Interview: Autorin Lena Kiefer

Interview auf einen Blick

Was ist dein Lieblingsbuch aus deiner Kindheit? „Pippi Langstrumpf“ und „Die Kinder aus Bullerbü“. Ich habe die Geschichten sicherlich tausendmal gelesen und mir immer gewünscht, ein Pferd auf der Veranda zu haben. 
Hast du eine seltsame Lese- oder Schreibgewohnheit? Ich glaube, ich habe sehr viel Mimik, wenn ich schreibe, und mache immer das Gesicht, das auch meine Charaktere machen. Zum Glück sieht das niemand. 

„Ophelia Scale“ ist der Debütroman von Autorin Lena Kiefer. Im November erscheint das Finale der dystopischen Trilogie. Im Interview verrät Lena Kiefer, was ihr beim Schreiben am leichtesten und schwersten fällt, wer ihr Lieblingscharakter ihrer Buchreihe ist und welche Buchprojekte uns im nächsten Jahr von ihr erwarten. 

In deiner Buchreihe „Ophelia Scale“ hast du eine neue Welt erschaffen. Was ist das schwierigste an Worldbuilding?

Vor allem die innere Logik. Ich musste ja nicht nur einen Status Quo für das Jahr 2134 schaffen, sondern auch überlegen, wie die Entwicklung vorher war – zurück bis zu dem Punkt, an dem wir jetzt stehen. Es ist eine große Herausforderung, eine fremde Welt zu kreieren, die für die Leser greifbar ist, ohne dass man seitenlang den Erklärbär spielt. Aber es macht auch unheimlich viel Spaß.

Wie kam dir die Idee zu „Ophelia Scale“?

Meine erste Idee war nicht das Verbot von Technologie, sondern die Heldin an sich. Ich wollte eine Hauptfigur, die genau weiß, warum sie für den Widerstand kämpft, um ihre Ideale dann auf die Probe stellen zu können. Erst anschließend habe ich überlegt, was man diesem Mädchen wegnehmen könnte, um sie so zu radikalisieren, dass sie tatsächlich bereit ist, zu töten. Und da ich selbst jemand bin, der auf Technik nicht verzichten kann, lag es nahe, sie zu verbieten.

Die Welt von „Ophelia Scale“ basiert auf Technik. Wie hast du dich darauf vorbereitet? Musstest du viel recherchieren, um dich von realer Technik inspirieren zu lassen?

Tatsächlich habe ich das Glück, mit einem Technikexperten verheiratet zu sein – mein Mann ist Ingenieur für Elektrotechnik und interessiert sich sehr für Zukunftstechnologien. Ich selbst habe eine Affinität zu diesen Dingen, aber viel von dem Wissen, was in Ophelia Scale steckt, wurde durch ihn angestoßen. Oftmals haben wir auch zusammengesessen und diskutiert (oder gestritten *hust*), was der beste Weg ist, Story und Welt zu vereinen. 

Wie bist du das Schreiben der Buchreihe angegangen? Hast du alles geplant oder einfach drauf los geschrieben?

Ich bin ein begeisterter Planer – wer mir bei Instagram folgt, kennt meine Whiteboard-Post-It-Methode, mit der ich plotte. Bei Ophelia Band 1 habe ich sogar noch Grundrisse der Gebäude angefertigt, Stadtpläne gezeichnet usw. Dafür habe ich jetzt aber leider nicht mehr die Zeit, weil ich nun Abgabetermine habe, die ich einhalten muss. 
Beim Schreiben selbst gehe ich sehr viel nach Bauchgefühl, aber das Gerüst vorher plane ich akribisch durch, um mich nicht zu verzetteln. Für mich ist das die beste Methode, um die Spannung laufend auf einem hohen Level zu halten. Würde ich einfach drauflos schreiben, wäre ich schnell in einem Strudel von zwischenmenschlichen Szenen gefangen, denn die schreibe ich am liebsten. 

Hast du einen Lieblingscharakter? Und wenn ja, kannst du verraten wieso?

[SPOILER für alle, die Band 2 noch nicht gelesen haben – oder Band 1 auch noch nicht kennen]

Mein unangefochtener Lieblingscharakter der Reihe ist Lucien de Marais. Ich liebe einfach alles an ihm – seinen Humor, seinen Scharfsinn, seine Emotionalität, aber auch, wie er mit dem umgeht, was das Schicksal ihm vor die Füße schmeißt. Wenn er lacht, lache ich mit, wenn er weint, weine ich auch. Und alle Szenen, in denen er wütend wird, gehören zu meinen Lieblingsstellen in den Büchern. Ich liebe auch die Jungs in meinen Folgeprojekten, aber Lucien wird auf ewig einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. So, genug geschwärmt.

[SPOILER Ende]

„Ophelia Scale“ ist dein Debütroman. Wie fühlt es sich an, dass so viele Menschen deine Geschichte lesen?

Sehr surreal. Man arbeitet ja schon eine Weile vor der Veröffentlichung mit dem Verlag an dem Buch, macht ein Lektorat, bekommt das Cover zu sehen usw. Aber trotzdem steht man dann im Buchladen vor dem Regal, sieht das Buch und fragt sich „Wer ist diese Lena Kiefer?“ Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. 🙂

Auf Instagram kannst du dich mit deinen Lesern austauschen. Was macht dir daran Spaß?

Ich schreibe ja nicht für mich – auch, aber nicht in erster Linie. Ich schreibe, um anderen für eine gewisse Zeit die Flucht (positiv gemeint) in eine andere Welt zu ermöglichen. Und wenn sich diese Menschen dann bei mir melden und mir sagen, sie lieben das Buch, ist das eine tolle Bestätigung. Als Autorin arbeitet man erst einmal allein an einer Geschichte und hat keine Ahnung, ob sie beim Leser so ankommt, wie man sie gemeint hat. Außerdem finde ich es großartig, auf die Art auch mal nachfragen zu können, welche Stellen besonders gefallen haben – Rezensionen sind ja immer allgemein gehalten und meist auch spoilerfrei. Da ist der genauere Blick für mich sehr spannend. 

Was fällt dir beim Schreiben am schwersten?

Am Schreiben selbst fällt mir nichts so richtig schwer. Actionszenen brauchen zwar ihre Zeit und bei romantischen Szenen feile ich meistens eine Weile, bis sie für mich perfekt sind. Aber das ist kein Problem, an dem ich hängenbleibe. Allerdings überarbeite ich nicht gerne. Dann kommt nämlich der innere Kritiker (der bei mir riesig ist) und ich muss jede Szene, und jeden Satz auf die Probe stellen, um herauszufinden, ob alles passt. Darum schreibe ich auch nicht erst einmal einen Entwurf runter, sondern korrigiere viel schon zwischendurch. 

Was fällt dir beim Schreiben am leichtesten?

Auf jeden Fall Dialoge. Ich versuche, meine Charaktere vor dem ersten Satz so gut wie möglich kennenzulernen, und dann macht es totalen Spaß, sie aufeinandertreffen zu lassen. Egal, ob bei romantischen Konstellationen wie Ophelia-Lucien oder bei Antipathie wie Ophelia-Troy, meistens schreiben sich die Dialoge wie von selbst. 

Was inspiriert dich, wenn du beim Schreiben nicht weiterkommst?

Erst einmal trete ich dann einen Schritt zurück und mache etwas ganz anderes. Mein Problem ist nämlich selten, dass ich keine Idee habe, wie es weitergehen soll – sondern meistens zu viele Optionen, zwischen denen ich mich nicht entscheiden kann. Da hilft es, den Kopf freizupusten und die Entscheidung auf mich zukommen zu lassen. Wenn ich Probleme habe, in ein bestimmtes Gefühl zu kommen (zum Beispiel, weil ich supergut drauf bin, aber nun eine traurige Szene schreiben muss), hilft Musik. Ich habe Playlists für jedes Projekt bei Spotify und bin dann schnell wieder drin.

Was ist dir auf deinem Weg als Autorin am schwersten gefallen?

Das Warten auf Antworten. Meine Agentur habe ich sehr schnell gefunden, aber dann auf eine Zusage vom Verlag zu warten, hat mich schier wahnsinnig gemacht. Jeden Tag hofft man auf eine Mail, in der steht „Verlag X will dein Projekt machen“, aber es kommt und kommt einfach nichts. Da braucht man echt Geduld. Aber ganz generell muss man im Literaturbetrieb eh lernen, dass man sehr oft auf etwas wartet. 

Kannst du dich noch an die erste Geschichte erinnern, die du jemals geschrieben hast? Und wie alt warst du damals? 

Richtig mit dem Schreiben angefangen habe ich erst als Erwachsene, aber es gibt tatsächlich eine zehnseitige Geschichte mit dem Titel „Der Ausritt“, die ich mit 11 oder 12 Jahren geschrieben habe. Zum Glück ist sie schon seit Jahren verschollen.

Welches Genre dominiert dein Buchregal?

Das, was ich auch schreibe – Young Adult, vor allem Fantasy und Dystopien. Mittlerweile ist auch New Adult hinzugekommen, aber in dem Bereich gefällt mir nicht besonders viel, deswegen lese ich das meistens auf dem E-Reader an, so dass ich es auch gleich wieder löschen kann. 

Was ist dein Lieblingsbuch aus deiner Kindheit?

„Pippi Langstrumpf“ und „Die Kinder aus Bullerbü“. Ich habe die Geschichten sicherlich tausendmal gelesen und mir immer gewünscht, ein Pferd auf der Veranda zu haben. 

Hast du eine seltsame Lese- oder Schreibgewohnheit?

Das ist eine gute Frage. Ich glaube, ich habe sehr viel Mimik, wenn ich schreibe, und mache immer das Gesicht, das auch meine Charaktere machen. Zum Glück sieht das niemand. Hoffentlich kommt nun keiner auf die Idee, meine Webcam zu hacken …

Ein Buch ohne Liebesgeschichte schreiben – wäre das für dich denkbar?

Nein, niemals. Ich mag zwar auch sehr gerne die Dynamik in Freundschaften und Familien (Letzteres spielt bei dem NA-Projekt eine große Rolle), aber Liebe ist und bleibt einfach das Thema, mit dem man am meisten Emotionen erzeugen kann. Ich verliebe mich gerne mit meinen Protagonisten und durchlebe dann die ganzen Höhen und Tiefen, die das mit sich bringt. 

Schreibst du gerade schon an einem neuen Buch und wenn ja, was kannst du schon darüber verraten?

Ich hatte vor kurzem die Idee, mich mal im Bereich New Adult auszutoben – das Genre wird gerade sehr viel gelesen und ich mag dramatische Liebesgeschichten unheimlich gerne. Mein Glück war, dass mein Exposé für diese Reihe sehr gut ankam und auch direkt eingekauft wurde, so dass ich gerade daran schreibe, damit der erste Teil im nächsten Sommer erscheinen kann. Verraten darf ich nicht allzu viel, aber ich kann schon mal sagen, dass es nicht in den USA spielt und auch nicht an einem College oder einer Uni. 

Außerdem steht eine Fantasy-Trilogie in den Startlöchern, die Ophelia nachfolgen wird – wieder mit einer starken Protagonistin, einem tollen Love Interest und jeder Menge unvorhergesehener Wendungen. Diesmal ist es allerdings keine Dystopie.

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