Schreibtipps: Ein Fragebogen, mit dem ihr eure Charaktere besser kennenlernt

Charaktere sollen sich echt anfühlen. Wenn man ein Buch liest, will man vergessen, dass man ein Buch liest und in die Geschichte eintauchen. Kurz vergessen, dass sie nicht real ist. Und das geht nur durch gute Charaktere. Doch diese zu erfinden, ist gar nicht so einfach. Einen guten Trick, den ich beim Schreiben gelernt habe, ist, dass man als der Autor der Geschichte mehr über die Charaktere wissen sollte, als am Ende auf den Seiten steht. Das klingt vielleicht nach vergeudeter Zeit, doch es ist sinnvoll, sehr viel zu wissen. Mehr als man braucht. Um ein Gefühl für seine Figuren zu bekommen. Um selbst zu erfahren, was es für ein Mensch ist. Nur dann kann man auch eine Handlung schaffen, die zur Figur passt. Nur dann kann man sagen: So würde meine Figur handeln oder eben nicht. 

Hier habe ich einen Fragenkatalog zusammengestellt, den ihr euren Charakteren stellen könnt. Zunächst einmal die Grundlagen. 

Wie heißt  du?
Wie alt bist du?
Wo arbeitest du?
Welches Verhältnis hast du zu deinen Eltern?
Was ist dein Ziel? Deine Motivation? Deine Leidenschaft?
Was treibt dich an?
Wie entwickelst du dich in der Geschichte?
Wer sind deine besten Freunde?
Wer ist dir am wichtigsten?
Wen liebst du und warum?
Wie war deine Kindheit? War sie glücklich oder schwierig?
Was ist deine erste Erinnerung?

Das sind vermutlich alles Fragen, die ihr euren Charakteren bereits gestellt habt und das sind natürlich auch die wichtigsten Punkte. Aber es geht darüber hinaus, damit ein Charakter wie ein normaler Mensch wirkt. Wir sind schließlich auch wesentlich mehr als diese Punkte. Also geht es darum, so viele Details wie möglich, über die Person, die man beschreiben will, herauszufinden. Auch, wenn diese Details nicht auftauchen werden in der Geschichte (nicht alle), hilft es einem doch, um ein besseres Gefühl für die Person zu bekommen. 

Wie trinkst du deinen Kaffee?
Was ist dein Lieblingsessen?
Welche Bücher liest du gerne?
Was ist dein Lieblingsfilm?
Magst du lieber Liebesfilme oder Horrorfilme?
Was hast du deiner Mutter oder Vater zum letzten Geburtstag geschenkt?
Welche Musik hörst du? Welche hasst du?
Wo würdest du gerne mal hinreisen? Wo bist du hingereist?
Wie verbringst du deine freien Sonntage am liebsten?
Wie reagierst du auf Stress?
Welche Situationen setzen dich unter Stress?
Was bringt dich zum Weinen?
Was zum Lachen?
Was bereust du in deinem Leben?
Was war der schlimmste Moment deines Lebens? Was der schönste? 
Warst du schonmal verliebt?
Wurde schon mal dein Herz gebrochen?
Gruselst du dich im Dunkeln?
Lebst du lieber alleine oder in einer WG?
Wer ist der wichtigste Mensch in deinem Leben?
Magst du lieber Hunde oder Katzen?
Hast du eine große Familie oder eine kleine?
Sprichst du gerne vor Menschen oder hast du einen richtigen Horror davor?
Stehst du gerne im Mittelpunkt oder bist du lieber unsichtbar?
Hast du Geschwister?
Bist du offen oder verschlossen?
Hast du ein Tattoo oder willst eins?
Ist deine Grundstimmung eher traurig oder gut gelaunt?
Versteckst du deine Gefühle vor anderen oder musst du ständig über alles reden?
Was ist deine Lieblingsjahreszeit?
Gehst du gerne feiern oder bleibst du lieber Zuhause?
Bist du Romantiker oder Realist?
Liest du zuerst die letzte Seite eines Buches?
Denkst du, dass es Menschen gibt, die sich nicht ändern können?
Glaubst du, dass Gutes in jedem Menschen steckt?
Vertraust du anderen schnell oder dauert es lange?
Lachst du oft oder selten?
Ziehen dich offene oder verschlossene Menschen an?
Was ist deine größte Angst?
Was brauchst du, wenn du traurig bist?
Kannst du gut lügen? Lügst du häufig, wenn du es für nötig hältst?
Bist du eine Nachteule oder Frühaufsteher?

Und jetzt noch hypothetische Fragen. Dies sind Fragen, die sich auf Situationen beziehen, in die die Figur vielleicht niemals kommen wird. Wenn ihr einen Liebesroman schreibt, wird die Hauptperson nicht unbedingt eine Waffe vor die Nase gehalten bekommen. Aber wenn es so wäre, wie würde sie damit umgehen? Auch so etwas kann helfen, den Charaktere besser zu verstehen. 

Wie würdest du reagieren, wenn dich jemand mit einer Waffe bedroht?
Wie würdest du reagieren, wenn jemand, den du liebst, mit einer Waffe bedroht würde?
Würdest du für einen anderen Menschen dein Leben geben?
Würdest du jemandem helfen, den du gar nicht kennst?
Könntest du deinem größten Feind vergeben?
Was würdest du tun, wenn die Person, die du liebst, stirbt?
Würdest du dich prügeln, um jemanden zu verteidigen?
Wenn du entführt würdest, würdest du den Kopf unten halten oder dich wehren?
Wenn du sehen würdest, dass jemand gehänselt würde, würdest du einschreiten oder still bleiben?

Natürlich gibt es tausende weitere Fragen, die man seinen Charakteren stellen könnte, doch das sind die, die ich meinen immer stelle. Natürlich nicht immer alle. Und man muss sich das nicht unbedingt aufschreiben. Aber es geht einfach darum, über so etwas nachzudenken. Die Charaktere im Kopf hin und her wälzen, bis man das Gefühl hat, dass es Menschen sind, die man wirklich kennt. Wie einen Freund. Mir hat das immer geholfen und vielleicht helft es ja auch euch. Würde mich freuen. Und jetzt viel Spaß dabei, eure Figuren zu verhören. 

Schreibe einen Kommentar