Rezension: New Beginnings von Lilly Lucas

Rezension auf einen Blick

Themen: Au-pair, Ski, Liebeskummer
So fühlt sich das Buch an: heimlich, unausweichlich, familiär
Der erste Satz: „Blumen, Luftballons, ein Willkommensschild.“

Vorwarnung: Der erste Teil dieser Rezension ist frei von Spoilern. Die Informationen, die ich preisgebe, stehen auf den ersten Seiten des Buches oder im Klappentext. Ab dem Absatz mit der Überschrift „Spoilerwarnung“ bespreche ich die vollständige Handlung des Buches. Ab da verrate ich also wichtige Punkte, die ihr vielleicht nicht verraten haben wollt. Also wer das Buch noch ohne Vorwissen lesen will, sollte dort aus dem Text aussteigen.

Ohne Spoiler

So hätte sich Lena ihre Ankunft in den USA wirklich nicht vorgestellt. Sie ist stundenlang geflogen. Um die halbe Welt. Kennt niemanden außer ihrer Au-pair-Familie. Doch als sie landet, ist von Jack und Amy Cooper keine Spur. Der Akku ihres Handys ist leer. Sie ist auf sich allein gestellt. Mit einem Bus fährt sie quer durch Colorado bis in die Kleinstadt Green Valley in den Rocky Mountains. Als hätte Lena noch mehr Zeichen gebraucht, dass sie eigentlich nicht hierher gehört. Die Berlinerin ist ein Großstadtkind und kann mit Bergen eigentlich wenig anfangen. Und als sie endlich vor der Tür steht, öffnet ihr nicht Jack oder Amy, sondern Ryan. Jacks kleiner Bruder, der gefallene Held von Green Valley. Er musste nach einem Skiunfall seine Profikarriere beenden und wohnt nun unfreiwillig bei seinem Bruder. Seine schlechte Laune lässt er an Lena aus. Von der ersten Sekunde, in der die beiden sich kennenlernen. Doch natürlich entwickelt sich noch etwas anderes daraus. 

Was mir an dieser Geschichte sehr gefallen hat, ist, dass es ein deutsches Mädchen in den USA ist. Normalerweise sind die Protagonisten in New Adult Romanen Amerikaner. Lilly Lucas hat hier mal was anderes ausprobiert. Auch den Aspekt, sich in einem fremden Land mit anderer Sprache zurecht zu finden, fand ich interessant. 

Lena ist ein Charakter, mit dem ich mich gut identifizieren konnte. Sie ist ein bisschen verloren. Sie weiß nicht, was sie vom Leben will und hofft, dass ihr die Auszeit in Amerika gut tun wird. Sie ist sehr sympathisch. Genauso wie die Coopers. Nachdem ich das Buch gelesen hatte, habe ich mir sehr gut vorstellen können, ein Jahr bei ihnen in Green Valley zu verbringen. 

Ryan ist ein sehr interessanter Charakter. Durch seinen Schicksalsschlag ist es nicht leicht, mit ihm umzugehen. Es fällt ihm schwer, die Folgen seines Unfalls zu verarbeiten. Doch Lena lässt sich nichts gefallen.  Der Klappentext des Buches beschreibt ihre Dynamik sehr passend: „Was sich neckt, das liebt sich.“ 

Vielleicht haben einige von euch genauso wie Lena Au-pair gemacht. Ich kann mir vorstellen, dass das Buch dann noch mehr Spaß macht. Aber auch ich habe es gerne gelesen, obwohl ich diese Erfahrung nicht selbst gemacht habe. Das Buch liest sich sehr flüssig, ich habe es in wenigen Tagen durchgelesen. Es ist spannend und einfühlsam. 

Spoilerwarnung

So, kurzer Moment, um abzuspringen, um das Buch ohne Spoiler genießen zu können… Immer noch da? Dann weiter gehts. 

Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass Ryan und Lena zusammen das Hotel der Familie renoviert haben, um es wieder in Betrieb zu nehmen. So haben sie mehr und mehr zueinander gefunden. Sie haben sich dann nicht mehr nur gegenseitig angefaucht, sondern gelernt, zusammenzuarbeiten. Ryan hatte sehr liebe Momente und dann war er wieder kalt. Was ich da sehr erfrischend fand, war Lenas Umgang mit seinen Launen. Sie hat ihn damit konfrontiert und sich nicht einfach alles gefallen lassen. Sie wollte ihn aber nicht einfach nur anschreien. Sie wollte ihn auch verstehen. Und hatte schon sehr früh einen guten Einfluss auf ihn. Wenn sie ihm gesagt hat, dass er sich seiner Familie gegenüber unfair verhält, dann hat er sein Verhalten verändert. Nicht nur zur Überraschung seiner Familie, sondern auch Lenas. 

Wie die beiden miteinander umgehen, hat für mich immer Sinn gemacht. Wenn sie sich aussprechen, aber auch, wenn sie genervt voneinander sind. Dass Lena versucht, ihn eifersüchtig zu machen, konnte ich sehr gut nachvollziehen. Genauso Ryans Frustration und seinen  Wunsch, an seinem alten Leben mit allen Mitteln festzuhalten. Auch wenn das bedeutet, Lena zurückzulassen. Was mir beim hinteren Drittel des Buches kurzzeitig das Herz gebrochen hat. 

Seine Ex-Freundin taucht auf, als gerade eigentlich alles super zwischen Ryan und Lena läuft. Sie bietet ihm die Chance, mit ihr zu reisen. So wie früher, als er genauso wie sie noch Profisportler war. Doch Lena kennt ihn inzwischen gut genug. Sie erkennt, dass es ihm nicht reichen wird, nur zu zu sehen. Doch er geht trotzdem. Lässt Lena zurück. Und ich konnte ihn sogar verstehen, obwohl ich am liebsten die Seiten angeschrien hätte. Er konnte seinen Traum noch nicht loslassen. Das hat Zeit gebraucht.

Und keine Sorge, er kehrt zu Lena zurück. Die beiden kommen zusammen. Zwar ist nicht klar, wie es für beide weiter geht, aber darum geht es auch gar nicht. Sie wissen, dass sie zueinander gehören. Der Rest wird sich schon ergeben. 

Als ich mit dem Buch fertig war, war ich erst ein bisschen traurig. Wie das so oft ist, wenn man ein gutes Buch beendet hat. Doch dann kam eine gute Nachricht: am 2. September folgt der zweite Teil „New Promises“, auf den ich mich schon sehr freue. Die ich-Erzählerin wird dann aber Izzy sein. Sie lebt in Green Valley und arbeitet als Skilehrerin. Ihr bester Freund Will als Sheriff. Beide habe ich schon in „New Beginnings“ lieb gewonnen. Will ist ein scheinbar sorgenloser Frauenheld, und Izzy ist heimlich in ihn verliebt. Um ihre Freundschaft nicht zu gefährden, sieht sie still dabei zu, wie er eine Frau nach der anderen aufreißt. Nur an Silvester küsst sie ihn kurz. Danach tun die beiden aber so, als sei nie etwas gewesen. Ihre Probleme wurden in „New Beginnings“ nur angedeutet und haben mich neugierig gemacht. Deswegen freue ich mich um so mehr, bald ihre eigene Geschichte lesen zu können. 

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