Interview: Autorin Jennifer Benkau

Interview auf einen Blick

Warum schreibst du? Ich kann nichts anderes.
Was begeistert dich am Fantasy-Genre? Begeistern ist fast das falsche Wort. Es zieht mich eher in diese Richtung, da ist – war schon immer und wird es immer bleiben – diese Sehnsucht in mir.
Was fällt dir beim Schreiben am schwersten? Das Tippen.

Am 31. August konnte Autorin Jennifer Benkau die Geburt des Auftakt Bandes ihrer Fantasy-Reihe „One True Queen“ feiern – und ihr Bookbaby schon jetzt auf der Spiegelbestsellerliste wiederfinden. Momentan ist sie auf Lesereise. Alles dreht sich um ihr neustes Werk. Und sie hat zwischen den Lesungen ein bisschen Zeit gefunden, über ihr neues Buch zu sprechen und über die Erfahrungen, die sie auf ihrem Weg gemacht hat.

In einer magischen Welt landen – ein Traum oder Albtraum für dich?

Schwer zu entscheiden, ohne die Welt konkret zu kennen. Aber ich glaube – obwohl es sicherlich albtraumhafte Züge hätte – dass ich mich in einer magischen Welt recht wohlfühlen würde. Schließlich hat jede Welt ihre Schrecken, unsere bildet da keine Ausnahme.

Du hast für „One True Queen“ eine neue Welt erschaffen. Was ist das schwierigste an Worldbuilding?

Das Worldbuilding an sich fällt mir recht leicht; das breitet sich quasi von allein vor meinen Augen aus und ergibt sich meist durch Beobachtung: Wie sind die Figuren, die diese Welt bevölkern? – Warum sind sie so? Dann kommt durch Logik eines zum anderen.
Der schwierigste Part ist, ein komplexes Worldbuilding, mit dem ich locker einen 800-Seiten-Band füllen könnte, prisenweise in den Roman zu streuen: Genug, damit die LeserInnen die Hintergründe verstehen, aber keinesfalls zu viel, denn das empfinden die LeserInnen heutzutage schnell als zu trocken. 

Wie kam dir die Idee zu „One True Queen“ ?

Meine Ideen beginnen immer ganz klein mit einem winzigen Detail, um das sich dann alles andere entfaltet. Bei Dark Canopy war es z.B. die zertretene Coladose im Rinnstein.
Bei der Queen war es die Frage: Was würde aus Peter Pan werden, sollte er eben doch erwachsen werden? Im Buch nur ein flüchtiger Gedanke, aber damit fing tatsächlich alles an.

Mailin ist ein starker Charakter. Ist es für dich wichtig, starke Protagonistinnen zu haben?

Ich mag abwechslungsreiche Figuren. Mailin ist durch ihren Hintergrund tatsächlich von Beginn an entschlossen und zielstrebig – und ich liebe ihren Humor –, aber ich mag auch Figuren gern, die sich zunächst nicht so viel zutrauen und erst lernen müssen, wie stark sie wirklich sind. 
Letztlich haben wir alle viel mehr Power, als wir uns selbst zutrauen und ich mag die Entwicklung von Figuren, die diese Kraft in sich erkennen müssen und lernen, sie zu nutzen. 

„One True Queen“ ist jetzt seit ein paar Wochen veröffentlicht. Wie war die Zeit für dich?

Überwältigend!
Ich habe ja durchaus schon mehrere Romane veröffentlicht, aber noch nie begleiteten so viele aufregende Aktionen den Verkaufsstart. Dafür bin ich dem Ravensburgerverlag unglaublich dankbar, denn das macht die Veröffentlichung zu einer gewaltigen Party. Es gab Insta-Aktionen, ich habe für Thalia 1000 Bücher signiert und bin aktuell mit Stella Tack, Stefanie Hasse und Bianca Iovioni auf Hugendubel-Lesereise – wie geil ist das denn?
Als Sahnehäubchen gab es schließlich noch die Platzierungen auf der Spiegelbestsellerliste dazu.
Ich bin wirklich überwältigt!

Was ist das Tolle an so einer Lesereise?

Oje, wo soll ich anfangen? Abgesehen davon, dass es unglaublich schön ist, mit so lieben Kolleginnen unterwegs zu sein und über all das zu reden, was man sonst mit sich selbst ausmacht, fand ich es total faszinierend, wie unterschiedlich das Publikum sich immer anfühlt. Ausgerechnet in der Stadt, wo wir alle während der Veranstaltung eher das Gefühl hatten, das Publikum wäre verhalten und nicht so begeistert, kamen zum Beispiel hinterher die tollsten Rückmeldungen. 
Die ganze Tour ist ein Riesenspaß und ich bin jetzt schon traurig, damit nicht einfach immer weitermachen zu können.

Wie kann man das Gefühl beschreiben, wenn man seine eigenen Bücher gedruckt in der Hand hält?

Witzigerweise hat jedes Buch sein ganz eigenes Gefühl. Dies besteht aus einer immer neu zusammengesetzten Mischung aus Stolz, Erleichterung, Sorge, ob es den LeserInnen wohl gefällt, und einer Prise Angst vor peinlichen Tippfehlern.

Warum schreibst du gerne Fantasy? Was begeistert dich daran?

Begeistern ist fast das falsche Wort. Es zieht mich eher in diese Richtung, da ist – war schon immer und wird es immer bleiben – diese Sehnsucht in mir. Sehnsucht nach Orten, Menschen, Erlebnissen und Abenteuern, die ich in der Realität nie gefunden habe. 
Ich glaube, ich würde einfach eingehen, wenn ich dieser Sehnsucht nicht folgen würde. 

Unterscheiden sich deine Herangehensweisen je nachdem welches Genre du schreibst?

Tatsächlich unterscheidet sich jedes Buch ein wenig von den anderen. Das hängt weniger am Genre als mehr an den Figuren. Einige kann ich sofort einschätzen, andere machen mir mitten im Buch plötzlich klar, dass all meine Pläne für sie hinfällig sind, da sie bessere Ideen haben. Dann muss man ggf halt mal ein ganzes Konzept umwerfen.

In welchem Genre würdest du dich gerne nochmal ausprobieren?

Schauen wir mal, was passiert.

Wie gehst du das Schreiben an? Wie läuft es von der ersten Idee bis zur letzten Überarbeitung ab?

Meist fange ich klassisch mit dem Anfang an, schreibe 30 bis 100 Seiten, um mich richtig einzustimmen, die Figuren kennenzulernen und die Welt zu entdecken. Dann schreibe ich ein Exposé, also eine Inhaltsangabe mit Auflösung. Mit dem Material darf mein Agent dann auf Verlagssuche gehen.
Manchmal kommt aber auch alles ganz anders. Bei der Queen habe ich z.B. zunächst meine Lektorin kennengelernt und wir haben gemeinsam am Exposé gearbeitet, bevor die erste Zeile auf dem Papier war. 

Was fällt dir beim Schreiben am schwersten?

Das Tippen. Ich bin extrem tippfaul. 

Was war für dich am schwersten auf deinem Weg als Autorin?

Eindeutig die „Totgeburten“: Es gibt Bücher, die aufgrund der riesigen Masse der Veröffentlichungen oder aufgrund vollkommen unpassender Cover so schlecht platziert werden, dass nicht einmal die BuchhändlerInnen wirklich von ihrer Existenz erfahren. Diese Bücher schaffen es dann kaum in die Läden. Das frustriert sehr, zumal die Entscheidungen, welche Titel regelrecht fallengelassen werden, oft getroffen werden, bevor das Buch überhaupt geschrieben ist. 

Wie ist dein Weg als Autorin abgelaufen, bis du dort angekommen bist, wo du jetzt bist?

Ein Schritt vor, zwei zurück, ein Schritt vor, Schlenker durchs Jammertal, wieder ein Stück vor … 😉

Welchen Tipp würdest du angehenden Autoren und Autorinnen geben?

Lesen, lesen, lesen. Schreiben, schreiben, schreiben. Und wenn ihr fertig seid, legt eure Arbeit erst mal für mindestens drei Monate weg, schreibt etwas Neues und überarbeitet es dann noch einmal frisch. Heutzutage veröffentlichen viele junge Autoren zu früh, oft muss schon aus dem ersten Manuskript gleich ein Buch werden. Aber auch das Schreiben ist ein Handwerk, das man erlernen und üben muss, bevor man das Ergebnis verkauft. 

Hast du eine Lösung für Schreibblockaden?

Bei mir haben Blockaden immer einen Grund. Irgendwo in meinem Manuskript stimmt etwas  noch nicht oder eine Szene hat noch nicht ihr Optimum erreicht, obwohl noch einiges mehr drin ist. Wenn mein Kopf blockiert, muss ich noch mal zurück zum Anfang und schauen, wo die Fäden beginnen, lose zu werden. Der Knoten am Schluss ist nur das Symptom, ich muss die Ursache finden. 

Warum schreibst du? Was begeistert dich daran?

Ich kann nichts anderes.

Schreibst du schon an einem neuen Buch und wenn ja, kannst du schon was darüber verraten?

Ich schreibe sogar schon wieder an zwei neuen Büchern, aber sprechen darf ich leider noch nicht darüber. 

Du bist Mitglied bei den Ink Rebels. Inwieweit hatte das Einfluss auf deinen Werdegang als Autorin gehabt?

Unser Label und die dahinterstehende Freundschaft haben mir vor allem in schwierigen Zeiten enorm viel Selbstvertrauen zurückgegeben. Und vermutlich habe ich auch einige Erfolge diesen tollen Kolleginnen zu verdanken, denn wir unterstützen uns gegenseitig, brainstormen gemeinsam und verteilen tolle Ideen so hemmungslos wie Süßigkeiten.

Du bietest auch Lektorat und Coachings an. Was macht dir daran Spaß?

Es ist ein unglaublich tolles Gefühl, aus einer guten Geschichte, eine hammerkrass gute zu machen. Die Zusammenarbeit mit einer Autorin oder einem Autor macht viel Spaß und ich liebe es, deren Nerven anzutitschen, sie ein bisschen zu ärgern, Ideen anzustoßen und Veränderungen zu motivieren, die dazu führen, dass am Ende Szenen dabei rumkommen, die den LeserInnen die Schuhe ausziehen.
Ich spüre am Ende eines Lektorats fast mehr Euphorie, als wenn ich selbst ein Buch geschrieben habe.

Kannst du dich noch erinnern, wovon die erste Geschichte, die du jemals geschrieben hast, gehandelt hat? Und wie alt warst du damals?

Meine erste Geschichte hieß „Bonbon und Manuela“, handelte von zwei Marienkäfern, die gefährliche Abenteuer erlebten, und ich habe sie mit meinem Cousin zusammen erdacht und auf Kassette aufgenommen, da keiner von uns beiden schreiben konnte. Ich war gerade sechs und mein Cousin vier (und da wir beim Einsprechen durch den ganzen Raum und über Tisch und Bänke tobten, hat man auf der Kassette nachher kaum etwas verstanden).

Hast du eine seltsame Lese- oder Schreibgewohnheit?

Ich trage unter 30 Grad IMMER fingerlose Handschuhe oder Armstulpen, wenn ich schreibe. Und ich trinke zu viel Kaffee und esse zu viel ungesundes Zeug – aber das ist nicht seltsam in meiner Zunft.

 

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