Rezension: Prince of Passion. Henry von Emma Chase

Rezension auf einen Blick

Themen: Selbstfindung, Reality-TV, Sinn und Sinnlichkeit
So hat sich das Buch angefühlt: belesen, rebellisch, zuckersüß
Der erste Satz: „Dreck.“

Vorwarnung: Der erste Teil dieser Rezension ist frei von Spoilern. Die Informationen, die ich preisgebe, stehen auf den ersten Seiten des Buches oder im Klappentext. Ab dem Absatz mit der Überschrift „Spoilerwarnung“ bespreche ich die vollständige Handlung des Buches. Ab da verrate ich also wichtige Punkte, die ihr vielleicht nicht verraten haben wollt. Also wer das Buch noch ohne Vorwissen lesen will, sollte dort aus dem Text aussteigen.

Ohne Spoiler

Henry John Edgar Thomas Pembrook Prinz von Wessco ist neuerdings der Thronerbe. Weil sein Bruder den Thron für die Liebe seines Lebens aufgegeben hat, ist das Leben, wie er es kannte mit einem Schlag vorbei. Seine Eskapaden lässt man ihm jetzt nicht einfach so durchgehen. Er muss lernen Verantwortung zu übernehmen. Und das fällt ihm nicht gerade leicht. Die Queen, die bei ihm immer zwei Augen zugedrückt hat, ist jetzt streng mit ihm. Und nach seinem letzten Skandal schickt sie ihn aufs Land, auf einen langweiligen Landsitz, wo er hoffentlich nichts anstellen kann. Das hat sie wohl nicht ganz durchdacht. Denn Henry hat die Gabe, sich überall in Probleme hinein zu manövrieren. Henry hat einen Plan, sich die Zeit mit seichtem Spaß zu versüßen. Eine Reality-TV-Show. Das Konzept ist simpel: Der Bachelor – Royal Edition. Ein Prinz und zwanzig Adelige, die danach streben, Prinzessin zu werden. Klingt genau nach Henrys Geschmack. Doch das läuft nicht ganz so wie geplant als Sarah, die Bibliothekarin, in sein Leben tritt. Sie wird von ihrer Schwester genötigt, sie zu begleiten. Und auf einmal kann sich Henry gar nicht mehr auf die ganzen schönen Frauen um ihn herumkonzentrieren, weil Sarah ihm nicht mehr aus dem Kopf geht.

Kitsch kann etwas so Schönes sein. Und dieses Buch ist genau das. Es ist teilweise so süß und traumhaft, dass man sich nicht wundern würde, wenn ein Einhorn, das Glitzer wiehert, gleich durchs Zimmer geritten kommt. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich das Buch nicht genossen habe. Das habe ich. Denn manchmal liebe ich Kitsch. Manchmal brauche ich Kitsch. 

Natürlich klingt die Geschichte nicht wie etwas vollkommen neues. Ein schüchternes Mädchen, das ihre Nase lieber zwischen den Seiten eines Buches vergräbt, als auf Partys zu gehen und ein Frauenheld, der nur von einer Party auf die nächste rennt. Schon mal da gewesen? Auf jeden Fall. Ein Grund, dieses Buch nicht zu lesen? Auf keinen Fall. Denn lässt man sich auf diese Liebesgeschichte ein, dann verliebt man sich unwillkürlich in beide. 

Sarahs Humor ist toll, vielleicht weil sie ihn ständig nur in ihrem Kopf behält und kaum herauslässt. Ich habe sie sofort geliebt, genauso wie ihre Anspielungen auf Bücher, die sie gelesen hat. Sie erinnert mich von ihrer Art her an „Die zauberhafte Welt der Amelie“ oder „Der wunderbare Garten der Bella Brown“ und ich liebe beide Filme über alles. 

Auch Henry hat es mir angetan. Mit seinem Bruder im letzten Buch musste ich erst warm werden. Und das hat wirklich lange gedauert. Doch Henry mochte ich schon, als man ihn im Buch über seinen Bruder Nicholas kennengelernt hat. Und in diesem Buch ging es gleich weiter. Henry hat eine verschmitzte jugendliche Art, die seine schlechten Eigenschaften mit einem schiefen Grinsen einfach überdecken. Ich musste sehr oft beim Lesen auflachen, weil er schlagfertig und auf eine spitzbübische Art charmant ist. 

Er und Sarah haben eine wirklich schöne Dynamik. Sie mag zwar schüchtern sein, doch sie lässt sich nicht vom Prinzen blenden und sagt ihm direkt, wenn er sich daneben benimmt. Etwas, was Henry sehr oft wirklich braucht. Wer Lust hat auf eine schöne Romanze zum Schwärmen, sollte dieses Buch lesen. 

Spoilerwarnung

So weitergeht’s und ich kann ein bisschen konkreter werden, warum ich diesen Teil so viel besser fand als den über Nicholas. 

Wie schon angedeutet, die Kombination von den beiden Hauptcharakteren hat man schon oft gelesen. Das unschuldige Mädchen und der umtriebige Frauenheld. Sarah sagt es selbst: „Verdammt ich bin ein Klischee.“ Aber das hat mir nichts ausgemacht. Weil die beiden dabei doch originell waren, auf ihre ganz eigene Art. Denn sie haben sich durch den anderen selbst gefunden. Sie haben gezeigt, wie man gemeinsam wächst. Wie man durch die Stärken des anderen manche der eigenen Schwächen überwinden kann. Wie man zu zweit viel besser wird, als man alleine hätte sein können. Sarah wurde mutiger und Henry ruhiger. Keiner von beiden musste sich verbiegen, um zum anderen passen zu können. Sie sind aufeinander zugekommen. 

Was ich sehr gut fand, war, dass sich die Beziehung schon völlig entwickelt hatte, bevor sie körperlich wurde. Sie kannten sich und liebten sich, bevor sie Sex hatten. Aber keine Sorge. Der kam auch noch an die Reihe. Aber dadurch, dass die Gefühle zuerst da waren, hatte die Beziehung etwas sehr echtes und aufrichtiges, was mich wirklich sehr mitgerissen hat. Mit Sarah hatte Henry auch eine sehr süße, zurückhaltende, fast schon schüchterne Seite und das fand ich schön. Nicht nur der Prinzen Bad Boy. Sondern mehr als das. 

Und der Humor ist auf jeden Fall auch ein guter Grund dafür, dieses Buch zu lesen. Als James, Henrys Bodyguard, der oft durch den impulsiven Prinzen die Fassung verliert, diesen an die Kinderleine schnallen wollte, bin ich vor Lachen fast gestorben. Und so ist es mit dem ganzen Buch. Es ist richtig witzig. 

Und hat tolle Nebenfiguren. Franny war zum Glück wieder mit von der Partie. Schon im Buch vorher war sie mein absoluter Liebling und auch hier hat sie nicht enttäuscht. Und dann sind da natürlich noch Sarahs bester Freund Willard. Er nennt Henry „Prinzessin“, das ist eigentlich alles, was man zu wissen braucht, um ihn einfach nur lieben zu können. Und wenn das nicht reicht, Henry hat ihn mal sehr gut beschrieben, „Sarkasmus, dein Name ist Willard.“ Wir alle brauchen einen Freund, der gewillt ist, für uns den Kronprinzen seines Landes einfach stehen zu lassen, weil er uns wehgetan hat. Jeder sollte einen Willard in seinem Leben haben.

Das Einzige, was mich dann doch ein bisschen irritiert hat, war, als selbst mir die Geschichte ein bisschen zu kitschig wurde. Am Ende war der Kitsch ein bisschen viel. Henry hat sich Sarahs Gesicht auf den Unterarm tätowieren lassen?!? Das ist nicht meine Vorstellung von Romantik. Aber so waren die beiden eben. Hoffnungslos verliebt. Und auch wenn es am Ende kaum noch erträglich war vor lauter Verliebtheit, wie wenn man direkt neben engen Freunden steht, die eng ineinander verschlungen stehen und nicht die Finger voneinander lassen können, obwohl man direkt daneben steht, gönnt man es ihnen doch. Und die letzten zwei Seiten haben mich wieder gerührt und mich mit einem wunderschön wohligen Gefühl zurückgelassen, weswegen ich es Henry doch verzeihen konnte, dass er sich ein Gesicht auf den Unterarm hat tätowieren lassen. Und das würde ich nicht jedem verzeihen. 

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