Interview: Autorin Tanja Voosen

Interview auf einen Blick

Lieber nie wieder lesen oder nie wieder schreiben? Ich glaube, das eine geht ohne das andere gar nicht.
Welches Genre dominiert dein Bücherregal? Eine gute Mischung aus Jugendbuch Fantasy und Kinderbüchern, mit einigen Liebesgeschichten. 
Was ist dein Lieblingsbuch aus deiner Kindheit? Die kleine Prinzessin von Frances Hodgson Burnett wird immer einen besonderen Stellenwert in meinem Leben haben. 

Autorin Tanja Voosen schreibt Bücher über Liebe, Freundschaft und alles, was ihre Fantasie noch so hervorbringt. Mit My Second Chance hat sie ihre Leser zuletzt nach Kalifornien entführt. Wohin bringt sie uns als nächstes? Ein bisschen verrät sie bereits im Interview. 

Du schreibst Fantasy und Liebesgeschichten. Was fasziniert dich an diesen beiden Genres? 

Beim Schreiben mag ich die Abwechslung sehr gerne und habe mich daher entschieden, verschiedene Genres zu schreiben. An Fantasy gefällt mir besonders gut, dass man in fremde Welten abtauchen und sich richtig kreativ ausleben kann! Es sind keine Grenzen gesetzt. Bei Liebesgeschichten mag ich vor allem die gefühlvollen Momente, wie aus dem echten Leben und die Dialoge, die oftmals von Gesprächen aus meinem eigenen Umfeld inspiriert sind!

Könntest du sagen, bei welchem Genre es dir leichter fällt, Bücher zu schreiben?

Liebesgeschichten fallen mir am leichtesten. Das liegt vor allem daran, dass ich beim Setting weniger ausarbeiten und recherchieren muss oder auch kein kompliziertes Magie-System brauche. Viel Inspiration kann man aus eigenen Erlebnissen ziehen – da schreibe ich auch gerne mal ohne viel Planung nach Gefühl los.

In welchem Genre würdest du dich gerne auch mal ausprobieren? 

Ich möchte gerne mal etwas „Älteres“ schreiben, z.B. Adult Fantasy, wo es auch gerne etwas spannender und blutiger werden kann. Was das angeht habe ich auch schon ein paar Ideen! Einen Mystery-Thriller stelle ich mir auch als eine spannende Herausforderung vor.

Du schreibst Kinder- und Jugendbücher. Was macht dir bei den jeweiligen Genres Spaß? Wo liegen die Unterschiede in deiner Arbeitsweise? 

Die Schwerpunkte bei Kinder – und Jugendbüchern sind sehr unterschiedlich. Bei Kinderbüchern geht es z.B. meist um erste Freundschaften, das Familienleben und die ersten Schritte hinaus in die Welt. Bei Jugendbüchern sind die Protagonisten weiter, lernen, wer sie sein möchten, es geht viel um den Platz in der Welt und erste Liebe. Ich mag es sehr gerne, über all diese Dinge zu schreiben! Bei Kinderbüchern plane ich definitiv mehr, da für eine bestimmte Altersgruppe meist ein Rahmen dort ist, was z.B. Länge des Romans oder auch das Vokabular angeht. Beim Jugendbuch kann ich etwas „freier“ schreiben. 

Mädchen stehen im Fokus deiner Geschichten. Warum ist es interessant über jugendliche Mädchen Geschichten zu schreiben? 

Ganz simpel gesagt, weil ich selbst ein Mädchen / Frau bin und daher die Perspektive, aus der ich schreibe, kenne. Ich habe aber auch mehrere Ideen in der Schublade, bei denen ich aus verschiedenen Perspektiven schreibe – an denen arbeite ich noch. Ich möchte nämlich niemanden falsch repräsentieren und daher ist es mir wichtig, mich gut auf bestimmte Figuren „vorzubereiten“. 

Auf deiner Webseite steht, dass Geschichten nicht immer Teil deines Lebens waren. Wie kam es dann dazu, dass du Autorin wurdest? 

Ich habe früher sehr gerne gezeichnet und mir gewünscht, mal Mangas oder Comics zu veröffentlichen. Aber, mir ist es immer sehr schwergefallen, mit Bildern meine Geschichten auszudrücken und dann habe ich mich an einer Kurzgeschichte versucht und gemerkt, wie viel Spaß ich dabei hatte – und außerdem, dass ich mit Wörtern viel besser Bilder zeichnen kann, als mit Bildern Worte! Das war so ein wenig der Anfang bei mir. 

Kannst du dich noch erinnern, wovon die erste Geschichte, die du jemals geschrieben hast, gehandelt hat? Und wie alt warst du damals? 

Oje, haha … die erste Geschichte habe ich 2003 geschrieben, noch richtig altmodisch mit Hand auf Papier. Es ging um ein kleines Mädchen namens Penny, das ihre Familie vor Albtraum-Monstern retten muss. Die Geschichte war furchtbar schlecht! 

Wie kommst du zu deinen Ideen? 

Ich sammle meine Inspiration überall. Bei Spaziergängen, Ausflügen mit Freunden, wenn ich Musik höre, lese oder neue Orte für mich entdecke. Vieles kommt auch von meinen Wünschen, z.B. würde ich wahnsinnig gerne mal nach Kalifornien, also spielen einige meiner Geschichten auch dort!

Wie läuft dein Schreibprozess ab? 

Das ist sehr unterschiedlich. Meist sammle ich erste Ideen, wie ein Puzzle. Hier ein Teil und dort eins und dann setze ich das Bild nach und nach zusammen. Ich schreibe dann oft ein Exposé, in dem das Wichtigste über die Figuren und Handlung steht und benutze dieses als Orientierung beim Schreiben. Es passiert aber auch oft, dass da plötzlich ein Charakter in meinem Kopf auftaucht und ich einfach die ersten Kapitel seiner Geschichte schreibe, ohne zu wissen, wo es eigentlich hingeht.

Was fällt dir beim Schreiben am schwersten? 

Beschreibungen von Orten, die ich selbst noch nicht gesehen habe. Ich gebe immer mein Bestes, recherchiere und schaue mir alles an, was ich finden kann, aber dennoch fällt es mir oft schwer besondere Stimmungen einzufangen. Daran sitze ich dann meist etwas länger, an z.B. Dialogen. 

Welchen Tipp würdest du angehenden Autorinnen und Autoren geben? 

Es gibt ja die gängigen Tipps wie „viel lesen“ oder „schreiben, schreiben, schreiben – so lernt man es am besten“ und die stimmen auch. Mein Tipp wäre noch: Schaut nicht auf das, was andere machen. Das ist leichter gesagt, als getan, aber man vergleicht sich oft mit bereits fertigen Büchern und fühlt sich daneben sehr klein. Diese Romane haben aber schon diverse Überarbeitungen und ein Lektorat durchlaufen. Meine Rohfassungen sind auch immer super chaotisch und voller Fehler. Habt keine Angst, was falsch zu machen!

Gibt es ein Heilmittel gegen Schreibblockaden? Wenn ja, kannst du es uns bitte verraten? 

Eine meiner Lieblingsautorinnen (Leigh Bardugo) hat dazu mal etwas sehr Treffendes gesagt! Sie meinte, man hat Schreibblockaden nur aus zwei Gründen: Erstens, weil man nicht weiß, was man schreiben soll oder, weil man Angst hat, vor dem, was man schreiben will. Ihr Tipp war dann, eine Pause einlegen, bei Fall eins noch mal durchdenken, was für eine Szene / Kapitel man schreiben will und bei Fall zwei, dass man nicht zu streng zu sich selbst sein sollte. Das ist wie mit den Rohversionen: Irgendwo fängt jeder an. 

Wie ist dein Weg als Autorin abgelaufen, bis du dort angekommen bist, wo du jetzt bist? 

Ich habe mich zuerst bei einem Kleinverlag beworben. Damals regnete es nur Absagen für mich und ich bin 2010 dort untergekommen und habe mich sehr gefreut. Mein erster Roman erschien sogar ganz ohne Lektorat, so klein war der Verlag. Dann habe ich versucht, mich zu verbessern, habe mich über viele Jahre hinweg beworben und bin so schließlich bei Impress (Ebook Label von Carlsen) gelandet. Ich habe einige Jahre Ebooks veröffentlicht und es dann wieder mit Bewerbungen probiert, um eine Literaturagentur zu finden – ohne Erfolg. Irgendwann, so 2015 um den Dreh, bekam ich von einer Carlsen Lektorin das Angebot für Kinderbücher und dann gings bergauf. Zwei Jahre hat es gedauert, bis ich bei meiner derzeitigen Agentur unterkam. In der Zwischenzeit habe ich auch etwas im Selfpublishing gemacht und die Kinderbücher veröffentlicht. Dann kam der Sprung, als 2017 ein Jugendbuch an Heyne vermittelt wurde und jetzt, wieder zwei Jahre später, darf ich mich Autorin bei Carlsen, Heyne und in Zukunft auch Arena nennen. Ich habe 2009 mit dem Schreiben angefangen und zehn Jahre später bin ich dort angekommen, wo ich jetzt bin und dafür sehr dankbar. Deshalb sage ich auch jedem, dass man niemals aufgeben darf, wenn man aus ganzem Herzen schreiben möchte. 

Wie kann man das Gefühl beschreiben, wenn man seine eigenen Bücher gedruckt in der Hand hält? 

U-N-B-E-S-C-H-R-E-I-B-L-I-C-H! Ich könnte bei jedem Gang in die Buchhandlung noch immer vor Freude weinen, weil es Zeiten gab, in denen ich nicht mehr daran geglaubt habe, dass das mal passieren wird! 

Kannst du sagen, welcher deiner Protagonistinnen du am ähnlichsten bist und warum? 

Vermutlich bin ich Lucy aus Herbstflüstern am ähnlichsten. Sie kämpft damit, sich aus ihrer Komfortzone zu bewegen und mutiger zu sein, neue Dinge auszutesten … das versuche ich auch heute noch jeden Tag. 

Schreibst du gerade an einem neuen Buch. Wenn ja, kannst du schon ein bisschen was darüber verraten? 

Ich arbeite gerade an einem Kinderbuch. Es wird Anfang 2020 beim Arena Verlag erscheinen. Die Protagonistin heißt Elina, ist 12 Jahre alt und stinknormal. Sie gerät allerdings in eine Menge magisches Chaos hinein! 

Hast du eine seltsame Lese- oder Schreibgewohnheit?

Ich mache, wenn ich ganz angestrengt schreibe, immer einen komischen Mund, hahaha! So ein richtiges Spitzfischgesicht. Das habe ich schon als Kind immer getan! 

Wenn du in einer deiner Geschichten mitspielen könntest, welche wäre es?

Derzeit sehr gerne in My Second Chance! Erstens, sie spielt in Kalifornien direkt am Meer und zweitens, dort gibt eine zauberhafte Ranch mit Pferden, auf der ich zu gerne leben würde. 

Schreibe einen Kommentar