Schreibtipps: 5 Fehler, die ich beim Schreiben gemacht habe, die man dringend vermeiden sollte

1.) Ein langweiliger Anfang

Okay, okay, ich gebe zu, das klingt sehr offensichtlich. Doch so offensichtlich ist es gar nicht. Immer wieder lese ich Bücher, die genau diesen Punkt falsch machen und mich somit nicht einmal dazu bringen, das Buch zu kaufen. Ich lese die ersten drei Seiten, während ich in der Buchhandlung stehe und nach einem neuen Buch stöbre. Und obwohl das Cover wunderschön ist, lese ich nicht weiter. Und mir selbst ist es beim Schreiben auch passiert. Weil ich nur unbewusst wahrgenommen habe, warum mich ein Buch nicht gleich mit dem ersten Absatz packt. Ich habe es einfach mit einem Schulterzucken zurückgestellt. Und das soll natürlich nicht passieren. Das Schulterzucken sollte sich vermeiden lassen. Und der beste Trick, ist Spannung erzeugen. 

Klingt alles immer noch sehr offensichtlich, deswegen fange ich jetzt mal mit einem Beispiel an. Viele Bücher, und ich meine sehr viele, beginnen damit, dass der Charakter aufwacht. Ich bin selbst dieses Fehlers schuldig. Der Charakter wacht auf, macht sich fertig, putzt sich die Zähne, geht in die Schule. Und erstmal passiert nichts Außergewöhnliches. Nur das, was jeder von uns auch kennt. Das ist langweilig und wird eher weniger Leute in die Geschichte ziehen, weil es ja noch gar keine Geschichte gibt. 

Generell sollte es nicht zu lange dauern, bis die Geschichte richtig losgeht und Fahrt aufnimmt. Man kennt das den inciting incident. Der Moment, der die Handlung ins Rollen bringt und den Charakter dazu, sein altes Leben, wie er es kennt, die Routine, zu verlassen. Es sollte nicht 100 Seiten nur der normale Alltag der Person geschildert werden. Es soll ja auch richtig was passieren. Und je früher, desto besser.  

2.) Vermeide Klischees

Schon wieder so ein wager Tipp. Aber keine Sorge, ich werde konkreter. Denn Klischees sind mehr als nur das häufig herausgeschmissene Wort. Es sind Dinge, die deinen Leser dazu bringen zu sagen: „Das kenne ich doch schon alles schon. Das ist nichts Neues.“ Da gibt es so manche Beispiele, die man immer wieder liest und diese sollte man vermeiden, weil es eben auf Dauer langweilig ist. Wir alle werden Klischees in unseren Geschichten verarbeiten. Es geht vermutlich gar nicht anders. Aber wir sollten aufpassen, es nicht zu übertreiben. Lasst mich ein paar Beispiele nennen, die euch vielleicht auch aufgefallen sind: 

Eine Figur beschreibt sich selbst im Spiegel. Natürlich ist es am einfachsten, so das Aussehen eines Charakters zu beschreiben. Doch es wirkt unnatürlich. Wer betrachtet sich schon mehrere Minuten im Spiegel und beschreibt, welche Form die Augen haben und welcher Schwung die Lippen? Das ist schon ein bisschen narzisstisch, meiner Meinung nach. 

Auch viele Formulierungen sind ein Klischee. Der Klassiker: Schmetterlinge im Bauch. Vielleicht fällt einem ja auch eine neue Beschreibung ein, wie man Verliebtsein schildern kann. 

3.) Show, don’t tell

Szenisches Schreiben und filmisches Erzählen. Darunter versteht sich, dass man die Geschichte so erzählen sollte, dass der Leser ein Bild vor sich hat, als würde er einen Film ansehen. Man soll nicht die Unterhaltung zweier Menschen zusammenfassen, als würde man einen Essay schreiben, sondern die Dialoge beschreiben. Man könnte zum Beispiel schreiben: „Sie ging die Straße hinunter.“ Aber dann kann sich der Leser noch kein Bild machen. Das kann er erst, wenn man ausführlicher wird und es zum Beispiel so beschreibt: „Sie lief. Langsam. Und schleppend. Vielleicht würde sie ja irgendwann am Boden festkleben, wenn sie nur lange genug mir ihren Fußsohlen schlurfte. Damit sie niemals dort ankommen musste. Die Vögel zwitscherten und die Sonne prallte auf ihren Kopf hinab, dabei hätte sie viel lieber, Regen auf ihrer Haut gespürt. Das hätte so viel besser zu ihrer Laune gepasst.“

Doch natürlich gilt das nicht immer. Man kann es natürlich auch hier übertreiben. Wenn es alltägliche Dinge sind, die uninteressant und wenig relevant für die Handlung sind, sollte man bei kurzen Beschreibungen bleiben. Ich muss nicht haarklein wissen, wie sich eine Figur die Zähne putzt, außer es ist wichtig für die Handlung. 

4.) Überbeschreiben vs. Unterbeschreiben

Die Handlung sollte nicht in einem luftleeren Raum stattfinden. Das ist immer mein Problem. Ich bin so drin, die Handlung zu beschreiben, dass ich vergesse, die Menschen zu beschreiben, genauso wie die Umgebung. Wenn ich meine Geschichten nicht überarbeiten würde, wären alle Gesichter gleich und die Handlung würde in einem Vakuum spielen. Aber natürlich kann man es auch in die andere Richtung übertreiben. Es sollten nicht zu viele überflüssige Details drinstehen. Alles, was man rausstreichen könnte und es hat keinerlei Auswirkungen auf die Handlung oder die Entwicklung der Charaktere, sollte auch raus. Weil es dann die Geschichte nur unnötig in die Länge streckt und auf Dauer langweilt. 

5.) Alles hinterfragen, selbst meine Tipps

Erst meinte ich, eine Geschichte sollte nicht damit beginnen, dass ein Charakter aufwacht. Aber es gibt auch Ausnahmen dafür. Zum Beispiel kann eine Figur aufwachen, weil sie ein Schrei weckt oder jemand ihnen ein Messer an die Kehle legt. Dann ist das natürlich ein spannender Einstieg, obwohl der Charakter aufwacht. Oder das Aussehen im Spiegel beschreiben – vielleicht hat es eine Funktion für die Geschichte. Aber man sollte alles hinterfragen. Ich überlege mir immer alternative Szenarien zu meinen Szenen. Wie hätte es sonst noch ablaufen können? Vielleicht finde ich so einen Ablauf der Geschichte, der mir sogar besser gefällt, als der, den ich mir ursprünglich ausgedacht habe. 

Aber nicht nur sich selbst sollte man hinterfragen. Auch alles, was man so hört. Ich habe so viele Schreibtipps gelesen und Videos auf YouTube gesehen, dass mir irgendwann der Kopf geschwirrt hat. Doch manchmal lohnt es sich auch, mit allgemein bekannten Regeln zu brechen. Sonst wäre schließlich jede Geschichte gleich. Jeder ist anders und wird deswegen immer auch völlig andere Geschichten schreiben, das ist ja das Schöne daran. Also lasst euch von niemandem aufhalten und schreibt so, dass es sich für euch richtig anfühlt. Und wenn ich euch mit dieser Liste weitergeholfen habe, dann freut mich das. Aber wenn ihr bewusst alles brecht, was ich vorgeschlagen habe, dann freut mich das auch. Das sind nur Dinge, die mir selbst geholfen haben. Wenn ihr fünf Punkte aufstellen würdet, wären es vermutlich völlig andere. Und das ist auch gut so. 

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