Interview: Autorin Julia Dippel

Interview auf einen Blick

Was ist das Lieblingsbuch deiner Kindheit? Die Alanna-Reihe von Tamora Pierce.
Welches Genre dominiert dein Bücherregal? Eindeutig Fantasy, dicht gefolgt von Dramen, Opernlibrettos und Sachbüchern.
Was fällt dir beim Schreiben am schwersten? Das lange Sitzen.
Was fällt dir beim Schreiben am leichtesten? Dialoge.

Autorin Julia Dippel entführt ihre Leser am liebsten in fantastische Welten. Das hat sie zuletzt mit ihrer Buchreihe „Izara“ gemacht. Ab 17. Oktober kommt ihr neustes Buch „Cassardim“ pünktlich zur Frankfurter Buchmesse in die Buchläden. Im Interview erzählt sie, wie ihre Arbeit als Regisseurin und als Autorin sich bedingen, warum schwarze, geflügelte Panther der Unterschied zwischen beidem sind, und macht mit einer Andeutung auf das Finale der „Izara“-Reihe neugierig.

Du schreibst Fantasy Bücher. Was fasziniert dich an diesem Genre?

Bei Fantasy gibt es keine Grenzen. Man muss sich zwar an eine Logik halten, kann aber völlig frei alles erfinden, was einem so in den Sinn kommt.

In Izara und auch Cassardim erschaffst du neue Welten. Fällt dir Worldbuilding leicht?

Das Worldbilding fällt mir irgendwie immer super leicht. In meinem Kopf ist das immer ganz logisch. Diagramme benutze ich nur, wenn es inhaltlich extreeem verzwickt wird, oder ich in der Chronologie logisch bleiben muss. 

In Izara hast du eine komplexe Kultur mit ihren eigenen Regeln erschaffen. Verliert man da leicht den Überblick oder kennst du alle Regeln in und auswendig?

Die Regeln sind (zumindest für mich) logisch, also habe ich dabei kein Problem, den Überblick zu behalten. Schwieriger finde ich da schon, mich daran zu erinnern, welche Augenfarbe eine mittel-wichtige Person aus Band eins hatte 😉

Auf deiner Instagram Seite können sich deine Follower Bilder von den Charakteren deiner Bücher ansehen, die du gezeichnet hast. Zeichnest du oft Charaktere und einzelne Szenen, weil es dir beim Schreiben hilft?

Nein. Für Cassardim habe ich das zum ersten Mal gemacht, aber auch eher, um den Lesern einen Eindruck zu vermitteln. Die Bilder sind ohnehin schon von Anfang an in meinem Kopf. Sie auf Papier zu bringen, hilft mir dementsprechend beim Schreiben nicht.

Wenn du in eine deiner Geschichten eintauchen könntest, welche wäre das?

Oh! Ich würde so gerne mal nach Cassardim!

Mythologische Elemente fließen in deine Bücher mit ein. Die Mythologie welchen Landes hat es dir besonders angetan?

Eigentlich alle, die ich kenne. Natürlich habe ich einen engeren Bezug zu europäischen Mythologien, bzw. denen des Mittelmeerraums, aber das liegt nur daran, dass diese in meiner Schulbildung gut vertreten waren. Ganz besonders interessiert mich aber, wie Mythologien und Legenden entstanden sein könnten. Deshalb bemühe ich mich in meinen Büchern, nicht einfach zu adaptieren, sondern Erklärungen zu liefern, woher diese ganzen Legenden stammen könnten.

Warum schreibst du? Was fasziniert dich daran?

Das Schöne am Schreiben ist, dass man sich an kein Budget halten muss. Wenn ich einen geflügelten schwarzen Panther will, der durch schwebende Berge fliegt, dann schreib ich ihn einfach. Auf einer Bühne (im Restleben bin ich ja Regisseurin) ist sowas eher schwer oder nur sehr teuer umsetzbar.

Welches Genre würdest du gerne auch mal ausprobieren?

Ich fühle mich eigentlich sehr wohl im Fantasybereich, aber wenn, dann würde ich vermutlich die Thrillerecke ausprobieren.

Steht schon die ganze Geschichte, wenn du anfängst zu schreiben, oder schreibst du einfach drauf los?

Die Charaktere, die Anfangssituation und eine Idee fürs Ende stehen. Beim Rest schreib ich einfach drauf los.

Izara ist eine sehr beliebte Buchreihe. Wie fühlt es sich an zu wissen, dass so viele Menschen deine Geschichte lesen?

Ich bin überglücklich und unendlich dankbar. Es gibt so viele tolle Geschichten da draußen und ich halte es nicht für selbstverständlich, dass Izara so einen Erfolg hat.

Eine Geschichte ohne Liebesgeschichte – wäre das für dich denkbar?

Hmm, schlecht. Für mich sind Emotionen ein wichtiges Instrument in jeder Geschichte. Protagonisten/Antagonisten (eigentlich alle Charaktere) haben immer eine Antrieb, eine Not, um die Handlung in Gang zu setzen – der Wunsch nach etwas oder die Angst vor etwas. Natürlich gibt es auch andere Beziehungskonstellationen, die Antrieb sein können: Freundschaft, Familie, usw. Das gibt es in meinen Büchern ja auch. Allerdings macht es mir viel zu großen Spaß, ein bisschen Prickeln in die Geschichte zu zaubern, als dass ich auf die Liebesgeschichte verzichten wollen würde. Eine reine Liebesgeschichte ohne andere Handlungsstränge drumrum wäre mir persönlich aber auch zu irrelevant.

Was war auf deinem Weg als Autorin am schwersten?

Mich als Person zu bewerben. Darin bin ich richtig schlecht und mag es auch eigentlich nicht tun.

Wie kommst du zu deinen Ideen? Was inspiriert dich?

Alles. Von einer skurrilen Person im Supermarkt, über einen speziellen Song bis hin zu einem tollen Ort.

Du arbeitest auch als freischaffende Regisseurin. Bedingen sich deine Arbeit als Regisseurin und Autorin? Worin unterscheidet sich deine Herangehensweise als Geschichtenerzähler?

Es ist erstmal genau die entgegengesetzte Herangehensweise. Als Regisseurin verwandle ich geschriebene Worte in Bilder, als Autorin bringe ich Bilder aus meinem Kopf auf Papier. Allerdings gibt es handwerklich schon Überschneidungen, z.B. in der Personenführung und Charakterzeichnung. Einen Menschen macht ja nicht nur aus, was er sagt oder wie er handelt. Es sind die kleinen Dinge. Nestelt jemand an seinem Pulli herum? Isst jemand immer, wenn er nervös ist? Wer wirft wem Blicke zu? Geht jemand auf Abstand bei einer bestimmten Aussage? usw.  Aber auch das Verhalten in der Gruppe ist super aussagekräftig. Da habe ich durch meine jahrelangen Analysen als Regisseurin natürlich einige Erfahrungen sammeln dürfen.

Du schreibst auch eigene Stücke. Ist das Schreiben eigener Theaterstücke mit dem Schreiben eines Buches zu vergleichen?

Wenn ich das Stück dann auch inszenieren darf, ja. Dann ist es so wie ein Buch in Etappen zu schreiben. Also erst entstehen Plot und gesprochenen Texte und anschließend beim Casting suche ich mir die richtigen Personen aus, die ich dann in der Probenarbeit inszeniere: konkretes Verhalten, Körpersprache, Dynamik. Zwischendrin gibt es natürlich noch zig Besprechungen mit Kostüm- und Bühnenbildnern, um alles auch visuell meinen Vorstellungen anzupassen. Das ist beim Bücherschreiben natürlich simpler 🙂

Bei Stücken für andere Regisseure tue ich mich sehr schwer, weil ich oft ja schon die konkreten Bilder im Kopf habe. Sowas mache ich aber auch nur ganz selten.

Hast du eine seltsame Lese- oder Schreibgewohnheit?

Ich arbeite kapitelweise, schreibe immer erst die vorkommenden Dialoge am Stück und ergänze dann den Rest des Kapitels in einem zweiten Durchgang (Beschreibungen, Aktionen, Bezüge …) 

Kannst du dich noch erinnern, wovon die erste Geschichte, die du jemals geschrieben hast, gehandelt hat? Und wie alt warst du damals?

Boah,… ich erinnere mich, als Kind Comics gezeichnet und mir meine eigenen Geschichten ausgedacht zu haben, aber weder an das genaue Alter noch an den konkreten Inhalt. So ums Abi rum (also ca. mit 18) habe ich dann meine erste Buchreihe begonnen, viel geschrieben, aber nie beendet. Es war ein richtig ausuferndes High-Fantasyepos über ein Mädchen, das auf einer Priesterinnenschule aufgenommen wurde und feststellen musste, dass sie Teil einer ziemlich großen, uralten und intrigenreichen Vorgeschichte ist.

Schreibst du schon an einem neuen Buch und wenn ja, kannst du schon was darüber verraten?

Im Moment schreibe ich am Finale der Izara-Reihe. Arg viel darf ich nicht verraten, aber ich kann sagen, dass es gerade besonders spannend für mich ist, weil die Perspektiven und Wahrnehmungen sich um 180 Grad gedreht haben (Nein, ich schreibe nicht aus Lucians Sicht weiter).

2 Kommentare

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Hi, ich hab Deinen Blog gerade über Instagram entdeckt und bin komplett begeistert! *-* Seit kurzem versuche ich mich auch am Schreiben und seit noch kürzerer Zeit habe ich einen eigenen Blog , und gerade aus der Perspektive sind die Fragen, die Du gestellt hast & Deine Posts super interessant und informativ. Vielen Dank dafür 😀 Ich freue mich auf mehr Posts! 🙂

Liebe Grüße,
Emma von https://aboutashesanddragons.blogspot.com/?m=1

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