Rezension: Ophelia Scale. Die Welt wird brennen von Lena Kiefer

Rezension auf einen Blick

Themen: Technologie, Rebellion, Liebe
So hat sich das Buch angefühlt: verzweifelt, mutig, hin und hergerissen 
Der erste Satz: „Es gibt Tage im Leben, da gelingt alles.“

Vorwarnung: Der erste Teil dieser Rezension ist frei von Spoilern. Die Informationen, die ich preisgebe, stehen auf den ersten Seiten des Buches oder im Klappentext. Ab dem Absatz mit der Überschrift „Spoilerwarnung“ bespreche ich die vollständige Handlung des Buches. Ab da verrate ich also wichtige Punkte, die ihr vielleicht nicht verraten haben wollt. Also wer das Buch noch ohne Vorwissen lesen will, sollte dort aus dem Text aussteigen.

Ohne Spoiler

Ophelia lebt im England einer nicht zu fernen Zukunft und hat sich dem Kampf gegen den Regenten verpflichtet. Er hat alle Technologie verboten. Damit will sich Ophelia nicht abfinden, da ihr durch diese Regelung ihr Lebenstraum geraubt wurde. Zusammen mit ihren Freunden ist sie im Widerstand tätig. Und nun bietet sich eine nie dagewesene Chance: Sie kann sich beim royalen Geheimdienst einschleusen, um an den König heranzukommen. Harte Wettkämpfe warten auf sie. Um sich gegen die Mitbewerber durchzusetzen, muss sie aber nicht nur kämpfen, sondern sich auch verstellen können, damit niemals jemand ihre wahre Mission erkennt.  Sie verfolgt nur noch ein Ziel: den Regenten umbringen. Doch im Schloss angekommen, verliebt sie sich ausgerechnet in Lucien, den Bruder des Königs. Und auf einmal ist ihre Mission noch so viel schwieriger. Für welche Seite wird sie sich entscheiden?

Dieses Buch… ich kann es kaum in Worte fassen. Es fesselt ab der ersten Sekunde und lässt einfach nicht mehr los. Ich habe es am Stück gelesen und konnte es einfach nicht zur Seite legen. 

Natürlich liegt das vor allem an der Protagonistin. Die Geschichte wird aus ihrer Perspektive geschildert. Ophelia ist nicht nur stark, sie ist auch sehr menschlich. Alles, was sie tut, ist nachvollziehbar. Ihre Motivationen sind klar, genauso wie ihre Konflikte. Ich weiß nicht, wann mich ein Buch schon so schnell zum Weinen gebracht hat. Schon von der ersten Seite an, hat mich das Buch fesseln können, doch ab einem gewissen Moment hat es mich wirklich begeistert. Auf den werde ich aber im Spoilerteil dieser Rezension genauer eingehen.

Auch die Welt, die Lena Kiefer mit diesem Buch geschaffen hat, hat mich sehr fasziniert. Eigentlich gibt es Technologie, die unserer weit überlegen ist. Ophelia ist mit dieser groß geworden. Doch als der König die Macht in Europa an sich nahm, hat er Technologie verboten. Jetzt lebt Ophelia fast vollkommen ohne, obwohl sie sich noch an ein Leben erinnern kann, das vollkommen von Technologie geprägt war. Ihre Eltern konnten ohne Technologie ihren Berufen nicht mehr nachkommen und auch Ophelia kann ohne nicht den Beruf ergreifen, von dem sie schon als kleines Mädchen geträumt hat. 

Das ist eine ihrer Motivationen, sich dem Kampf gegen den König anzuschließen. Etwas mehr gehe ich im Spoilerteil darauf ein. Sie trainiert körperlich, aber auch ihr Geist ist immer bereit. Sie muss verschiedene Tests bestehen, bis sie ins Schloss darf, wo die besten Anwärter für den Geheimdienst weiter trainiert werden. Dort trifft sie auf Lucien. Zunächst ist ihr nicht klar, wen sie vor sich hat. Doch als es ihr klar wird, fühlt sie sich wie vor den Kopf gestoßen. Er ist der Bruder des Regenten, der Bruder des Mannes, den sie umbringen will. Eigentlich will sie sich danach von ihm fernhalten, doch sie schafft es nicht. Denn bei ihm fühlt sie sich ausnahmsweise mal normal und muss sich nicht verstellen – zumindest nicht vollkommen. 

Ein innerer Konflikt bringt alles für sie ins Wanken. Kann sie den König noch umbringen? Wird sie die Kraft dazu aufbringen? Was ist ihr wichtiger? Der Mann, den sie liebt, oder die Mission, der sie sich verpflichtet hat?

Das Buch hat mich gefesselt. Die Geschichte ist unvorhersehbar und überrascht immer wieder. Sie ist kreativ und wirklich etwas Besonderes. Das beste war für mich Ophelias innerer Konflikt und ihre Zweifel. Ich kann dieses Buch jedem mit bestem Gewissen empfehlen. Ihr werdet es nicht bereuen!

Spoilerwarnung

Dieses Buch zu besprechen, ohne etwas vorwegzunehmen, ist wirklich schwierig. Warum dieses Buch emotional so mitnimmt, kann man eigentlich kaum erklären, ohne auch ein bisschen was von der Handlung zu verraten. Und darauf werde ich jetzt eingehen.

Schon relativ früh wird klar, dass Ophelia nicht mehr nur durch ihre Abneigung gegen die neuen Regelungen angetrieben wird, sondern auch durch einen Hass auf die Königsfamilie. Man erfährt von Knox, dem Mann, den sie geliebt hat und der nach einer missglückten Mission verschwunden ist. Es ist von einem Clearing die Rede, dem er sich dann unterziehen musste. Ich bin davon ausgegangen, dass er von den Soldaten des Königs umgebracht wurde. Das ist es, was Ophelia so antreibt und sie so verbissen macht, in ihrem Kampf gegen den König. Sie kämpft, damit sie Knox nicht umsonst verloren hat. 

Doch dann kam ein Moment, bei dem mir klar war, dass diese Geschichte besonders ist. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal schon vor der 100. Seite eines Buches weinen musste. Aber hier war es so. Denn Ophelia geht zu Knox nach Hause, bevor sie zum Training für den Geheimdienst aufbricht. Ich dachte, sie würde sich von seiner Familie verabschieden. Doch nicht nur. Denn er ist auch dort, obwohl der Mann, den sie geliebt hat, fort ist. Clearing bedeutet, dass Erinnerungen gelöscht werden. Wenn Menschen aufbegehren, wird das aus ihren Erinnerungen gelöscht, was sie dazu gebracht hat zu rebellieren. Bei Knox waren es die letzten 10 Jahre seines Lebens. Also sieht er zwar noch genauso aus wie damals, doch im Kopf ist er ein 10-jähriger Junge. Diese Szene hat mir wirklich das Herz gebrochen. 

Ophelias Verzweiflung wird greifbar und es wird klar, was sie dazu bringt, ihr Leben dieser Sache zu verschreiben. Und so wird es für sie auch komplizierter, dass sie sich in Lucien verliebt. Sie verrät Knox nicht nur, weil sie sich neu verliebt, sondern weil sie durch Lucien auch daran zweifelt, wofür Knox gekämpft hat. Sie muss sich zwischen den zwei Männern, die sie geliebt hat, entscheiden, und zwischen zwei Prinzipien. 

Sie erfährt, dass bei einer Feier ein Attentat auf den Regenten geplant ist – und vereitelt es. Sie tut es für Lucien. Danach ruft der König sie zu sich und erklärt ihr den wahren Grund für seine Machtübernahme: Es sind künstliche Intelligenzen entwickelt worden, die den Menschen weit überlegen waren und drohten, die Menschheit auszulöschen. Er verbot alle Technologie, um die Menschheit vor dem Aussterben zu retten. 

Ophelia trifft den Entschluss, beim König zu bleiben und die Seiten zu wechseln. Der Geheimdienst vermutet einen Maulwurf im Schloss und bei den Ermittlungen versucht Ophelia sich selbst zu entlasten. Ihren Mitstreiter und Feind unter den Anwärtern Troy will sie als den Maulwurf darstellen, um im Schloss bleiben zu können. Doch es geht schief. 

Troy entpuppt sich als ebenfalls für den Widerstand tätig. Er kidnappt sie und sie wacht in einem Raum mit einer sehr stark entwickelten künstlichen Intelligenz auf. Diese zeigt ihr Aufnahmen von Lucien, wie er davon spricht, Ophelia für seine Zwecke zu manipulieren. Anscheinend haben die Mitarbeiter im Schloss schon von Anfang an gewusst, dass Ophelia für den Widerstand arbeitet und wollten ihre Verliebtheit auszunutzen, um einen Vorteil gegenüber dem Widerstand zu gewinnen. Ophelia ist am Boden zerstört. Als Troy ihr eine Waffe gibt, erklärt sie sich bereit, das Attentat auf den König durchzuführen. 

Sie verbringt einen Abend mit Lucien und muss so tun, als wäre alles wie immer, obwohl es sie schmerzt. Als er schläft, schleicht sie sich in die Zimmer des Königs und feuert die Waffe ab. Doch es löst sich kein Schuss. Sie versucht zu fliehen, doch es hat keinen Zweck. Also versucht sie, sich in die Tiefe zu stürzen, um sich umzubringen, doch auch das wird verhindert. Sie wird geschnappt. 

Wer ist es nun, der Ophelia wirklich für seine Zwecke manipuliert? Der Widerstand oder der König? Ich hoffe, dass ich im nächsten Teil Antworten auf meine Fragen bekomme. Ich freue mich schon darauf, auch die nächsten zwei Teile zu verschlingen. 

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