“ Um eben bestmöglich ihre Lebensrealität abbilden zu können. 
Ich finde es immer wichtig, dass Bücher das widerspiegeln, was Betroffene auch erlebt haben. Es geht nicht darum zu schreiben, was Nicht-Betroffene zu dem Thema denken. Deswegen rede ich mit Leuten, die das jeden Tag leben, was im Buch beschrieben ist. 

Du schreibst Fantasy und New Adult Romane. Unterscheidet sich deine Herangehensweise oder dein Schreibprozess bei diesen beiden Genres?

Inzwischen unterscheidet sich der Prozess nicht mehr all zu sehr. Bei Fantasy plotte ich noch mehr, vor allem beim Aufbau der Welt. Bei New Adult ergibt sich das ja von selbst. Aber im Prinzip plane ich inzwischen bei jedem Buch jedes Kapitel einzeln. Bei Scrivener lege ich mir Kapitel und Ordner an und hinterlege in den Notizen, was ich brauche. Bevor ich anfange, eine Szene oder ein Kapitel zu schreiben, lege ich mir auch noch ein Outline zurecht. Das ist spezifischer und ich überlege mir, welche Informationen ich mit einfließen lassen könnte. Es sollte keine Szenen geben, die nichts vermittelt. Ich frage mich: Was ist der Berechtigungsgrund für diese Szene. Das ist die Methode, die sich für mich bewährt hat. 

Deine New Adult Romane schreibst du aus ich-Perspektive. In die Krone der Dunkelheit erzählst du die Geschichte in er/sie Perspektive. Fällt dir eins schwerer?

Nein. Eigentlich ist es egal, welche Variante ich schreibe, wenn ich einmal richtig im Roman drin bin. Aber wenn ich in erster Person geschrieben habe und dann auf die dritte wechseln muss, ist die Umstellung nicht immer so einfach. Aber man gewöhnt sich dran. Dann geht beides gut. 

Meist arbeitest du in einem Jahr an mehreren Projekten. Schreibst du Bücher auch gleichzeitig oder immer eins nach dem anderen?

Ich schreibe immer hintereinander und nicht gleichzeitig. Aber dadurch, dass ich momentan einen sehr vollen Terminplan habe, überschneiden sich die Planungsprozesse und die Lektorate. Aber parallel schreiben kann ich nicht. 

Wie bist du zum Schreiben gekommen? Wann wurde dir klar, dass du Autorin werden willst?

Es hat bei mir angefangen mit Twilight. Ich habe Fanfiction über Jacob geschrieben. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Etwas später habe ich die „Chroniken der Unterwelt“ gelesen. Die Bücher habe mir so gut gefallen, dass ich inspiriert davon meinen ersten Roman geschrieben habe. Er war relativ schlecht, weil ich keine Ahnung von dem hatte, was ich da tue. Aber es war eine super Übung, die mich auf das vorbereitet hat, was danach kam. Nämlich Light and Darkness. Eigentlich habe ich auch das nur für mich geschrieben, weil ich Lust drauf hatte. Doch viele Testleser von mir haben gesagt: „Laura, das ist richtig gut. Das kannst du doch mal wohin schicken.“ Das habe ich dann getan, aber es war ein sehr langer und schwieriger Prozess, einen Verlag zu bekommen. Irgendwann hat es geklappt.
Daher hatte ich diesen „Ich werde jetzt Autorin“-Moment eigentlich nie. Ich habe geschrieben, weil ich gerne schreibe. Und klar, jeder, der schreibt, kommt vermutlich irgendwann mal an den Punkt, wo er sich fragt, was wäre, wenn das ein richtiges Buch wäre. Aber es gab nicht diesen einen Augenblick, in dem ich wusste, ich werde jetzt Autorin. 

Mit welchen deiner Charaktere wärst du gerne befreundet?

Mit sehr vielen. Ich wäre super gerne mit Micah befreundet. Aber ich mag auch Leigh aus Die Krone der Dunkelheit sehr gerne. Er wäre jemand, mit dem ich einfach so abhängen würde. Und mit Luca aus Berühre mich. Nicht würde ich gerne Bücher kaufen gehen. 

Mit Luca hast du für viele auf jeden Fall den perfekten Bookboyfriend erschaffen. 

Die Sache ist die, ich glaube, ich habe mit Luca so einen perfekten Bookboyfriend erschaffen, dass es super schwer sein wird, einen Typen zu schreiben, der noch einmal genauso perfekt ist wie Luca. Da habe ich mir sehr viel vorweg genommen. Aber das kann mein Lifegoal sein: einen Typen zu schreiben, der noch besser ist als Luca. 
Aber ich sag immer, Luca wäre mein bester Freund. Eine Beziehung könnte ich mir mit Julian besser vorstellen, denn Luca und ich wären uns zu ähnlich. 

Gibt es für dich einen Moment deines Autorenseins, der besonders hervorsticht?

Eigentlich nicht. Immer wenn etwas passiert, denke ich mir „Besser wird es nicht mehr“, aber dann kommt der Augenblick, in dem es doch passiert. So ging es mir mit meinem ersten Agenturvertrag, meinem ersten Verlagsvertrag, meiner ersten Buchmesse, meiner ersten Auslandslizenz und so weiter. Es gibt so viele tolle kleine Momente, die sich ergänzen und aufeinander aufbauen. Auf keinen davon möchte ich verzichten. 

Kannst du verraten, woran du gerade arbeitest?

Ich arbeite gerade an dem dritten Someone-Band. Wir machen noch ein Geheimnis aus dem Titel, aber ich freue mich sehr auf das Buch. Es gibt für Someone Else wieder eine Cast Illustration und da ist auch der Love Interest aus dem dritten Band drauf. 

Gibt es irgendein Genre, in dem du dich gerne mal ausprobieren würdest?

Im Moment nicht. Ich wollte Fantasy und New Adult schreiben sowie High Fantasy, was ich mit der Krone der Dunkelheit gemacht habe. Ich bin daher wunschlos glücklich. Aber ich schließe es nicht aus, dass ich irgendwann auch mal in einem anderen Genre schreibe.

Gerade arbeiten du und Bianca Iosivoni an den Midnight Chronicles. Wie läuft es ab, ein Partnerprojekt zu schreiben? Habt ihr schon ein System?

Daran arbeiten Bianca und ich noch, aber was sehr praktisch ist, ist, dass wir so nahe beieinander wohnen. Wir können uns immer persönlich treffen und alles bereden.
Momentan schreibe ich ja noch nicht an Blutmagie. Bianca tippt aber schon am ersten Teil und sie stößt beim Schreiben immer auf kleine Probleme und macht sich dann Notizen. Wenn wir uns treffen, besprechen wir dann, wie wir sie lösen können.
Wir sind gerade am austesten und rumprobieren, wie man die ganzen Informationen rund um die Welt der Hunter am besten verwalten könnte. Damit wir auch wissen, wie alles funktionieren. Wir brauchen noch so eine Art Wiki, aber da sitzen wir noch dran. 

Wie genau habt ihr euch das Projekt aufgeteilt?

Der reine Schreibprozess ist getrennt. Den ersten Teil tippt nur Bianca und ich nur den zweiten. Und so machen wir das im Wechsel. Aber wir arbeiten natürlich super eng zusammen.  Die drei Bücher, die ich schreiben werde, handeln von drei verschiedenen Paaren und die drei, die Bianca schreibt, immer von demselben Paar. 
Die Bücher sind in sich zwar schon in gewisser Weise abgeschlossen, aber was im Band zuvor passiert ist, wird immer auch auf den folgenden Auswirkungen haben. Es hat alles eine Konsequenz. Deswegen müssen wir natürlich auch immer wissen, was der andere vorhat. Und unsere Lektorin Steffi hat auch ein Auge mit drauf. Sie hat den Überblick. 
Ein Beispiel: In Teil 1 von Bianca wird auch Warden auftauchen, der Protagonist aus dem zweiten Band. Hier arbeiten wir zusammen und besprechen, was ist Warden für ein Typ, was würde er sagen, was würde er nicht sagen? Bianca hat bei ihren Charakteren und ich bei meinen die Stimmhoheit. 
Im zweiten Teil geht es dann um Warden und Cain, und Roxy und Shaw sind dann Nebencharaktere. Im dritten geht es dann wieder um sie und da wird dann Ella eingeführt. Und die ist dann wieder die Protagonistin von Teil vier. Es greift alles sehr ineinander über. 

Wie lange redet ihr nun schon über Midnight Chronicles? Ist die Buchreihe schon lange geplant?

Ja und Nein gleichzeitig. Ich habe schon lange darüber nachgedacht, die Elemente der Schattenwelt neu rauszubringen. Das war ja auch angekündigt. Aber ich habe Anfang des Jahres entschieden, dass ich diese Bücher in der alten Fassung nicht veröffentlichen möchte. Aber ich wusste auch nicht, ob ich sie komplett neu schreiben soll. Ich war mir noch nicht ganz sicher, was für mich als Autorin die richtige Entscheidung ist. Auch unter Zeitaspekten. Bianca hat zeitgleich schon sehr lange über Schattenblick nachgedacht, also eine Trilogie über Roxy und Shaw. Die Ideenfindung dauert ja auch seine Zeit. Bis man soweit ist, es dann mal einem Verlag anzubieten. 
Anfang oder Mitte des Jahres haben wir dann gesagt, lass uns das doch zusammen machen, da unsere Welten sich sehr gut zusammengefügt haben. Es war sehr schwer dieses Geheimnis um die Zusammenarbeit, für mich zu behalten. Ich hatte erst kürzlich eine Lesung in Magdeburg, auf der ich gefragt wurde, ob ich nicht mal mit Bianca zusammenarbeiten will. Da musste ich es mir schon sehr verkneifen nichts zu verraten. 

Die Midnight Chronicles sind ja quasi ein neues Genre. Eine Mischung aus New Adult und Fantasy. Wie ist es, ein neues Genre zu entdecken?

Fantasy und New Adult sind ja meine beiden Genres und das beides jetzt vermischen zu dürfen, darüber freue ich mich sehr. Auch wenn es sicherlich schwierig wird, die perfekte Mischung zu finden. Im Idealfall ist es natürlich so, dass Fans beider Genres auf ihre Kosten kommen. Dass New Adult Leser sagen: Oh es war so cute. Aber auch Fantasy Leser sagen können: Das war cool und spannend. 

Ist die Arbeit harmonisch? Geht es gut?

Absolut. Bianca und ich sind uns sehr ähnlich und oft einig. Wir haben zum Wohle unserer Freundschaft auch eine Vereinbarung getroffen. Wir werden nichts beim Buch des anderen kritisieren, was nicht direkten Einfluss auf unser eigenes hat. Ich darf ihr sagen, wenn sie meinen Charakter nicht so darstellt, wie ich will, oder beim Weltenbau entscheiden wir zusammen. Aber ich bemängle jetzt keine Szenen, die sich nur zwischen Roxy und Shaw abspielen. Da darf jeder sein eigenes Ding machen. Und unsere Lektorin kann dann diplomatisch entscheiden, was gut und was schlecht ist. 

Was kannst du denn sonst noch alles über Midnight Chronicles verraten?

Eine Besonderheit an den Midnight Chronicles ist die Webseite und der Newsletter. Vor allem mit Letzterem haben wir Großes vor. Bei einer Buchveröffentlichung passiert ja vieles hinter verschlossenen Türen und wir können oft nur wenig über unsere Projekte verraten. Das wollen wir bei den Midnight Chronisches anders machen. Wir wollen jetzt schon ein bisschen über die Charaktere erzählen und über unseren Schreibprozess. Und den Leser so schon vor Veröffentlichung  schon ein bisschen auf die Reise mitnehmen. Außerdem wird es auch Hörbücher zu den Midnight Chronicles geben!

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