Rezension: Cinder&Ella von Kelly Oram

Rezension auf einen Blick

Themen: Onlinefreundschaft, Filmstars, Unfall
So hat sich das Buch angefühlt: tragisch, verliebt, märchenhaft
Der erste Satz: „Das Problem mit Märchen ist, dass die meisten mit einem tragischen Schicksalsschlag beginnen.“

Vorwarnung: Der erste Teil dieser Rezension ist frei von Spoilern. Die Informationen, die ich preisgebe, stehen auf den ersten Seiten des Buches oder im Klappentext. Ab dem Absatz mit der Überschrift „Spoilerwarnung“ bespreche ich die vollständige Handlung des Buches. Ab da verrate ich also wichtige Punkte, die ihr vielleicht nicht verraten haben wollt. Also wer das Buch noch ohne Vorwissen lesen will, sollte dort aus dem Text aussteigen.

Ohne Spoiler

Ella verliert ihre Mutter bei einem Autounfall. Sie selbst erleidet starke Verbrennungen und muss mehrere Monate in einer Klinik verbringen, um sich von ihren Verletzungen zu erholen und zu lernen, mit ihrem Bein umzugehen, das sie für den Rest ihres Lebens nur noch eingeschränkt wird benutzen können. Nur mit Hilfe einer Krücke ist sie noch dazu in der Lage zu laufen. Als sie ihr letztes Jahr auf der High School antreten soll, muss sie das auch noch bei ihrem Vater tun, der sich seit ihrer Geburt kaum für sie interessiert hat. Der hat inzwischen eine neue Familie mit einer wunderschönen Frau und zwei wunderschönen Töchtern. Ella fühlt sich sofort Fehl am Platz. Sie muss lernen, sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden. In dieser Familie, der neuen Schule – dabei weiß sie nicht einmal, ob sie das überhaupt will. Und eigentlich sollte sie mal wieder Kontakt zu ihrem Internetfreund Cinder aufnehmen. Sie ist in ihn verliebt, ohne ihm jemals begegnet zu sein. Doch seit dem Unfall hatte sie keinen Kontakt mehr zu ihm. Sich jetzt wieder bei ihm zu melden, kostet sie viel Überwindung. Doch er ist genau das, was sie gerade braucht. Auch wenn sie noch immer nicht seine wahre Identität kennt und ihn noch nie getroffen hat. 

Dieses Buch hat mir emotional wirklich sehr viel abverlangt. Ellas Schicksal ist sehr tragisch. Ihre Stiefschwestern sind furchtbar zu ihr – wie man es von Stiefschwestern eben erwartet. Die Kinder an der Schule sind auch oft ziemlich furchtbar. Und das schlimmste ist ihre Trauer um den Verlust des Menschen, der ihr immer am nächsten war. Sie möchte kein Verhältnis zu ihrem Vater aufbauen, und ich konnte vollkommen verstehen wieso. Er hat kaum Interesse an ihr und ihrem Leben gezeigt und sie für eine andere Familie eingetauscht. Und nun soll sie so tun, als wäre das alles niemals passiert? Ella ist verzweifelt und eigentlich gebrochen von ihren Erfahrungen. Und doch ist sie stark. 

Das hat mich wohl beim Lesen dieses Buches am meisten fasziniert. Dass Ella eigentlich zerbrechlich und trotzdem so unbeugsam ist. Sie muss oft weinen, weil ihre Gefühle sie übermannen und trotzdem lässt sie nicht zu, dass andere Menschen sie unterdrücken. Sie ist ihr eigener Mensch und sie erträgt alles mit einer stoischen Art, die man nur bewundern kann. Kelly Oram schafft es wirklich, den Schmerz ihrer Protagonistin so deutlich rüberzubringen, dass sich einem immer mal wieder die Kehle zuschnürt. Das Buch hat mich immer wieder tief traurig gemacht. So gut war es geschrieben. 

Und trotzdem ist das Buch auch lustig und voller Momente, die einen wirklich mit Glück erfüllen. Das liegt vor allem auch an Cinder. Ella hat ihn kennengelernt durch ihren Buchblog, der sich vor allem mit ihrer Lieblingsbuchreihe „Der Druidenprinz“ befasst hat. Die beiden haben sich sofort über die Charaktere gestritten – es war „Liebe auf den ersten Streit“ – und seitdem nicht mehr damit aufgehört. Auch aus Cinders Sicht wird die Geschichte der beiden erzählt. So weiß der Leser schon viel früher als Ella, wer ihr Internetfreund wirklich ist. 

Dieses Buch ist eines meiner Jahreshighlights und es gibt wirklich keine Entschuldigung, dieses Buch nicht zu lesen. Es ist herzzerreißend, aber auch herzerwärmend. Es lässt einen mitfühlen und mitfiebern. Dieses Buch fesselt und lässt nicht los. Ein absolutes Lese-Muss!

Spoilerwarnung

Ellas Lieblingsbücher „Der Druidenprinz“ soll verfilmt werden. In der Hauptrolle: Brian Oliver, der große Hollywood Star. Nicht die beste Besetzung, urteilt Ella. Doch noch ahnt sie nicht, dass Brian Oliver nicht nur ein fast so großer Druidenprinz-Fan ist wie sie, sondern auch noch ihr Internetfreund „Cinder“. Da die Geschichte auch aus seiner Perspektive erzählt wird, erfährt man es als Leser sehr schnell. Doch Ella bleibt noch ziemlich lange im Dunkeln. 

Brian ist wie vom Donner gerührt, als er nach 8 Monaten Funkstille wieder eine Nachricht von Ella erhält. Er hatte sie für tot gehalten. Als er ihren Namen auf seinem Handy sieht, bleibt ihm das Herz stehen. Doch noch kann er sie nicht kennenlernen. Weil er gerade einen Deal eingegangen ist, so zu tun, als würde er mit seinem Co-Star in der Druidenprinz ausgehen, um mehr Aufmerksamkeit für den Film zu erregen. 

Obwohl sich Ella manchmal fragt, warum Cinder sie nicht treffen will, hilft ihr der wiedergewonnene Kontakt zu ihm, seelisch zu heilen. Sie telefonieren, sie schreiben und ihr geht es mit jedem Wort, das sie wechseln, ein bisschen besser. 

Und dann geht es auf die Comic Con. Natürlich verkleidet sie sich als Ellamara, ihren Lieblingscharakter aus der Druidenprinz und der Charaktere, nach dem sie ihre Mutter benannt hat. Dort trifft sie auch auf Filmstar Brian Oliver – und hält ihm sofort eine Ausgabe des Buches unter die Nase und fordert ihn auf, es auch gewissenhaft zu lesen und die Rolle ernst zu nehmen. Er ist belustigt und verstrickt sie prompt in eine Diskussion über die Charaktere. Wem er da gerade gegenüber steht, geht ihm sehr viel schneller auf als Ella. Er erkennt, wen er vor sich hat, weil sie auch schon online genau die gleichen Diskussionen geführt haben wie jetzt. Doch Ella versteht es erst, als er Insider der beiden ausspricht. Sie bricht vor Schock fast zusammen. 

Diese Szene ist mit Abstand meine absolute Lieblingsszene des Buches. Ich habe sie bestimmt zehnmal gelesen, bevor ich weiterlesen konnte. 

Doch danach geht es wieder bergab. Und zwar rasant. Ella und Brian treffen sich endlich in Person und küssen sich. Doch sie werden dabei fotografiert und Ella in den Medien zerrissen, da Brian in den Augen aller schließlich verlobt ist. In der Schule sind ihre Mitschüler noch furchtbarer zu ihr. So furchtbar, dass ihr einer den Gehstock wegtritt und eine ihrer Wunden wieder aufreißt. Sie muss zurück in eine Klink. Sie löscht ihren Blog und klinkt sich aus. Auch psychisch ist sie am Ende. Einen Monat ist sie wie abgeschnitten von der restlichen Menschheit. Im Glauben, dass Brian an den schrecklichen Dingen, die über sie verbreitet wurden, beteiligt war. 

An ihrem letzten Tag in der Klink besuchen sie ihre Freunde und Familie. Und wollen ausgerechnet einen aufgezeichneten Talkshow-Auftritt von Brian mit ihr gucken. Das war meine zweitliebste Szene im Buch. Denn Brian stellt vor aller Welt klar, was er für Ella empfindet. Sollte sie so fühlen wie er, soll sie zur Filmpremiere von der Druidenprinz kommen.

Und das tut sie dann auch. Sie überwindet ihre Ängste, ihre verbrannte Haut zu zeigen. Sie fühlt sich trotzdem schön. Sie geht auf den roten Teppich. Sie hat ihren Prinzessinnen-Moment, als Brian sie erblickt und sie sich vor aller Welt küssen. Wenn das kein Happy End ist, weiß ich auch nicht. Doch der zweite Teil kommt bald raus und der fragt: Happy End und dann? Ich freue mich zu erfahren, wie es weitergeht. Doch ich habe auch ein bisschen Angst, dass eine Fortsetzung diese perfekte Geschichte untergräbt. Sie ist gut so, wie sie ist. Und ich hoffe sehr, dass die Fortsetzung dem gerecht werden kann.

Schreibe einen Kommentar