Rezension: Silber. Das erste Buch der Träume von Kerstin Gier

Rezension auf einen Blick

Themen: Träume, Geheimnisse, Blondinen Boygroup
So hat sich das Buch angefühlt: frech, kreativ, lustig
Der erste Satz: „Der Hund schnüffelte an meinem Koffer.“

Vorwarnung: Der erste Teil dieser Rezension ist frei von Spoilern. Die Informationen, die ich preisgebe, stehen auf den ersten Seiten des Buches oder im Klappentext. Ab dem Absatz mit der Überschrift „Spoilerwarnung“ bespreche ich die vollständige Handlung des Buches. Ab da verrate ich also wichtige Punkte, die ihr vielleicht nicht verraten haben wollt. Also wer das Buch noch ohne Vorwissen lesen will, sollte dort aus dem Text aussteigen.

Ohne Spoiler

Liv und ihre kleine Schwester landen in London und sofort folgen die ersten Überraschungen. Ihre Mutter zieht mit ihnen nicht wie versprochen in ein süßes Cottage, sondern nach London, um ihrem neuen Freund Ernest näher sein zu können. Und sie sollen auch noch auf die gleiche schicke Privatschule gehen wie dessen Kinder.  Und sich in einer neuen Schule einzufinden, ist schon schwer genug, da muss es nicht auch noch diese Gruppe von Jungs geben, die Liv das Leben schwer machen. Doch mit Liv kann niemand einfach umgehen, wie er will. Sie ist tough und lässt sich nichts gefallen. Dann reden die Leute eben über sie. Auch egal. Doch dann beginnt sie, seltsame Träume zu haben. Unglaublich reale Träume. Und was haben eigentlich diese vier Jungs damit zu tun?

Neben Harry Potter war die Edelstein Trilogie von Kerstin Gier die Buchreihe, die ich in meiner Kindheit am meisten geliebt habe. Und die Edelstein Trilogie lese ich fast jedes Jahr noch einmal. Ich werde von dieser Geschichte niemals genug kriegen. Deswegen kann ich kaum ein anderes Buch von Kerstin Gier lesen, ohne es mit diesem Meisterwerk von einer Reihe zu vergleichen. Auch bei Silber ging mir das am Anfang so. Zum Beispiel finde ich, dass Liv mich sehr an Leslie erinnert, die beste Freundin der Protagonistin aus Rubinrot. Auch der typische Kerstin Gier Humor taucht wieder auf. Und ich habe schon Leute gehört, die deswegen meinten, dass Silber genauso ist wie die Rubinrot-Reihe. Doch da bin ich ganz anderer Meinung. Kerstin Giers Humor war immer einer der Gründe, warum ich ihre Bücher so liebe und Silber greift genau diesen wieder auf. Es gab viele Stellen im Buch, wo ich laut auflachen musste. 

Trotzdem ist Silber ein ganz anderes Buch als die Rubinrot-Reihe und das ist auch gut so. Liv ist überhaupt nicht wie Gwendolyn. Sie ist sowas wie eine Detektivin in dieser Geschichte. Sie ist skeptisch. Sie ist nicht bereit, irgendjemandem einfach über den Weg zu trauen. Und die verrückte Geschichte, in die sie hinein verwickelt wird, glaubt sie erst recht nicht. Ich liebe ihren Charakter. Ich wünschte, ich wäre mit 15 Jahren auch schon so cool und selbstsicher gewesen. 

Aber nicht nur Liv ist ein toller Charakter. Ihre kleine Schwester Mia ist mindestens genauso cool. Wenn nicht noch cooler. Diese Familie ist wirklich gut geraten. Und ihr Au Pair ist auch so ein lieber Mensch. Auch gefällt mir die Entwicklung der Nebencharaktere, die Liv zu Beginn nicht trauen kann. Eigentlich ist sie jedem gegenüber misstrauisch, doch im Verlauf der Geschichte erfahren wir immer mehr über die Menschen und lernen auch ihre positiven Seiten kennen, von denen Liv nicht einmal glauben wollte, dass sie solche Seiten haben. 

Das Buch ist wirklich toll. Ich glaube, dass ich niemals genug von Kerstin Giers Schreibstil haben werde. Ihre Ideen sind originell und gut durchdacht, die Charaktere wirken greifbar und alles wird von ihrem Humor abgerundet. Dieses Buch kann ich wirklich nur empfehlen. 

Spoilerwarnung

So jetzt kann ich ein bisschen mehr auf das fantastische Konzept hinter der Geschichte eingehen. Die vier Jungs, auf die Liv treffen, haben ein Geheimnis. Sie haben eine Dämonenbeschwörung vollzogen und haben seitdem wie eine Traumwelt, in die sie nachts reisen können. Dort können sie sich auch gegenseitig treffen. Jeder hat eine andere Tür, die zu seiner Traumwelt führt. So kann man in die Träume einer anderen Person eindringen. Und das macht Liv auch gleich. Und ist immer noch nicht bereit, alles zu glauben. Schon gar nicht lässt sich nicht von den hübschen Gesichtern der Jungen täuschen. 

Die Jungsgruppe, in die sie hineinrutscht, sind mehr oder weniger die Anführer ihrer Schule. Sie sind angesagt und alle schwärmen für sie. Ihr quasi Stiefbruder Grayson ist einer von ihnen. Doch für wen sie sich sofort interessiert, ist Henry. Er ist vermutlich der schlauste von den Jungs und Liv somit am ehesten gewachsen. Als sie sich das erste Mal in die Traumwelt schleicht, ist er der Einzige, der versteht, dass sie wirklich dort ist und nicht nur eine Einbildung von ihnen. 

Liv will dem Geheimnis auf den Grund gehen und kann dabei auch manipulativ sein. Sie glaubt den Jungs ihre Geschichte nicht, tut aber so, als würde sie es. Die Jungs glauben daran, dass es tatsächlich einen Dämon gibt, der Wünsche erfüllen kann oder einem nehmen, was man am meisten liebt. Das ist dem Mädchen geschehen, das vor Liv Teil der Runde war. Anabel. Mit Livs Hilfe wollen sie aus dem Deal rauskommen. Und weil Liv furchtlos ist, lässt sie sich darauf ein. Sie ist viel zu neugierig, um es nicht zu tun. 

Die Dynamik, die sie mit allen vieren hat, war sehr unterhaltsam. Alle Mädchen an der Schule sind von der Blondinen Boygroup geblendet. Sie ganz sicher nicht. Auch interessiert sie sich nicht sonderlich für Tratsch, obwohl das an ihrer Schule eine große Rolle spielt. Denn die hat ihr hauseigenes Gossip Girl, das immer alles zu wissen scheint. Und durch ihre Geschichten entscheiden kann, wer auf den Radar kommt und wer nicht. 

Aber nicht nur Livs detektivische Seite hat mir Spaß gemacht, sondern auch die Entwicklung ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Interaktion mit ihr und den Kindern ihres quasi Stiefvaters hat dem Ganzen nochmal etwas sehr Realistisches gegeben. Alle hassen es, dass sie nun in einem Haus leben müssen. Doch sie lernen, sich zu akzeptieren und lernen, miteinander umzugehen. Auch ihre Dynamik mit Henry ist toll. Wie die beiden umeinander herumtänzeln, sich nie etwas schenken und dann wieder sehr ernste und liebevolle Momente miteinander teilen. Trotzdem behält Henry etwas Mysteriöses und Unberechenbares. Am Ende des Buches war ich mir noch nicht hundertprozentig sicher, ob ich ihm trauen kann. 

Das Ende des Buches ist nur halb offen. Liv fällt fast einem Opferungsritual zum Opfer, kann aber gerettet werden. Der Übeltäter, Anabel, scheint gebannt. Doch natürlich nicht für lange. Es brodelt weiter unter der Oberfläche und vieles bleibt unbeantwortet. Ich muss wirklich die nächsten zwei Teile lesen. Ich muss wissen, was mit Liv, Henry und Grayson noch alles passiert. 

Vielen Dank, Kerstin Gier, dass du wieder eine Welt erschaffen hast, in der ich mich verlieren und Charaktere, in die ich mich verlieben kann. 

Schreibe einen Kommentar