Kurzgeschichte: Wie furchtbar sich Schreibblockaden anfühlen

Meine schlechte Laune klebt an meiner Haut. Ich spüre dieses Gewicht auf meinen Schultern lasten, und ich hasse, dass ich diese Formulierung benutze, weil sie so abgedroschen klingt. Doch das passt dazu, wie ich mich fühle. Dass die Worte nur noch dickflüssig durch meinen Kopf kriechen, anstatt sich darum zu streiten, wer als nächstes aufs Blatt fließt. 

Ich hasse diese Tage. An denen ich auf weiße Blätter starre, als könne ich nur durch die Herausforderung der Leere meinen Geist zwingen, wieder so zu arbeiten, wie ich es gewohnt bin. Ideen auszuspucken. Wie an den guten Tagen. An denen ich kaum Blätter wütend zerknülle und in die Ecke werfe. Tage, an denen ich die Ideen nicht nur spüren, sondern sehen, hören und riechen kann. 

Ich wünsche mir diese Tage zurück. 

Seit Stunden sitze ich vor meinem aufgeklappten Laptop und meinen bunten Notizbüchern, die mit jedem Blick, den ich auf sie werfe, mehr an Farbe verlieren. Inzwischen sind sie nicht mehr als ein grauer Haufen. 

Doch ich kann nicht aufstehen. Ich muss jetzt kreativ sein. Ich muss die zündende Idee ergreifen. Sie finden. Ich weiß, dass sie in mir schlummert. Das tut sie immer.  

Ich versuche die Angst zu ignorieren, die ihre Krallen nach mir ausfährt. Die Angst, dass ich es vielleicht verloren habe. Meine Fantasie. Meine Fähigkeit, mir Geschichten auszudenken. Verloren durch den Druck, davon leben zu wollen. Verjagt durch die vielen Absagen und die zermürbende Kritik. Selbstzweifel sitzt neben mir auf dem Stuhl, quetscht sich auf den Platz, macht es sich bequem und greift mit seinen schwitzigen Händen nach mir. Er legt liebevoll seinen Kopf auf meine Schulter. Ich spüre seinen Atem in meinem Nacken. Vielleicht sollte ich ihm einfach nachgeben. Vielleicht werde ich das tun. Einfach die Augen schließen, die Notizbücher verbrennen und den Laptop aus dem Fenster schmeißen. Es hat ohnehin alles keinen Sinn. Ich weiß, dass ich nicht gut genug bin. Dass es nur eine Illusion war. Vielleicht mache ich einfach was anderes. Wer mag schon seinen Job?

Alles ist besser als dieses Gefühl. Die Panik, dass sie doch alle Recht behalten haben. All die Zweifler und Zyniker. Vielleicht bin ich einer von ihnen. Idealismus hat mich nicht weit gebracht. Ich sitze immer noch an meinem Schreibtisch. Bewegungslos. Immer noch gibt es nur Platz für die Angst. Sie erstickt jede Idee, bevor sie genug Luft hat, sich zu entfalten. 

Ich muss diese Geschichte schreiben. Diese. Doch ich habe keine Idee. Kurz bevor ich das Notizbuch zerreiße, erblicke ich einen Satz, den ich vor Jahren hineingeschrieben habe. Blaue Buchstaben auf weißem Grund. Irgendwas regt sich. Die Farbe wächst. Das Blau breitet sich aus. Es ist nicht mehr nur dieser eine Satz. Eine Welle der Tinte schwappt über. Selbstzweifel guckt verdutzt auf. Versucht, mir das Notizbuch aus den Händen zu reißen. Aber ich bin schneller.  

Diese eine Idee. Dieser eine Funke geht auf die Tastatur über. Anstatt mir weiter den Mittelfinger zu zeigen, nimmt sie mich nun bei der Hand. Meine Finger bekommen Flügel. Sie sind mit mir verbunden, und es fließt einfach nur aus mir heraus. Die Worte, die Bilder, die Gedanken. Ich erinnere mich, warum ich liebe, was ich tue. Diese Ekstase, besser als jede Droge und jeder Rausch. Der Moment, in dem die Charaktere bei mir sind. Mich zum Weinen und Lachen bringen. Sie sich realer anfühlen, als ich selbst. Der Moment, in dem die Welt einen Sinn ergibt, weil ich sie selbst erschaffen habe. Für diesen Moment tue ich das. Für diesen Moment schreibe ich. Für die kindliche Freude. Für das Rohren eines Drachens, das ich unter meinen Fußspitzen vibrieren spüre. Für den Locher auf meinem Tisch, der sich vor meinen Augen in einen Löwen verwandelt. Für die Zeichnungen an meiner Wand, die auf einmal lernen, mit mir zu sprechen. Für all die Nächte, in denen ich mitten im Traum aufwache, meine Hände wild kribbeln, weil sie fordern, die Idee aufzuschreiben. Wegen all der Tagträumerei und den Menschen, auf die ich wütend werde, weil sie mich geweckt haben. 

Deswegen schreibe ich. Weil es kein besseres Gefühl gibt, als einfach zu schreiben, ohne darüber nachdenken zu müssen. Für Stunden auf einem Stuhl zu sitzen, ohne zu merken, wie die Zeit vergeht. Kurz die Grenze zwischen Fiktion und Realität zu vergessen. 

Schreiben kann schwer sein. Die Selbstzweifel können schlimmer sein als alle Bösewichte, die ich mir ausdenken kann. Doch wenn ich mich nur daran erinnere, warum ich das in Kauf nehme, dann werden sie wieder schrumpfen. Sie werden nur so groß, wie ich ihnen Raum gebe. Ich kann sie wieder in Zwerge verwandeln. 

Ich sitze an meinem Schreibtisch und blicke auf meinen Laptop. Schwarze Buchstaben bedecken den Bildschirm, und ein Lächeln schleicht sich auf meine Lippen. Und jetzt ist mir sogar egal, wie abgedroschen diese Formulierung klingt.

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